„Korfmacherorgel unplugged“: Der Pastor tritt den Blasebalg

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Erklingt zum Pfarrfest ohne elektrische Unterstützung: Die 1885 gebaute und restaurierte Korfmacherorgel in St. Barbara. Foto: U. Lühring

Stolberg-Breinig. Die Korfmacher­orgel der Breiniger Pfarrkirche gehört zu den wenigen erhaltenen Orgeln des Linnicher Orgelbauers Wilhelm Korfmacher und ist eine der wertvollsten, alten Orgeln der Städteregion.

Nach einer Grundrestaurierung 1982 wurde die Orgel in allen Teilen wieder nach dem ursprünglichen Konzept Korfmachers aus dem Jahr 1855 restauriert und funktioniert seitdem rein mechanisch, also ohne alle modernen (elektrischen) Spielhilfen. Lediglich die Luft für den großen Blasebalg, der die Orgelpfeifen mit der nötigen Luft erzeugt, wird elektrisch hergestellt.

Im Frühjahr dieses Jahres konnte, dank der Projektförderung durch den Landschaftsverband Rheinland und der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen, der historische Blasebalg der Orgel, der noch komplett aus dem Entstehungsjahr stammt und bisher nur notdürftig „geflickt“ wurde, durch die Orgelbaufirma Weimbs aus Hellenthal originalgetreu restauriert werden.

In liebevoller Kleinarbeit wurde die komplette Balganlage (mit Luft gefüllt etwa 2 x 2 x 2 m groß) im engen Turmraum vor der Orgel vor Ort in die kleinsten Teile zerlegt. Die größte Arbeit bestand dann darin, einen neuen „Lederbalg“ aus französischem Ziegenleder zu nähen, so wie es Korfmacher vor 150 Jahren gemacht hatte. Nach vier Wochen Arbeit erklang die Orgel dann zum Pfingstfest 2015 erstmals „mit neuer Luft“.

Interessant ist, dass die Orgelbauer dabei auch den vor 150 Jahren eingebauten „Schöpfer“, einen großen Fußhebel, der den Blasebalg durch menschliche Muskelkraft mit Luft füllte, wieder funktionstüchtig einbauten. Damit ist die Breiniger Orgel jetzt auch ganz ohne Strom komplett und ohne jede Einschränkung spielbar.

Vor 150 Jahren waren es wohl Messdiener, die statt am Altar zu dienen den Blasebalg der Orgel treten durften. Allerdings musste dieser sogenannte „Kalkant“ nicht nur einigermaßen sportlich sein, sondern auch darauf achten, immer einen regelmäßigen Druck zu erzeugen, was bei wechselndem Spiel mit wenig bzw. viel Registern gar nicht so einfach ist. Im normalen Betrieb wird daher auch der restaurierte, historische Blasebalg durch ein elektrisches Gebläse mit Luft versorgt.

Anlässlich des Pfarrfestes 2015 hat sich Kirchenmusiker Franz Körfer aber etwas Besonderes einfallen lassen, nämlich ein „Orgelkonzert unplugged“ (will heißen: ohne Strom). Pfarrer Ulrich Lühring wird dabei höchstpersönlich die Rolle des Blasebalgtreters übernehmen.

Damit die Konzertbesucher in der Kirche davon aber überhaupt etwas mitbekommen, soll die Tätigkeit des Kalkanten und die Fertigkeit des Organisten, der bei der historischen, rein mechanischen Orgel nicht nur die Tasten und Fußpedale bedient, sondern dazwischen auch noch blitzschnell die Register „ziehen“ muss, über eine Videokamera auf eine Leinwand im Chorraum übertragen werden.

Nach dem kurzen, etwa 30-minütigen Konzert gibt es die Gelegenheit, die restaurierte Blasebalganlage und die Orgel bei einer Turmführung aus der Nähe zu betrachten. Bei den Turmführungen in kleinen Gruppen kann auch die Glockenstube besichtigt werden, wo die „Beiergruppe“ die alte Kunst des „Glockenbeierns“, das heißt des melodiösen Anschlagens der Glocken von Hand (als eine Art Glockenspiel) erläutert.

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