Kräuterwissen bringt Gabi Jansen von Stolberg in Japans Fernsehen

Von: Heike Eisenmenger
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Zum Abschied hat Gabi Jansen (
Zum Abschied hat Gabi Jansen (links) für das Fernsehteam und Projektkoordinatorin Tomoko Shiina (rechts) Kräutermixturen zusammengestellt. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Von Stolberg in die japanischen Wohnzimmer zu gelangen, ohne dabei einen Fuß ins Land der aufgehenden Sonne zu setzen - dafür braucht „Kräuterhexe” Gabi Jansen keine magische Flugsalbe. Sie braucht schlichtweg ein Fernsehteam.

Das war in Begleitung einer Schauspielerin aus Tokio angereist, um eine Reportage über die „deutsche Kräuterhexe” zu drehen. Kräuter und die Hexenverfolgung sind Thema einer Kultursendung, die am 22. November in Japan ausgestrahlt wird.

Im Mittelalter wurden Frauen wie Gabi Jansen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Und das nur, weil sie um die Wirkung von Pflanzen wussten.

Doch mit Kräutern kann man weder einen Schlaganfall noch Syphilis kurieren. „Starb der Patient, konnte es passieren, dass die kräuterkundige Frau die Schuld am Tod bekam und der Hexerei beschuldigt wurde”, erzählt Gabi Jansen. Eine ihrer Vorfahrinnen wäre um Haaresbreite als Hexe verbrannt worden, berichtet die Stolbergerin, die den Spitznamen „Kräuterhexe” bekam.

Inzwischen ist die Kräuterhexe über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dass sich sogar der japanische Fernsehsender NHK der öffentlich-rechtlichen Fernsehen- und Rundfunkanstalt in Tokio für sie interessiert, und für einen mehrtägigen Dreh anreiste, war allerdings auch für Jansen eine Überraschung.

„Das Besondere sind aber nicht nur fremde Länder, die in Zusammenhang mit dem Thema, das für die Sendung gewählt worden ist, bereist werden: Als Moderator tritt jedes Mal eine andere berühmte Persönlichkeit auf”, erklärt Tomoko Shiina, Koordinatorin des Projektes.

Die Japanerin lebt seit vielen Jahren in München und suchte im Auftrag von NHK eine Deutsche, die kräuterkundig ist und sich auch mit der Historie der Pflanzen auskennt. „Auf Gabi Jansen bin ich im Internet gestoßen”, erzählt Tomoko Shiina.

Die Hexenverbrennungen sind eines der schwärzesten Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche. „Im Mittelalter war es hochgefährlich, sich mit Kräutern auszukennen, aber oft blieb den Frauen keine andere Wahl, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zum Teil hatten sie auch einen schlechten Ruf, weil sie Salben mischten, die eine aphrodisierende und auch berauschende Wirkung hatten”, erklärt Gabi Jansen vor laufender Kamera.

Vor allem aber erzählt sie von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Und davon, wie Kräuter, die viele aus Unwissenheit als „Unkraut” abwerten, den Speiseplan aufwerten.

Gedreht wurde in der Stolberger Umgebung und auch der Laufenburg bei Langerwehe. Vor der Kamera standen auch Gressenicher Grundschüler, die Gabi Jansen im Rahmen eines Naturkundeprojekts betreut.

Ein besonderes Erlebnis für Gabi Jansen war der Drehtag mit der Schauspielerin Youki Kudoh, die in Japan jedes Kind kennt. Cineasten dürfte die Japanerin aus dem Film „Mystery Train” bekannt sein.

„Das ist eine so nette Frau - und bildhübsch. Gemeinsam haben wir Kräuter gesammelt und eine Brennnessel-Meldesuppe zubereitet.” Die Meldepflanze ist der Vorläufer Blattspinats. „Youki Kudoh war begeistert von der Meldesuppe und auch von dem Frischkäse auf frischgebackenem Brot, das wir mit selbstgepflügten Kräutern angemacht war”, erzählt Jansen. Dass die Schauspielerin ihr zum Abschied ihre private E-Mail-Adresse gab und sie nach Tokio einlud, empfindet sie als eine sehr große Ehre.

„Viele der Kräuter, die wir verarbeitet haben, sind in Japan unbekannt”, sagt die Kräuterhexe. Kräuter, die fälschlicherweise als Unkraut abgetan werden. Das Galmeiveilchen zu übergehen, wäre ein Fauxpas gewesen: Es ist einzigartig auf der Welt, und wächst nur hier. Dass es auch mit der persönlichen Geschichte von Gabi Jansen zu tun hat, macht es besonders interessant. „Es gehört zu den Zeigerpflanzen. Diese Pflanzen heißen so, weil sie nur dort gedeihen, wo Erze im Boden sind.”

Die Vorfahrin von Gabi Jansen kannte den Zusammenhang zwischen Galmeiveilchen und Erzen im Boden und hatte folgerichtig prognostiziert, dass man an der Stelle, wo die Pflanze wuchs, fündig werden würde. Eben diese Prognose war es, die man zum Anlass nahm, sie der Zauberkunst zu bezichtigen.

Ebenso konnte im Mittelalter eine Behandlung mit Kräutern, die nicht den erhofften Erfolg brachte, das Todesurteil bedeuten. Heute hingegen weiß man, wie wertvoll das überlieferte Wissen ist. Wie groß das Interesse ist, zeigt der Besuch des Filmteams aus Tokio, das fast 15 000 Kilometer weit reiste, um über Kräuter aus „Germany” zu berichten.
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