Konzert: Franz Schuberts Musik und Leben stehen im Mittelpunkt

Von: Marie-Luise Otten
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Vor der Kulisse des Wiener Konzerthauses boten Pianistin Nadia Singer und Tenor Edward Leach eine Auswahl von Franz Schuberts Musik und Liedern, während Rezitator Lutz Görner Interessantes aus dessen Leben zu erzählen wusste. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Der Rittersaal gehörte jetzt Franz Schubert, dessen reiches musikalisches Schaffen auch heute noch, nach knapp 200 Jahren, viele Menschen in den Bann zieht. Der Saal war gut gefüllt, und das Interesse an dem Trio Nadia Singer (Klavier), Edward Leach (Tenor) und Lutz Görner (Rezitator) groß.

In einem mitreißenden Programm sang der junge lyrische Tenor Schuberts „Heidenröslein“, „Erlkönig“, „Musensohn“ und „die launige Forelle“, während die Russin die Lieder begleitete und diverse Klaviermusik auf einem leider nicht gut gestimmten Klavier zu Gehör brachte.

Ein grandioses Feingefühl, stimmliche Gewalt, dramatische Gestaltungskraft und lautmalerische Besonderheiten zeichneten Tenor und Pianistin gleichermaßen aus. Zwischen den musikalischen Leckerbissen erzählte der Rezitator Geschichten und Anekdoten aus dem Leben des österreichischen Komponisten, der zu seiner Zeit nur eine lokale Größe war. „Wien hatte damals 250.00 Einwohner, und von diesen kannten ihn gerade mal 2000 Menschen“, erzählte Lutz Görner, „und dabei hat er mehr als 1500 Kompositionen geschaffen. Als er starb, besaß er nur einige wenige Kleidungsstücke und Musikalien im Wert von 400 Euro“.

Besondere musikalische Gabe

1797 als zwölftes Kind von 14 eines Lehrers geboren, erhielt er im Alter von sechs Jahren Klavier- und Geigenunterricht und spielte bald die schwersten Stück vom Blatt, so dass er seine Lehrer weit übertraf. Antonio Salieri, sein Kompositionslehrer, bescheinigte ihm eine besondere musikalische Gabe und wusste, dass er ihm noch viel Ehre machen werde. Immer ging es Schubert um das Musizieren, um das Spiel mit den unerschöpflich seiner Fantasie zuströmenden Melodien und Harmonien. Interessant war, wie er komponierte. „Ohne Klavier saß er vor seinem leeren Notenpapier, trommelte mit den Fingern und schrieb seine Stücke fast fehlerfrei auf“.

Was den Charakter betraf, lebte Schubert introvertiert, lachte selten, war wortkarg und scheu. Der Schulzwang war ihm unerträglich, und bald musste er die Schule wegen schlechter Noten verlassen. Um sich 14 Jahre Militärdienst zu ersparen, nahm er eine Stelle als Schulgehilfe bei seinem Vater an. Erst als er Franz von Schober 1815 kennenlernte, blühte Schubert auf. Zusammen führten sie ein „Hallodri-Künstlerleben“, was dem Vater gar nicht gefiel. Sein Freundeskreis wuchs, und die ausgelassenen Musikabende, „Schu-bertiaden“ genannt, auch. In der sogenannten „Unsinnsgesellschaft“ war er der Garant für Geist und niveauvolle Unterhaltung.

Nur das Geld zum Leben fehlte. Seine Lehrerstellung hatte er aufgegeben, und die öffentlichen Auftritte brachten nichts ein. Görner zitierte Briefe an Schuberts Bruder, indem er ihn mit erfundenen Bibelzitaten um ein Scherflein bat. Das bekannteste Lied neben dem Erlkönig ist „Der Wanderer“. „Dort, wo du nicht bist, da ist das Glück“. Gemeint war hier die tödliche Krankheit, mit dem sich der 26 Jahre alte Schubert infiziert hatte. An der seit Kolumbus Zeiten grassierenden Syphilis starben mehr als 50 Millionen Menschen. Das Positive an den Schmerzen war, dass sie den Komponisten hellsichtiger machten. „Sein Leben wurde intensiver, das künstlerische Schaffen immer schneller, sein Lebenswandel immer zügelloser“. Er hatte gigantische Gemütsschwankungen, Todessehnsucht, wie es im gesprochenen Lied „Am Meer“ mit Görner, Klavier und Klarinette zum Ausdruck kam. 1828 starb er im Alter von nur 31 Jahren und wurde in der Nähe von Beethovens Grab beerdigt.

Für die Darbietungen erhielt das Trio tosenden Beifall und bedankte sich noch mit zwei Zugaben.

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