Klimaschutzkonzept: „Mehr zu regionalen Produkten greifen“

Von: Jürgen Lange
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NABU Aktion am Grindelweg Aachen: Springkrautbekämpfung

Stolberg. Der Klimawandel ist bereits heute in der Städteregion zu spüren. Umweltdezernent Uwe Zink nennt als Beispiele die zunehmende Verbreitung von Zecken und Schmallenberg-Virus oder des Springkrauts – Lebewesen, die einst nur in warmen südlichen Ländern vorkamen. Noch wärmer wird‘s in den nächsten Jahren in unseren Breiten, prognostiziert er bei der Auftaktveranstaltung zum Integrierten Klimaschutzkonzept im Rathaus.

Um etwa vier Grad wird die Temperatur bis Ende des Jahrhunderts steigen. Das hat Konsequenzen. Dürre, Hitze, Unwetter, Starkregen und ein verlängerter Pollenflug werden die Menschen in Stolberg und Umgebung zunehmend belasten.

Gegen die weitere Erderwärmung muss etwas unternommen werden – hier vor Ort, fordert Zink ein. „Wir müssen beispielsweise mehr zu regionalen Produkten greifen“. Anstelle der Äpfel aus Neuseeland oder Chile. Die mögen zwar gesund und lecker sein, haben aber eine miserable CO2-Bilanz. Dagegen schmeckt doch aus „Nachbars“ Garten viel klimafreundlicher. Beispiel Joghurt: Gut und gerne 9115 Kilometer Lieferwege bringt so ein klassisches Gebräu von Fruchtmixturen und Milchprodukt aus dem Supermarktregal hinter sich, bis er im Gaumen landet. Schmecken da nicht frische Früchte im heimischen Joghurt nicht besser?

Ziele gesetzt, den CO2-Ausstoß zu senken, hat sich auch die Städteregion. Um 20 Prozent bis 2020 und um 80 Prozent bis 2050 bezogen auf das Basisjahr 1990 mit einem Ausstoß von 2,5 Millionen Tonnen CO2. Da wird die Städteregion als Behöre alleine trotz aller Bemühungen nicht viel ausrichten können, gesteht Zink ein. Ihr gehört beispielsweise ein Gebäudebestand von 0,2 Prozent. Da wirken selbst die besten Energie- und Klimaschutzmaßnahmen nicht mehr als ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. „Die öffentliche Hand ist nicht in der Lage, den Klimawandel alleine zu bewältigen“, fordert Zink: „Wir müssen alle mitmachen“.

Da summieren sich schon ein kleiner Fußmarsch statt das Auto zu benutzen, Rindfleisch nur einmal pro Woche zu essen und das Blatt Papier erneut zu vewenden schnell zu stattlichen 145.000 Tonnen städteregionaler CO2-Ersparnis. Information, Motivation und eine Sensibilisierung der Bevölkerung nennt Zink da als seine vordringliche Aufgabe, bei der er von Klimaschutz-Stabsstellenleiterin Mareike Buttstädt und ihrem Team unterstützt wird. Gleichwohl hat die Städteregion bereits eine vielfältige Vorarbeit geleistet hat. „KlimAix“ nennt sich ein Handlungsfaden für Industrie und Gebäude, den Ruth Roelen von der städteregionalen Raumentwicklung im Rahmen eines bundesweiten Projektes vorgestellt hat.

Es gibt bereits die Projekte „Ökoprofit“ zur Förderung umweltfreundlichen Verhaltens und „Klimacheck“ zur Einsparung in Haushalten von sozial schwachen Bürgern. Ein Klima-Sparbuch, eine Potenzialstudie für Erneuerbare Energien und ein Solarkataster ergänzen die Angebote der Städteregion, die sich weiterer Handlungsfelder verschrieben hat: Die Energieeffizienz soll verbessert und Anreize zum Energiesparen gegeben werden; eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien aus der Region und die Entwicklung eines nachhaltigen Lebensstils stehen ebenso auf der Agenda wie eine Veränderung des Nutzer- und Konsumentenverhaltens sowie ein Aufbau von nachhaltigen, regionalen Stoffkreisläufen. Die Städteregion will weg vom projektbezogenen zu einem systematischen und konzeptionellen Klimaschutz.

Dazu ist auch die Kupferstadt Stolberg gefordert. Im Rahmen des städteregionalen integrierten Klimaschutzkonzeptes erarbeitet das Ingenieurbüro Gertec ein Handlungskonzept, das haarscharf auf Stolberger Verhältnisse abgestimmt ist und Leitlinien für die nächsten zehn Jahre vorgibt. „Es beginnt mit einer Analyse der Stärken und Schwächen“, erklärt Andreas Hübner, dass das erste Ergebnis ein „kommunaler Steckbrief“ sein soll.

Der wiederum ist die Grundlage für vertiefende Gespräche mit Politik und Verwaltung, wo und wie in Stolberg Handlungsschwerpunkte gesetzt werden sollen. In Abstimmung mit Städten, Gemeinden und Städteregion sollen Kooperationsmöglichkeiten und Partnerschaften geprüft werden. Der Abschlussbericht für das Klimaschutzkonzept wird für Anfang 2014 erwartet. In dem Zusammenhang ist es aus Stolberger Sicht interessant, in wie weit die Pläne zur Ausweisung weiterer Konzentrationszonen zur Gewinnung von Windenergie und die solartechnischen Ambitionen der Kupferstadt mit dem Konzept verzahnt werden können.

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