Kleine Naturschützer: Grundschüler pflegen Biotope

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Tobias, Aaron, Timo und Frithjof haben Mückenlarven und räuberisch lebende Käfer aus den Biotopen herausgefischt, damit die Gelbbauchunken ungestört bleiben. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Maja zeigt die Unterseite einer Gelbbauchunke. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Dagmar Keller (links) erklärt den Schülern, wo neue Laichballen sind. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Büsbach. Ob Unken wirklich unken, wie es in der Redewendung „allen Unkenrufen zum Trotz...“ heißt, wissen die Kinder der Grundschule Büsbach nicht. Dennoch wissen sie eine ganze Menge über die kleinen Froschlurche. Und eins haben sie vielen Menschen voraus: Sie haben Gelbbauchunken schon gesehen. Und pflegen sie sogar.

Das ist schon etwas ganz Besonderes, denn die Gelbbauchunke zählt in Mitteleuropa zu den gefährdeten Amphibienarten. In Deutschland ist sie stark gefährdet und wird auf der Roten Liste geführt.

Es ist Dienstagnachmittag, Moritz, Tobias, Sophie, Aaron, Sarah, Amina, Elena, Maja, Hanna, Moritz, Timo, Frithjof und Maria gehen gemeinsam mit Dagmar Keller und Gabi Debey von der Büsbacher Grundschule ins Naturschutzgebiet Gedautal. Sie ziehen einen Bollerwagen hinter sich her, in dem Jacken, Verpflegung und Kescher verstaut sind. „Den genauen Ort der Teiche dürfen wir nicht verraten“, sagt Maria geheimniskrämerisch. Denn da gebe es böse Menschen, weiß die Neunjährige, die Unken einfangen und damit Geschäfte machen würden.

Das wollten die Schüler natürlich nicht. Die AG „Natur erleben“ unterstützt die langjährigen Bemühungen verschiedener Organisationen, die Gelbbauchunke vor dem Aussterben zu bewahren. Im Stolberger Raum gibt es weniger als 200 fortpflanzungsfähige Alttiere dieser Art und häufig mangelt es an geeigneten Laichgewässern in deren Lebensraum.

Die Schülergruppe legte deshalb mit Hilfe der Biologischen Station sowie der Stadt Stolberg neue Laichgewässer im Gedautal an. Die Aktion begann im Frühjahr 2009 mit der Anlage von drei Biotopen. 2011 hat die Gruppe beim Wettbewerb „Schüler powern für die Umwelt“, ausgeschrieben von der EWV, den ersten Platz belegt. „Natürlich sehen wir das nicht als Hauruck-Aktion und machen die Arbeit auch nach dem Sieg weiter“, betont Dagmar Keller.

Für den Schutz unserer Natur

Die 53-Jährige möchte den Kindern die Natur näherbringen, ähnlich wie sie es bei ihrer Tochter Sophie gehalten hat, die sich vor etlichen Jahren mit ihren Freundinnen als Clique „die wilden Hühner“ für den Naturschutz stark gemacht hatte. So entstand seinerzeit auch der Kontakt zur Biologischen Station, blickt die Diplom-Ingenieurin für Landespflege zurück.

„Hey, hüpft und trampelt nicht zu sehr und rennt bitte auch nicht, Ihr wisst doch, dass die Unken das nicht mögen“, ruft Dagmar Keller den Mädchen und Jungen zu. Die können es gar nicht erwarten, übertrumpfen sich gegenseitig mit ihrem Wissen über die kleinen Froschlurche. „Also so eine Gelbbauchunke ist ganz harmlos“, weiß Tobias.

„Wie ein Quietscheentchen“, fügt der Achtjährige lachend hinzu. Auf die Frage danach, ob er denn auch mit Unken baden gehen würde, antwortet er mit wildem Kopfschütteln. „In der ersten Klasse hatte ich mal eine Gelbbauchunke in der Hand, das hat gekitzelt, und es hat sich glitschig angefühlt“, erinnert sich Sarah.

Die Neunjährige ist jetzt im dritten Schuljahr. „Ich vermeide den direkten Kontakt zwischen Schülern und Unken, aber wenn Kinder zum ersten Mal dabei sind, sollen sie schon wissen, um wen sie sich da kümmern und wie wichtig die Arbeit ist“, so Keller.

Die Biologische Station der Städteregion plant derzeit ein EU-Projekt, um verschiedenen Amphibienarten auf die Sprünge zu helfen. Neben der Gelbbauchunke gehören die Kreuzkröte und die Geburtshelferkröte dazu. Laut Daniel Lück von der Biologischen Station ist die Landesfinanzierung zugesagt, wenn das Gesamtprojekt genehmigt ist.

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