Kriegsende 1944: Die Abwehrschlacht tobte auf dem Donnerberg

Von: Toni Dörflinger
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Ein Symbol für den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Donnerberg: Ende September 1944 wird die Kirche St. Josef dem Erdboden gleich gemacht. Repro: T. Dörflinger

Stolberg. Krieg in der Ukraine, im Irak und in Syrien: Weit entfernt, mag man denken. Aber heute vor 70 Jahren hatte ein mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt - der Zweite Weltkrieg - auch Stolberg erreicht. Am 15. September 1944 überquerten amerikanische Truppen bei Büsbach und Dorff erstmals die Stadtgrenzen.

Sechs Tage später standen sie auf Burg Stolberg. In der Zwischenzeit war die Situation von verlustreichen Kämpfen gekennzeichnet, die zahlreiche Menschen das Leben kosteten und große Gruppen in die Evakuierung - sprich Flucht - trieben. Denn deutsche Truppen hatten den Amerikanern insbesondere auf dem Donnerberg erbitterten Widerstand entgegengesetzt.

Aber auch Büsbach und wenig später Münsterbusch waren von Kampfhandlungen nicht verschont geblieben. Dort waren der Büsbacher Berg, die Liester und die an der Cockerillstraße liegende damalige Zinkhütte Orte und Ziele der kriegerischen Auseinandersetzungen. Schutzräume gab es so gut wie keine. Lediglich die eigenen Keller und die in der Rüst, am Bärenstein und in der Atzenach liegenden Stollen und Steinbrüche hatten den Büsbachern ein wenig Schutz geboten.

Zur Flucht aufgefordert

Anders war die Situation in Münsterbusch. Dort hatten die Amerikaner 900 Menschen zur Flucht aufgefordert. Vorübergehende Aufnahme fand man in Brand, damals noch eine selbstständige Gemeinde. Wie eingangs erwähnt, hatten die Amerikaner am 21. September 1944 die Burg erreicht. Einen Tag später übergab der von den Nationalsozialisten im Februar 1934 eingesetzte Bürgermeister Dr. Engelbert Regh amerikanischen Einheiten kampflos Oberstolberg.

Auf der Mühle kam allerdings der amerikanische Vormarsch zum Stillstand. Denn deutsche Truppen hatten mit der Eisenbahnstraße und der Mühlener Brücke Unterstolberg, den Donnerberg und die Atsch besetzt. Dort tobte in der Folgezeit eine hartnäckig geführte Abwehrschlacht, die besonders auf dem Donnerberg und auf dem Duffenter vielen Einwohnern und Soldaten das Leben kostete und an der Bausubstanz großen Schaden anrichtete.

Granateinschläge

Aber auch die Oberstolberger blieben von Kampfhandlungen nicht verschont. Schließlich musste man Granateinschläge und Gewehrfeuer fürchten. Sogar die Burg bekam einige Treffer ab. Schutz fanden die Oberstolberger aber in den Stollen unter der Burg, im Schlossberg und im Hammerberg. Dort hatten die Firmen Prym und Dalli Anfang der 1940er Jahre vier Stollen unterschiedlicher Größe anlegen lassen.

Immerhin hatten rund 11.000 Stolberger ihr Schicksal nicht in der Flucht gesucht, sondern hatten im Stadtzentrum ausgeharrt. Zahlreiche Tote hatte es aber einige Tage zuvor gegeben. Denn am 15. September 1944 war ein mit vielen Stolbergern besetzter Evakuierungszug bei Eschweiler in einen Tieffliegerangriff geraten.

Wie hatten sich die kriegerischen Auseinandersetzungen in den 1972 eingemeindeten Orten Zweifall, Schevenhütte, Mausbach und Gressenich dargestellt? Zweifall hatten die Amerikaner von Roetgen kommend bereits am 14. September 1944 kampflos eingenommen.

Besonders kritisch und verlustreich hatte sich die Situation in Gressenich abgespielt. Denn dort hatten deutsche Truppen zwei Monate lang den Amerikanern getrotzt. Die Folge war ein weitgehend zerstörter Ort mit zahlreichen Toten. Ihr Ende fanden die Kämpfe im Raum Stolberg am 18. November 1944.

In seinem 1990 erschienen Buch „Geschichte der Stadt Stolberg“ beziffert Dr. August Brecher allein die materiellen Schäden wie folgt: 71.300 Kubikmeter Trümmer, 280 zerstörte Wohnhäuser, zwei vernichtete Schulen, acht in ihrer Substanz beeinträchtigte Firmen und sieben Kirchen, die erhebliche Defekte und Mängel aufwiesen. Ganz zu schweigen von den vielen Menschenleben, die der Krieg im Bereich der Stadt Stolberg gefordert hatte.

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