Stolberg-Liester - Kompetenz für das ganze Leben erlangen

Kompetenz für das ganze Leben erlangen

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
Spielerisch lernen die Kinder
Spielerisch lernen die Kinder am Goethe-Gymnasium, sich im Leben zu behaupten und zugleich auf die Standpunkte anderer Menschen einzugehen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Liester. Die „Ikea-Methode” haben Siebtklässler Fynn Bading und seine Mitschüler des Goethe-Gymnasiums schon verinnerlicht. Sie hilft ihnen, sich nicht zu Dingen überreden zu lassen, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten.

Mit der gleichnamigen Möbelhauskette hat die Ikea-Methode aber nichts zu tun. Sie ist vielmehr Bestandteil des Programms „Erwachsen werden”, das angeboten wird vom „Lions Quest”, dem Hilfswerk der Deutschen Lions Clubs. Das in den Vereinigten Staaten entwickelte Jugendförderprogramm wird seit einiger Zeit auch am Goethe-Gymnasium angewandt und zukünftig fester Bestandteil des pädagogischen Konzeptes sein. Den ersten Durchlauf betrachten Lehrer wie Schüler als einen Erfolg auf der ganzen Linie.

Doch was ist dieses Programm genau? „Es geht um das Erlangen von Lebenskompetenzen”, fasst Lehrerin Katrin Tücks zusammen. Die 35-Jährige ist Fynns Klassenlehrerin. Gemeinsam mit weiteren 14 Kollegen wurde Tücks in einem dreitägigen Seminar mit dem Programm vertraut gemacht. Wichtigster Ansatzpunkt ist, Schülern dabei zu helfen, sich in der Gruppe besser zurecht und dort ihren Platz zu finden. Respektvoller Umgang, Reflexion, Selbstvertrauen: Das sind die Baustein von „Erwachsen werden”, fasst Schulleiter Bernd Decker zusammen.

Das Programm kam Anfang der 90er Jahre nach Deutschland. Es musste allerdings zunächst den Begebenheiten in deutschen Schulen angepasst werden. Neue Methoden in der Pädagogik sind ebenso notwendig wie in der Architektur, denn Schule hat sich in den vergangenen Jahre radikal verändert. „Die Kinder und Jugendlichen haben heutzutage einen viel längeren Schultag. Das bringt auf sozialer Ebene eine Herausforderung”, erläutert Decker. „Die Kinder sind an drei langen Tagen hier und damit automatisch mit Menschen konfrontiert, die sie privat vielleicht niemals treffen wollen würden”, schildert Katrin Tücks die Problematik. Eine Konfrontation sei da unvermeidlich. Die entscheidende Frage aber sei, wie diese Konfrontation aussieht.

Festgelegte Einleitungen

„Mit „Erwachsen werden” lernen die Schüler, die Bedürfnisse ihres Gegenübers zu erkennen, aber sie lernen auch, die eigenen zu artikulieren”, betont die 35-Jährige. Benennen zu können, dass man sich über bestimmte Dinge ärgert , sich verletzt fühlt oder einfach nur seine Ruhe haben will, lernen die Kinder spielerisch in Kommunikationsübungen nach einem festgelegten Prozedere. Das festgezurrte Vorgehen irritierte Katrin Tücks anfangs. Heute sagt sie: Vielleicht sind es ja gerade die festgelegten Einleitungen, die den Heranwachsenden ein Stück weit Sicherheit geben.”

Die Ikea-Methode ist exemplarisch hierfür. Um das systematische Vorgehen zu verinnerlichen, helfen den Kindern Eselsbrücken wie eben das Wort „Ikea”. Das „I” steht für „im Zweifel”, „k” für „klären durch fragen”, „e” für „entscheiden” und das „a” für „andere Aktivitäten anbieten oder gehen”. Sich nicht von der Gruppendynamik mitreißen zu lassen, gleichwohl aber sich als Teil des Teams zu betrachten: Diese feinen Unterschied lernen die Kinder in den Übungen. „Im Team schafft man mehr als alleine”, betont Siebtklässler David Spilker. Der 13-Jährige findet das Programm gut. „Einige Klassenkameraden waren mir vorher unsympathisch. Durch die Spiele und Übungen habe ich sie von einer ganz anderen Seite kennengelernt und finde sie jetzt eigentlich ganz in Ordnung.”

Vertrauen ist kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag: „Vor dem Training war es den meisten in der Klasse peinlich, bestimmte Dinge über sich preiszugeben. Das ist jetzt nicht mehr der Fall”, erzählt der zwölf Jahre alte Fynn. Auch Katerin Schwerfeld (zwölf Jahre) sieht das Programm als Bereicherung: „Niemand wird bei den Übungen ausgelacht. Stattdessen wird überlegt, wie dem Mitschüler geholfen werden kann.”

Auch in Zukunft wird der Lions Club Deutschland die Kosten für das Programm übernehmen, freut sich Bernd Decker. Schritt zwei sei nun, weitere Lehrer ausbilden zu lassen. „Wir werden das Programm in den fünften und siebten Klassen anwenden. Und nach Bedarf natürlich, wenn der Lehrer merkt, dass Handlungsbedarf besteht”, sagt der Direktor. Dafür stehen Projekttage zur Verfügung. Oder aber die Übungen werden auch in den Unterricht eingeschoben, um den Kindern beim Erwachsenwerden zu helfen.
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