Kräuterhexen halten Ordnung im Burgbeet

Von: Sonja Essers
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Kümmern sich um den Kräutergarten an der Burg: Pascal van den Berghe, Marita Matousek, Gabi Jansen, Yvonne Prickartz-Kaufford, Birgit Spies (vorne) und Gaby Hoff (von links). Es fehlt Christine Leisten. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Im Kräutergarten an der Stolberger Burg wird am Dienstag fleißig gearbeitet: Mit Handschuhen, Schaufeln und Haken bringen Marita Matousek und ihre Mitstreiter die Beete auf Vordermann. Vom einsetzenden Regen lassen sie sich nicht aufhalten. Er wird gekonnt ignoriert – so lange, bis auch die letzten Reste von Müll und Unkraut beseitigt sind.

Sechs Frauen und ein Mann haben sich auf die Fahne geschrieben, den Kräutergarten zu erhalten, zu pflegen und aus ihm einen Wohlfühlort für kleine und große Stolberger zu machen. Aus diesem Grund sind sie mehrmals in der Woche am Fuße der Burg anzutreffen und erledigen die anfallenden Gartenarbeiten – ehrenamtlich.

Bekannt ist die Truppe, zu der Yvonne Prickatz-Kauffold, Gabi Jansen, Haby Hoff, Birgit Spies, Christine Leisten und Pascal van den Berghe gehören, übrigens unter dem Namen Kräuterhexen. Wie die Idee entstand, sich für den Erhalt des Kräutergartens einzusetzen? Durch einen Zufall.

Vor rund zwei Jahren befreiten die Mitarbeiter der Stolberg-Touristik im Rahmen ihrer Veranstaltung „Kehraus“ den Kräutergarten von Müll. „Danach waren wir uns einig, dass man an diese Aktion anknüpfen und sich regelmäßig darum kümmern müsste“, sagt Matousek.

Gesagt, getan! Durch einen Aufruf in den Sozialen Netzwerken waren schnell weitere Mitstreiter für das Projekt gefunden, die sich seitdem mit viel Zuneigung den zahlreichen Pflanzen widmen. „Erstmal steht das Entdecken, Erhalten und Pflegen an und dann können wir irgendwann einmal unsere Visionen umsetzen“, sagt Gaby Hoff und lacht. Ideen haben die Kräuterhexen jede Menge. Beetumrandungen und Hochbeete, in denen Gemüse angepflanzt wird, könnten sich die Ehrenamtler gut vorstellen.

Pflaumenbaum brennt

Bevor sie sich jedoch der Zukunft widmen können, müssen sie sich immer wieder der Gegenwart und damit auch der – oft eher unschönen – Realität stellen. Denn: Nicht immer finden die Kräuterhexen den Garten so vor, wie sie ihn verlassen haben. Vandalismus sei immer wieder ein Problem. Erst vor drei Wochen zündeten Unbekannte einen Pflaumenbaum an. Eine Aktion, die bei den Ehrenamtlern großes Unverständnis und großen Ärger auslösen. „Wie schnell hätten auch die Häuser in der Altstadt brennen können? Die sind nämlich gar nicht so weit vom Pflaumenbaum entfernt“, sagt Matousek. Das Feuer konnte zwar schnell gelöscht werden, die Ausmaße des Brandes sind trotzdem verheerend. Gerettet werden kann der Baum nämlich nicht mehr. „So wie es aussieht, wird er in vier Jahren wohl gefällt, hat uns die Stadt mitgeteilt“, sagt Matousek.

Für die Ehrenamtler ein herber Rückschlag. „Das Ziel des Kräutergartens ist es, dass sich die Stolberger hier bedienen können und Anregungen holen können ohne etwas zu zerstören“, sagt Gabi Jansen. Die erfahrene Naturkennerin, die als Kräuterhexe auch Einheimischen und Touristen die Pflanzen näher bringt, engagiert sich schon seit 1998 für den Erhalt des Kräutergartens. Damals fragte sie bei der Verwaltung, ob sie eine ehrenamtliche Patenschaft dafür übernehmen könne. „Das lief am Anfang gut, bis die Leute, die den Garten nutzten, uns davon abgehalten haben, mehr zu tun“, sagt Jansen.

Auch damals spielte das Thema Vandalismus schon eine Rolle. „Als ich mit einer meiner Führungen hier war, schmiss man mit Flaschen nach uns. Ich habe auch schon erlebt, dass eine Bank runtergeworfen wurde. Irgendwann ist dann auch Schluss“, sagt Jansen. Sie fuhr ihr Engagement wieder herunter und der Garten wuchs erneut zu. Bis vor zwei Jahren. Heute ist sie froh, dass sie fleißige Helfer gefunden hat, die sich in ihrer Freizeit um die kleinen und großen Pflanzen kümmern.

Melisse, Oregano und Salbei

Davon gibt es jede Menge. Nicht nur Pflaumen-, Apfel- und Birnenbäume wachsen im Burggarten, sondern auch Kräuter. Meerrettich, Rosmarin, Wasserminze, Salbei, Sauerampfer, Melisse, Oregano und Liebstöckel sind nur einige Pflanzen, die dort zu finden sind (siehe Infobox). Das war nicht immer so. „Der Garten war damals ziemlich verwildert. Erst Anfang der 1980er Jahre wurden Beete angelegt, Bäume gepflanzt und ein Brunnen entstand“, sagt Jansen. Seit die Kräuterhexen dort arebtein, wird es besser – auch in Sachen Müll. „Wenn wenig herumliegt, trauen sich die Leute oft nicht ihren Müll liegen zu lassen“, sagt Matousek und hebt das letzte Papier auf bevor sie und ihre Mitstreiter Feierabend machen.

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