Stolberg - Kohnen: „Wir mussten einfach die Reißleine ziehen“

Kohnen: „Wir mussten einfach die Reißleine ziehen“

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
9032771.jpg
Versuchen das angeschlagene DRK wieder in solides Fahrwasser zu bringen: Hans-Dieter Vosen (l.) und Ingo Kohnen. Foto: J. Lange

Stolberg. Am Mittwoch hat die erste Bewohnerin das DRK-Pflegeheim „Am Kupferhof Rosental“ verlassen. „Der Betreuer hatte schnell eine andere Unterbringung gefunden und wir helfen beim Umzug“, sagt Kreisgeschäftsführer Hans-Dieter Vosen. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, unterstreicht auch Ingo Kohnen nochmals. Genauer gesagt, sind es zwei.

Der Betrieb des Heimes endet zum 30. Juni 2015; und mit Wirkung dieses Datums ist auch der Mietvertrag für die knapp 3000 m2 auf zwei Etagen in der Passsage der Stadthalle gekündigt, erklärte der stellvertretende Vorsitzende in der Städteregion.

Viel Spielraum zur Entscheidung blieb dem finanziell erheblich angeschlagenen Kreisverband ohnehin nicht. Das im Jahr 2000 eröffnete Pflegeheim fuhr in den 14 Jahren ein Minus von 2,5 Millionen Euro ein. „Die Einrichtung ist von Anfang an nicht wirtschaftlich zu führen gewesen“, sagt Vosen. „Die Investition war nicht finanzierbar.“ Auf mindestens 150.000 Euro jährlich beziffert er die Unterdeckung. Über 370.000 Euro Kaltmiete musste der Kreisverband aufbringen. Nach seiner Restrukturierung erreichte er in Nachverhandlungen mit Dietgrim Stark, dem Bevollmächtigten der Eigentümer-Familie Crous, eine Mietreduzierung um 70.000 Euro. „Wir haben die Kündigung noch nicht erhalten“, erklärte Stark gegenüber unserer Zeitung.

Noch offen ist, ob sie Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen wird. Der Mietvertrag war über einen Zeitraum von 30 Jahren geschlossen worden. „Wir sehen darin einen unbefristeten Vertrag, und der ist kündbar“, verdeutlicht Kohnen die Rechtsauffassung des DRK. Spätestens 2018 sei der Vertrag obsolet, weil dann das Wohn- und Teilhabegesetz Voraussetzungen und Standards vorschreibe, die die Immobilie in der Mitte Stolbergs nicht biete.

Bereits jetzt habe man den Vermieter außerdem aufgefordert, bauliche Missstände zu beseitigen. Von Anfang an habe das DRK über solche Mängel geklagt, so Kohnen. Sein Geschäftsführer räumte für die Vergangenheit auch interne Organisationsfehler und Qualitätsmängel ein, die die Heimaufsicht für die Städteregion veranlasst hätten, einen Belegungsstopp zu verhängen. Seitdem dürften maximal vier Personen monatlich neu aufgenommen werden – bei einer Belegung mit 46 Menschen in der auf 60 Plätze ausgelegten Einrichtung. Dabei sei die Fluktuation groß. Bei durchschnittlich einem Jahr liege die Verweildauer.

Mit 19 Prozent überdurchschnittlich hoch liege der Krankheitsstand der im Pflegeheim beschäftigten Mitarbeiter, konstatiert auch Gisela Bosle. Schweres Heben und Schichtdienst im Pflegeheim sieht die Vorsitzende des DRK-Betriebsrates als Ursache. Nicht nur für die aktuell 47 Mitarbeiter in Stolberg wird die Schließung des Heimes eine neue Herausforderung. Der zu erstellende Sozialplan und die Sozialauswahl betrifft alle 650 bis 700 hauptamtlichen Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes, der nur in Stolberg mit einem Pflegeheim engagiert ist. Vosen spricht von Abfindungen ebenso wie von betriebsbedingten Kündigungen. Aber angesichts der Nachfrage auf dem leer gefegten Pflegekräfte-Markt geht das DRK davon aus, dass scheidende Mitarbeiter schnell einen neuen Arbeitgeber finden dürften.

Was macht der Investor?

Einen anderen Träger für die Einrichtung habe man nicht finden können, so Vosen. Für das städteregionale DRK endet der Expansionsversuch in den stationären Pflegebereich mit einem Desaster. „So ein Vertrag hätte nie unterschrieben werden dürfen“, bilanziert Ingo Kohnen. „Wir mussten einfach die Reißleine ziehen“. Die finanziellen Konsequenzen sind im Budget einkalkuliert.

Nun komme es darauf an, den verbleibenden Bewohnern ihren Aufenthalt zu angenehm wie möglich zu gestalten und sie bei der Suche nach einem neuen Heimplatz und beim Umzug nach besten Kräften zu unterstützen.

Offen ist derweil auch, ob angesichts des Abschieds des „Ankermieters DRK“ der potenzielle Kaufinteressent für die Immobilie bei der Stange bleiben wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert