Stolberg-Donnerberg - Kommunikations-Strategie: Wie redet man mit Rechten?

Kommunikations-Strategie: Wie redet man mit Rechten?

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Der Mann für subtile Methoden im Kampf gegen rechte Ideologien: Kommunikationstrainer Dr. Stefan Kirschgens (3. von rechts) im Gespräch mit Besuchern des Jugendtreffs St. Josef auf dem Donnerberg. Foto: C. Hahn

Stolberg-Donnerberg. Wie redet man mit Rechten? Wie spricht ein Mensch mit Anhängern der „Alternative für Deutschland“ (AfD) und ähnlich sortierter Parteien, ohne dass vehemente Abwehrreaktionen bis hin zur offenen Gewalt gezeigt werden?

Diese und andere Fragen erörterten Leiter Jörg Beissel und die Jugendlichen des Treffs „Kleine offene Tür“ (KOT) St. Josef auf dem Donnerberg jetzt mit jemandem, der es wissen muss: Dr. Stefan Kirschgens, Kommunikationstrainer aus Aachen.

Die gut besuchte Veranstaltung gehörte zur Aktionswoche „Augen auf“, die neonazistische und rechtspopulistische Kräfte gleichermaßen ins Visier nimmt. Dass er ein Profi in Sachen Kommunikation ist, ließ der kompetente Gast direkt zu Beginn des Abends erkennen: Statt frontal auf die jungen und etwas älteren Zuhörern einzudozieren, ließ er sie die Stühle im Saal des Jugendheims zu einem Kreis stellen und forderte schon von daher zum Dialog auf. Der gedieh auch ganz munter: Zwar griff der studierte Sozialwissenschaftler Kirschgens immer wieder auf seinen vorbereiteten Text zurück, entwickelte sein Referat dessen ungeachtet aber ganz wesentlich aus den Fragen der Menschen in der KOT.

Am Anfang stand jedoch die politische Diagnose: „Wir erleben in Europa so starke rechte Parteien wie selten zuvor.“ Und ein persönliches Bekenntnis: „Ich bin 57 und komme aus der ersten Generation, die den Krieg nicht mehr erlebt hat.“ Seine Doktorarbeit habe er über die „unbesungenen Helden“ des Widerstands gegen Hitler geschrieben. Zudem sei er bei der Aktion „Wege gegen das Vergessen“ engagiert, die mit Gedenktafeln an geschichtlich relevanten Stätten das Andenken an durch das Nazi-Regime verfolgte Männer und Frauen pflegt.

Dass so jemand griffige Strategien gegen Rechte entwickelt – das erscheint bei Dr. Stefan Kirschgens nur konsequent. Keinesfalls sollte man ein solches Gespräch angehen, „wenn man sich dabei nicht wohlfühlt“, riet der Fachmann. Ein Dreischritt aus Hinhören, Nach- und Hinterfragen sei die wirksamste Waffe gegen Rechte, die hilft, Vorurteile und andere Stereotypen durch Aussäen von Zweifel zu zerstören. Und wörtlich stellte Kirschgens mit Blick auf rechte Gesprächspartner fest: „Sie werden sie nicht umdrehen, aber sie werden Nachdenklichkeit ausstreuen.“

Subtil und dadurch nachhaltig vorgehen – so ungefähr lässt sich die Strategie skizzieren. Außerdem warnte der Gast davor, Rechte nur als glatzköpfige Straßenkämpfer zu sehen: „Rechts kommt nicht nur von wenigen, Rechts kommt aus der Mitte.“ In diesem Sinne gelte es auch, im Alltag landläufigen Ressentiments zum Beispiel gegenüber Flüchtlingen zu begegnen und zu fragen: „Hast du nur einen Euro weniger, weil die zu uns kommen?!“

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