Kompositionen fordern dem Chor viel ab

Von: mlo
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Mit dem Kunstlied „Gretchen am Spinnrad“ aus Goethes Faust in der Vertonung von Franz Schubert zog die Sopranistin Maria Mironova das Publikum in ihren Bann. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Wer auch immer das Programm für das Herbstkonzert des Kammerchors der Volkshochschule Stolberg zusammengestellt hatte, der hatte es gut durchdacht und zeigte, dass Gegensätze sehr anziehend sein können. Im Rittersaal stellten die Damen und Herren unter Leitung von Klaus Weiß den romantischen Komponisten zeitgenössische Lieder und Chöre regionaler Komponisten gegenüber.

 Ausführende waren neben dem Kammerchor die Sopranistin, Maria Mironova, und die Bratschistin, Gertrud Schmidt. Am Klavier begleitete Klaus Weiß.

Süß, herb, reich und unwiderstehlich traurig gestalteten sich die Werke von Johannes Brahms, der seine Kleinode nach verschiedenen Gedichten von Friedrich Speer, Paul Heyse und Friedrich Rückert komponiert hatte. Die Werke demonstrierten menschliche Gefühle wie Liebe oder Sehnsucht auf eine überhöhte Art.

Auch Felix Mendelssohn-Bartholdys Name ist eng mit der romantischen Epoche verknüpft. Wunderschön kamen „Die Nachtigall“ nach einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe und das „Jagdlied“ nach einem Gedicht von Joseph von Eichendorff zur Geltung. Die anspruchsvollen Stücke verlangten dem Chor einiges ab, der sie jedoch nuancenreich und mit Empfindsamkeit interpretierte.

Die zweite Programmhälfte war Franz Schubert und Antonin Dvorák gewidmet. Der naturverbundene und tief religiöse Komponist zählt zu den bedeutendsten tschechischen Musikern des 19. Jahrhunderts. Mit relativ einfachen Mitteln schuf er einen ausdrucksstarken Zyklus von fünf Chorliedern nach Gedichten von Vitezslav Hálek. In den elegant wirkenden Kompositionen pries er Gottes Schöpfung.

Der in Schuberts letztem Lebensjahr entstandene „Hirt auf dem Felsen“ war ein Auftragswerk für die Opernsängerin Anna Milder-Hauptmann, in dem der Künstler drei verschiedene Gedichte zu einer stimmungsvollen musikalischen Szene verknüpfte. In Stolberg sang die Partie Maria Mironova.

Die russische Sängerin, Jahrgang 1980, verfügt über eine sicher geführte und besonders in der Mittellage große Stimme und setzte ihre Ausdrucksmittel wohlüberlegt ein. Besonderen Reiz gewinnt das Stück durch die (obligatorische) Klarinette, deren sowohl selbständig agierenden wie auch der Singstimme imitatorisch folgenden Part Gertrud Schmidt auf der Bratsche spielte. Das Kunstlied „Gretchen am Spinnrad“ aus Goethes Faust schrieb Schubert im Alter von 17 Jahren. Maria Mironova zog mit dieser Vertonung die Besucher erneut in ihren Bann.

In Kontrast zu der romantischen Epoche gab es für die unterschiedliche Besetzungen sieben originelle Werke von Josef Otten und Klaus Weiß, von denen fünf an diesem Nachmittag uraufgeführt wurden. Zu dem Gedicht „O komm, Geliebte“ von Omar Kayyam, persischer Dichter und Naturwissenschaftler (1045-1122) hatte Otten, der Lokalmatador, einen eindrucksvollen Chorsatz geschaffen. Bissig war dagegen das Gedicht „Das Volk ist dumm“ von Walther von der Vogelweide (1170-1230), das an Aktualität auch nach 800 Jahren nichts verloren hat, wie es Norbert Steffens in seiner wie immer ausgefeilten Moderation ausführte.

Für Maria Mironova, die von Klaus Weiß mit ihrem Gesang am Klavier begleitet wurde, hatte Josef Otten ebenfalls ein Frühlingslied nach einem Gedicht von Else Laske-Schüler komponiert, das die in Kelmis lebende Künstlerin denn auch gerne sang.

Klaus Weiß hatte seinem Chor eine „Frühlingsnacht“ beschert und außerdem zwei Ringelnatz-Gedichte für Chor und Klavier vertont. Einmal ging es um „zwei Ameisen, die nach Australien reisen wollten“ und zum anderen um ein „kleines Reh, das am ganz kleinen Baum still und verklärt wie im Traum steht“ (Solo: Sandra Lippmann).

Für die Solistin hatte Weiß das „Rosenband“ nach einem Gedicht von Friedrich Gottlieb Klopstock geschaffen, indem das lyrisch verliebte Ich die schlafende Geliebte weckt. Nach einem nicht enden wollenden Beifall gelang dem Chor mit dem „Gute Nacht, Freunde“-Lied von Reinhard Mey ein schöner Ausklang.

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