Stolberg-Mausbach - Kleinen Motorsportteams droht das Aus

Kleinen Motorsportteams droht das Aus

Von: eis
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Ein Foto, aufgenommen mit einem Augenzwinkern: Heinz-Willy Delzepich, Fahrer des „Hellboys Racing Team”, posiert auf einem Autowrack auf Camp Astrid im Atscher Wald. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg-Mausbach. Heinz-Willy Delzepich mag es am liebsten schnell: So schnell, dass er das Gefühl hat, gleich vom Boden abzuheben. Wirklich abzuheben wäre aber gar keine gute Idee - im Motorsport sollte man besser nie die Bodenhaftung verlieren.

Als Testfahrer selbstredend auch nicht, denn damit verdient der Mausbacher seinen Lebensunterhalt.

Immer hinterm Lenkrad

Für große Reifenhersteller nimmt er die Pneus im Praxistest unter die Lupe. In seiner Freizeit kann der 60-Jährige aber die Hände nicht vom Steuer lassen, dann klemmt er sich in den Fahrerkäfig eines der beiden BMWs des „Hellboys Racing Teams” und drückt aufs Gaspedal. Delzepich ist einer von zwei Fahrern des Teams, das im Motorsport (Breitensport) zu Hause ist. Die Hellboys sind ein privates Team, das seit 2009 existiert.

Mit einem BMW 325i E46 und in dieser Saison erstmals mit einem BMW 325i E90 startet das Team bei der Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) und bei der VLN, der Langstreckenmeisterschaft auf der bekannten Rennmeile in der Eifel.

Gegründet hat das Team Michael Mönch, ein Handwerksmeister aus Adenau und Motorsportenthusiast. Ihm gehören auch beide Fahrzeuge. Der Nürburgring liegt quasi vor der Haustür.

Mönch und Delzepich sind die beiden Fahrer im Hellboys Racing Team. Ebenso wichtig wie die Fahrer sind aber die anderen Crewmitglieder. Ganz abgesehen von den Mechanikern, braucht jedes gute Team auch Helfer im Stil eines „Mädchen für alles”. Das sind die dienstbaren Geister im Hintergrund, die bei den Rennen die ganze Vorarbeit leisten, Anmeldeformulare ausfüllen, sich um den Kraftstoff kümmern, Ersatzteile anfordern, die Zimmer für die Übernachtung buchen oder die Route zu einem auswärtigen Rennen planen.

Doch kleine Teams hätten es im Breitensport heutzutage nicht leicht, sagt Delzepich, der 2009 den 1. Platz in der Klasse V im Rahmen des RCN („Driving Experience”) holte. Grund dafür seien die hohen Kosten. „Die kleinen Privatteams können das finanziell kaum noch stemmen. Es läuft darauf hinaus, dass nur die großen Hersteller diese Kosten tragen können, kleine Teams aber steigen nach und nach aus”, bedauert der BMW-Pilot.

Schon allein am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilzunehmen, verschlinge ein Budget von rund 10.000 Euro. Delzepich: „Es muss Startgeld gezahlt werden, dazu kommen die Kosten für Kraftstoff, Verpflegung und Unterbringung und all die Kleinigkeiten.”

Sicherer auf der Straße

Ganz zu schweigen von den Kosten, die das Team tragen muss, wenn das Fahrzeug zu Schrott gefahren wird. „Nicht immer muss man selbst Schuld haben. Ebenso kann es sein, dass ein anderer aufgrund einer falschen Einschätzung einen Unfall verursacht und man verwickelt wird. Dieses Risiko trägt jedes Team.”

Allerdings sei es auf der Rennstrecke weitaus sicherer, als im Straßenverkehr mit einem normalen Auto unterwegs zu sein. „Die Leute auf der Rennstrecke wissen genau, was sie tun. Auf der Straße aber sind viele Halbamateure unterwegs, die angeben wollen. Auch Stress ist ein Grund, warum es häufiger scheppert auf unseren Straßen”, so Delzepich.

Motorsport liebe er aber nicht nur wegen der fahrerischen Herausforderung: „Man lernt Fahrer aus verschiedenen Nationen kennen. Wir sind wie eine große Familie, alle duzen sich.” Es gehe sehr locker zu, „man hilft sich, denn schon tags drauf ist man vielleicht selbst derjenige, der in Not gerät.”

Die Ziele für diese RCN-Saison sind hoch: „Wir wollen unter die besten drei Fahrer in der Gesamtwertung kommen und bei der VLN erfolgreich sein. Ein Höhepunkt ist selbstverständlich die Teilnahme am 24 Stunden-Rennen, auch wenn es teuer ist.”
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