Kolpingsfamilie hält am Rolandshaus fest

Von: Michael Grobusch
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Nach Aussage der Pfarre St. Lucia gibt es noch keine Pläne für die zukünftige Nutzung des Rolandshauses. Klar sei hingegen, dass alle bisherigen Nutzer von dort in das neue ökumenische Gemeindezentrum umziehen sollen.
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Beklagt sich über den Umgang der Pfarre mit der Kolpingsfamilie: Hans Boltz. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Den Konflikt gibt es offenbar schon länger, jetzt droht er sich zuzuspitzen: Die Stolberger Kolpingsfamilie jedenfalls geht in die Offensive und greift die Pfarre St. Lucia mit scharfen Worten an. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende, Hans Boltz.

Der örtlichen Kirche wirft er „Scheinheiligheit“ vor. „Da wird jede Woche von der christlichen Nächstenliebe gepredigt. Und wir werden mit unserem Anliegen einfach ignoriert.“

Bei dem besagten Anliegen geht es um das Rolandshaus. Das ist nicht nur seit vielen Jahrzehnten die Heimat der Stolberger Kolpingsfamilie. Vielmehr wurde der am 24. Juni 1883 eingeweihte Ursprungsbau sogar mit maßgeblicher Unterstützung des „Katholischen Gesellenvereins“ – Vorgänger-Verein der heutigen Kolpingsfamilie – gebaut. Dadurch bedingt gibt es bis heute einen engen emotionalen Bezug zu dem Gebäude in der Steinfeldstraße. „Und wir haben ein notariell verbrieftes Nutzungsrecht“, betont Boltz.

Doch gerade das sieht er gefährdet, seitdem Gerüchte über eine mögliche Vermietung oder Veräußerung der im Besitz der Pfarre St. Lucia befindlichen Immobilie laut geworden sind. Diese hat zwar Anfang vergangenen Jahres gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass sie in Zukunft das evangelische Gemeindezentrum in der Frankentalstraße gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde nutzen und zu einem ökumenischen Zentrum umgestalten wolle. Aussagen über mögliche Konsequenzen für das Rolandshaus gibt es bis dato allerdings nicht.

„Ich werde einen Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, nicht öffentlich kommentieren“, erklärte Hans Rolf Funken am Freitag auf Anfrage. Etwas aufgeschlossener zeigte sich Helmut Gottfried: „Wir wünschen uns schon, dass die Kolpingsfamilie in das neue Gemeindezentrum umziehen wird.“ Dort werde allen Gruppen und Vereinen, die jetzt noch das Rolandshaus nutzen, von der katholischen Pfarrgemeinde ein Platz angeboten. „Allerdings ohne Sonderrechte“, fügt der Pfarr-Verwaltungsleiter hinzu. Zur zukünftigen Nutzung kann Gottfried nichts sagen: „Darüber haben wir noch nicht nachgedacht.“

Einem Umzug will sich die Stolberger Kolpingsfamilie laut Hans Boltz aber – trotz der von ihm ausgemachten „Schikanen“ – widersetzen. „Unser Raum wird nicht mehr geputzt. Und wir bekommen keinen Schlüssel für die Parkplatz-Schranke.“ Das Gemeindezentrum biete auch abgesehen von den bereits erwähnten Gründen keine Alternative. So gebe es dort beispielsweise keinen eigenen Raum für die wöchentlichen Treffen der derzeit 64 Mitglieder. „Ein Unding“, wie Hans Boltz findet. Und ebenso Schriftführer Albert Müller: „Es muss doch im Interesse der Pfarre sein, die Kolpingsfamilie zu unterstützen. Doch das genau Gegenteil geschieht.“

Diese Botschaft haben die beiden Vorstandsmitglieder auch an das Bistum adressiert. „Doch bis heute gibt es noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung unseres Schreibens. Daran haben auch insgesamt fünf Anrufe im Generalvikariat nichts geändert“, bedauert Boltz. Aktiv geworden ist hingegen der Bundessekretär des Kolpingwerkes, Ulrich Vollmer.

Er hat an einem Treffen mit Vertretern der Pfarrgemeinde und der Kolpingsfamilie teilgenommen. „Zum Abschluss des teilweise sehr emotional geführten Gespräches wurde vereinbart, dass sich die Pfarrgemeinde nach Beratung der Sachlage wieder meldet“, heißt es in Vollmers Protokoll, das unserer Zeitung vorliegt. „Auf diese Rückmeldung warten wir allerdings bis heute vergeblich“, stellt Hans Boltz fest.

So bleibt vorerst offen, wie es mit dem Rolandshaus und somit auch mit der Kolpingsfamilie weitergeht. Spekulationen, das Bethlehem Gesundheitszentrum könne an dem direkt gegenüber liegenden Gebäude interessiert sein, tritt Hans Fräger entgegen. „Derzeit und absehbar haben wir keinen Bedarf, das Rolandshaus oder Räume im Rolandshaus zu mieten oder zu kaufen“, erklärt der Leiter Organisation gegenüber unserer Zeitung. Sehr wohl nutzt das Krankenhaus jedoch den großen Saal für Veranstaltungen, zuletzt beispielsweise beim Neujahrsempfang und der Vorstellung der neuen Geschäftsführung. Das soll, wenn möglich, auch in Zukunft so bleiben.

Räume belegen im Rolandshaus neben der Kolpingsfamilie derzeit auch die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) mit der Anlaufstelle für Menschen ohne Arbeit sowie ganz neu die Petö-Einrichtung zur Förderung von Körperbehinderten des Vereins „Fortschritt Städteregion Aachen“. Die Mietverträge laufen allerdings Ende 2014 aus.

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