Kreditvergabe hemmt die Vermarktung

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Mehr als 20 Hektar Gewerbefläche im Camp Astrid warten noch auf ansiedlungswillige Unternehmen; ihre größte Hürde ist dabei die Finanzierung.

Stolberg. Das Interesse von Unternehmen an einer Ansiedlung im Gewerbegebiet Camp Astrid ist wesentlich größer als eine Realisierung von den Geldinstituten ermöglicht wird. Das ist die ernüchternde Bilanz einer Analyse, die Detlef Werry dem Stadtrat vorlegen wird.

Dennoch verzeichnet der städtische Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer der Camp Astrid GmbH mit zunehmender wirtschaftlicher Erholung weitere Ansiedlungserfolge. Allerdings bleibt die Vermarktung bislang hinter der Erwartung zurück, nach einem Hektar im ersten, je zwei bis drei Hektar in dem insgesamt 37 Hektar großen Areal mit 23 Hektar Gewerbefläche in den Folgejahren veräußern zu können.

„Die meisten Ansiedlungsvorhaben im Camp Astrid scheiterten letztlich an den Basel-II-Vorschriften, da den Gewerbetreibenden von den Kreditinstituten die Finanzierung nicht gewährt werden konnte”, resümiert Werry.

Durch Basel-II wurden staatlich verordnete Anforderungen an das Eigenkapital der Geldinstitute, die sich stärker am tatsächlichen Kreditrisiko auszurichten hatten. Entsprechend restriktiv setzten die Banken diese Anforderungen bei der Kreditvergabe an Unternehmen um - für expandierende Firmen und Existenzgründer eine hohe Hürde bei der Finanzplanung für eine Investition.

Mit dem Einstieg in die Vermarktung in 2006 wurden innerhalb von zwei Jahren 100 intensive Ansiedlungsgespräche mit Gewerbetreibenden geführt. Ein Drittel davon zeigte ernsthaftes Interesse; aber die meisten Vorhaben scheiterten an Basel-II. 2009 erschwerte die Wirtschaftskrise und eine nochmals verschärfte Kreditvergabe die Vermarktungsaktivitäten weiter.

„Seit Mai 2009 besteht Kontakt zu 35 ansiedlungswilligen Unternehmen, wobei mit neun intensive Verhandlungen geführt werden”, sagt Werry. Außerdem treffen wöchentlich etwa zwei bis drei Anfragen nach Gewerbeflächen ein, die unterschiedlichen Beratungsaufwand erfordern. Rund 15 Mal hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im vergangenen Jahr im Wettbewerb mit anderen Kommunen in der Region angeboten; eine Ansiedlung daraus erfolgte nicht.

Erschwerend wirkt sich auch der Umstand aus, dass mitarbeitende Inhaber kleiner handwerklicher Betriebe Planung und Logistik einer Umsiedlung aufgrund der Auftragslage zurückstellen bzw. zeitlich ausdehnen. Erst wenn der Druck zur Betriebsverlagerung zu groß ist, werden Planungsleistungen an Dritte vergeben.

Dabei muss Detlef Werry bei der Vermarktung der Flächen aufgrund der öffentlichen Förderung zahlreiche Kriterien im Blick behalten. Beispielsweise müssen pro 1000 Quadratmeter verkaufter Gewerbefläche mindestens zwei Arbeitsplätze geschaffen werden.

Bereits geschaffen sind 24 Arbeitsplätze bei derzeit fünf Unternehmen aus den Branchen Großmetzgerei (12), Zimmerei (4), Metallbau (3), Lkw-Handel (3) und Lederrestauration (2). Weitere 35 Arbeitsplätze werden in Kürze folgen, wenn die unterschriftsreifen Verträge gezeichnet sind.

Ein weiterer Metallbauer hat sieben Beschäftigte, ein Logistik-Unternehmen zwölf Mitarbeiter avisiert. Dieses wird eines der letzten Relikte aus Zeiten der belgischen Truppen sanieren und nutzen: Eine recht intakte Wartungshalle, der der bereits die Militärs ihre Fahrzeuge instandgesetzt hatten.

Derweil wartet ein Messebauer aus Aachen, dass er sich auf seinem bereits erworbenen Grundstück einrichten kann. Die Halle dafür liegt bereits parat, allein es fehlt angesichts der Auftragslage die Zeit, die Adresse am Wallonischen Ring in Besitz zu nehmen, berichtet Detlef Werry.

Der Geschäftsführer hat darüber hinaus Flächen reserviert für einen Dachdecker, einen weiteren Metallbauer und eine Glaserei, so dass insgesamt 9945 Quadratmeter verkaufte und 15.600 Quadratmeter reservierte Flächen im Gewerbegebiet verplant sind. In dem nach Größe und Struktur vergleichbaren Gewerbegebiet Steinfurt hat die komplette Vermarktung 19 Jahre gedauert.
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