Krankenhaus Stolberg: Der Arztbesuch per Flachbildschirm

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
13074176.jpg
Bei der Teleintensivmedizin, die seit einigen Monaten im Stolberger Krankenhaus angeboten wird, werden zur Visite der Patienten Ärzte des Aachener Uniklinikums per Video zugeschaltet. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, auf der Intensivstation des Bethlehem-Gesundheitszentrums in Stolberg herrscht reger Betrieb. Es ist Zeit für die Visite. Ärzten und Pflegepersonal betreten das Zimmer eines Patienten mit kardiologischen Problemen. Mit dabei haben sie nicht nur ihre Stethoskope, sondern auch einen Computer samt Webcam auf einem Rollpult.

Diese Ausrüstung gehört zu einem Kooperationsprojekt mit dem Aachener Uniklinikum, das seit mehreren Monaten läuft: Tele-Visite ist zum Alltag auf der Intensivstation in Stolberg geworden.

Fachpfleger Bernd Meuthen schiebt den Rollwagen direkt vor den Patienten, stöpselt den Rechner ein und drückt ein paar Knöpfe. Nach wenigen Augenblicken erscheinen zwei freundliche Gesichter auf dem Bildschirm. „Guten Morgen, wie geht es Ihnen heute?“, fragt Dr. Robert Deisz von Aachen aus, der den Stolberger Patienten über die Kamera gut sehen kann. Dieser nickt, es gehe ihm schon besser.

Wenig Aufwand für den Patienten

Das Medizinerteam aus Stolberger und Aachener bespricht im Beisein des Patienten, wie aktuelle Befunde zu bewerten sind und welche Therapierung am sinnvollsten ist. „Für uns hier in Stolberg hat das den Vorteil, dass wir die Expertise der Kollegen aus Aachen hinzuziehen können, ohne dass der Patient oder der Aachener Arzt sich bewegen müssen“, sagt Dr. Christoph Dietrich, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Stolberger Krankenhaus. Das kann gerade in Fällen, wo ein Transport für den Patienten ein Risiko darstellt, ein entscheidender Vorteil sein.

„Jeder Arzt, auch wenn er die gleiche Fachausbildung hat, hat andere Bereiche, in denen er sich gut auskennt und ein wirklicher Experte ist“, so Dietrich. Darum ist es für einen Intensiv-Patienten nur von Vorteil, wenn aus möglichst vielen Blickwinkeln auf seine individuellen Bedürfnisse geschaut wird.

„Es gibt Untersuchungen, wonach Menschen, die auf diese Weise betreut werden, schneller die Intensivstation wieder schneller verlassen können“, sagt Robert Deisz aus Aachen. Und auch nach dem Krankenhausaufenthalt gehe es den Leuten besser. Sprich: Die Behandlung wird von Anfang an optimiert.

Für den älteren Patienten, der gerade visitiert wird, ist das Gespräch mit den Aachener Ärzten nicht befremdlich: „Man kann sich ja ganz normal sehen und unterhalten“, sagt der Mann. So wie ihm geht es den meisten Patienten, die bisher über Kamera mit der Kaiserstadt in Kontakt waren: „Wir habe mehr als 1300 Fälle behandelt in den letzten Jahren“, sagt Robert Deisz, „und die Zustimmung unter den Patienten ist wirklich groß.“

Auf dem Bildschirm erscheint nun eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs des Patienten. Eine Tabelle wird aufgerufen, sie zeigt verschiedene medizinische Werte des Patienten. „Die haben wir hier in Stolberg vor der Visite gemessen und dann auf eine Plattform geladen, auf die auch die Aachener Kollegen Zugriff haben“, erklärt Bernd Meuthen.

„Wir kommunizieren mit den Aachener Kollegen auf Augenhöhe“, sagt Dr. Andreas Bootsveld, Leitender Oberarzt der Bethlehem-Intensivstation. Jeder bringe sein Fachwissen ein, man lerne von einander. Ein Stück weit sei die Zusammenarbeit mit den Aachenern für die Stolberger Ärzte aber auch eine Bestätigung: „In der Zeit, in der das Projekt läuft, haben wir festgestellt: Wir brauchen uns hier mit unseren Fähigkeiten und Kenntnissen wirklich nicht zu verstecken.“

Das kann auch Fachpfleger Bernd Meuthen bestätigen: „Oft bekommen wir aus Aachen zu hören: ‚Das hätten wir genauso gemacht wie ihr‘. und das ist ein gutes Gefühl.“

Wichtig ist dabei eine hohe Datensicherheit. „Sowohl in Aachen als auch in Stolberg haben nur ganz bestimmte Personen Zugriff auf die Patientendaten“, betont Meuthen. Und: „Wenn ein Patient nicht mehr auf der Intensivstation ist, dann werden seine Unterlagen von der Plattform gelöscht.“

Das Team der Intensivstation kann sich gut vorstellen, die Telemedizin dauerhaft einzusetzen. „Auch für andere Stationen könnte man sich eine Vernetzung mit anderen Kliniken grundsätzlich vorstellen“, sagt Chefarzt Dietrich. Allerdings sei die passende Technik mit entsprechenden sicheren Leitungen eine Voraussetzung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert