KME: Stolberger Metallwerk wird eigenständige GmbH

Von: Jürgen Lange
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Leo Bergstein verbindet mit der rechtlichen Neuorientierung weiteres Wachstum. Foto: J. Lange

Stolberg. Die kupferverarbeitende Industrie unternimmt einen weiteren Schritt in Richtung Globalisierung. An der Kupfermeisterstraße möchte sich ein chinesisches Unternehmen beteiligen und investieren. Das Stolberger Metallwerk der KME Germany wird aus Gmbh & Co. KG mit Sitz in Osnabrück ausgegliedert und als eigenständige Gesellschaft fortgeführt.

Ziel dieser Änderung der Rechtsform ist die Vorbereitung einer strategischen Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen. Dieser Schritt habe keine Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse der 183 festen Mitarbeiter des Werkes an der Kupfermeisterstraße, bestätigte am Donnerstagabend Leo Bergstein auf Anfrage unserer Zeitung.

Vorgesehen ist die Gründung zum 1. September vorzunehmen. Fristgerecht innerhalb der gesetzlichen Regelungen wurden am Donnerstag der Wirtschaftsausschuss, der Betriebsrat, die IG Metall, die Belegschaft und die Führungskräfte über die Entwicklung informiert. „Angesichts der jüngsten Diskussionen über Belegschaftsabbau und Standortsicherung in der jüngeren Vergangenheit sehen die Mitarbeiter diese Pläne mit Skepsis“, erklärte Georg Moik, Sekretär der Stolberger IG Metall. „Wir werden das Verfahren mit der gebotenen Sorgfalt, aber erst einmal auch positiv begleiten.“

Ziel der rechtlichen Ausgliederung ist ein Joint Venture mit einem nicht benannten chinesischen Großunternehmen aus der Branche in Form einer Überkreuzbeteiligung für den Stolberger Standort und für ein neues Werk im „Land der Mitte“.

„Das sind allerdings noch Pläne“, betonte Bergstein weiter. „Der Aufsichtsrat hat dem Konzept noch nicht zugestimmt.“ Und es seien noch keine Verträge unterzeichnet. Bislang gebe es nur Absichtserklärungen. Vorgesehen sei jedoch, dass die erhofften chinesischen Partner sich in Stolberg mit Investitionen engagieren. Umgekehrt werde KME in China ein gemeinsames Walzwerk zur Konvektoren-Produktion mit aufbauen und sich dort finanziell engagieren. Allerdings sei die rechtliche Ausgliederung aus der Osnabrücker Muttergesellschaft und die Firmierung als eigenständige GmbH die Voraussetzung für die angestrebte Beteiligungsform.

„Wir folgen damit unseren Kunden nach Asien“, verdeutlichte Bergstein. Überwiegend zählen die Automobil- und Elektro-Industrie zu den Abnehmern der Steckverbinderteile aus Walzblech, die an der Kupfermeisterstraße produziert werden. Dies erfordere eine präzise Produktion, eine klare Logistik und eine schnelle Lieferung. Um auf die wachsende Nachfrage im asiatischen Raum effizienter reagieren zu können, solle der dortige Markt von dem neuen chinesischen Werk aus beliefert werden. Von der Kupferstadt aus aber werde der europäische und nordamerikanische Markt abgedeckt.

KME sieht in diesem Schritt eine Chance im asiatischen Markt weiter Fuß zu fassen, und si den im Inland und europäischen Ausland kontinuierlich schrumpfenden Märkten zu begegnen. Dagegen werde die Fertigung der deutschen und übrigen europäischen Konzerne aus dem Kundenkreis in China weiter wachsen. Dies soll auch gelten für die Wettbewerbsfähigkeit als Zulieferer durch den Schritt dorthin.

Derweil ist das Stolberger Metallwerk „gut unterwegs“, wie Bergstein analysiert. Um Personalengpässe während der Ferien kompensieren und die Aufträge pünktlich abarbeiten zu können, seien eigens 20 Aushilfen angestellt worden.

Darüber hinaus zeigt man sich an der Kupfermeisterstraße auch dank neu entwickelter Produkte, über die angesichts der Mitbewerber vor Ort noch nicht gesprochen werden soll, durchaus optimistisch für die weitere Entwicklung des Metallwerks.

Nicht ganz so optimistisch nimmt offensichtlich die Belegschaft die Nachricht von der Umfirmierung von einer Konzern-Abteilung zu einer eigenen Gesellschaft auf, berichtet Georg Moik von den offiziellen und inoffiziellen Informationsgesprächen im Verlaufe des Tages. „Die Beschäftigten sind wieder vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, moniert der Gewerkschaftssekretär, dass eine frühzeitige Einbindung der Metaller in die Konzeptionierung wünschenswert gewesen wäre.

Gleichwohl hatten die Gewerkschafter Kenntnisse der Pläne, so dass sie anhand detaillierter Fragenkataloge die Kernpunkte möglicher Auswirkungen auf die Arbeitnehmer diskutieren konnten. Dennoch verhehlt Georg Moik mit Blick auf die Lage, die zu dem Standortsicherungsvertrag geführt habe, das Stolberger Werk heute auf einem guten Weg.

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