Kleine Kapuzinerkirche wird zu großer dreischiffiger Basilika

Von: Toni Dörflinger
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Niveauvolles Werk: „St. Lucia in Stolberg“ hat zahlreiche Informationen über die Geschichte der einstigen Burgkapelle parat. Kunsthistoriker und Priester Dr. Ernst Coester hat sie veröffentlicht. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Dr. Ernst Coester, Kunsthistoriker und Priester aus Mönchengladbach, hat den heimatkundlichen Büchermarkt um ein weiteres Werk ergänzt. Unter dem Titel „St. Lucia in Stolberg“ beschreibt er auf 24 reich illustrierten Seiten Entwicklung und Werdegang der im Hang des Burgfelsens gelegenen Oberstolberger Kirche St. Lucia.

Im Mittelpunkt der im A5-Format gedruckten Broschüre steht die Baugeschichte des alten Gotteshauses, das sich im Verlaufe von rund 170 Jahren von einer kleinen Kapuzinerkirche zu einer großen dreischiffigen Basilika entwickelt hat. Neben der Innen- und Außenausstattung spielt auch die Vorgeschichte der Kirche eine Rolle, die – als Burgkapelle entstanden – erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem „Vichttalplan“ des Egidius von Walschaple zeichnerisch dargestellt wurde.

Laut Coester ist dieses Kapitel aber von vielen Fragezeichen gekennzeichnet, da aufgrund der starken Beschädigung des Originals von 1544 nur die Spitze des Westgiebels einer turmlosen einschiffigen Kirche zu erkennen ist.

Ausführlicher befasst sich der Kunsthistoriker, der ein Weihekurs-Kollege von Pfarrer Hans Rolf Funken ist, aber mit dem Werdegang der Kirche im 18. und 19. Jahrhundert, der durch zahlreiche im Pfarrarchiv vorhandene Dokumente gut nachvollziehbar ist. So widmet Coester allein dem aus dem Weichselraum stammenden und später in Berlin und Aachen tätigen Architekten Theodor August Stein ein mehrseitiges Kapitel. Stein hat die aus einer Burgkapelle hervorgegangene Kirche in den Jahren 1851 bis 1896 erweitert und ihr – abgesehen von einigen Veränderungen – Anfang des 20. Jahrhunderts ihr heutiges Bild gegeben. Die Erweiterungen und Umbauten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass die barocke einschiffige Kapuzinerkirche gänzlich überbaut und umgeformt wurde.

Viele Zeichnungen

Demnach erinnert außer dem Turm und der früheren Kapuzinerresidenz, dem heutigen Pfarrhaus, nur noch wenig an die Bautätigkeit des aus Jülich stammenden Ordens, der von 1738 bis 1802 in Stolberg wirkte. Coester ergänzt die Beschreibungen der Steinschen Aktivitäten durch die Abbildung von kolorierten Zeichnungen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Laut Coester hat sich das barocke Kirchlein in etwa dort befunden, wo sich heute das Mittelschiff des alten Gotteshauses befindet. Demnach erfolgten Erweiterungen nicht nur in östlicher und westlicher Richtung, sondern auch im südlichen und nördlichen Verlauf. Das führte dazu, dass der alte Friedhof zu großen Teilen überbaut wurde.

Coester schildert in seinem Werk aber nicht nur die Baugeschichte des altehrwürdigen Gotteshauses, sondern widmet auch der Innenausstattung ein großes Kapitel. So beschreibt er unter anderem Herstellung und Entwicklung der überwiegend vom Historismus geprägten Kirchenfenster. Des Weiteren wird die Gestaltung des Innenraumes gewürdigt und den dortigen Statuen und Figuren Referenz erwiesen. So erfährt der Leser, dass allein vier der im Kirchenraum präsentierten holzgeschnitzten Bildwerke aus dem 18. Jahrhundert stammen und somit der Ausstattung der barocken Vorgängerkirche zuzuordnen sind. Anschaulich dargestellt wird die alte Innenausstattung durch zahlreiche mehrfarbigen Bilder, die in dem kleinen Werk abgebildet sind.

Coester, der sich in der Vergangenheit zahlreichen im Bistum Aachen und in den Niederlanden gelegenen Kirchenbauten gewidmet hat, hat die kleine Broschüre in die Kapitel Geschichte, die Pfarrkirche im Barockzeitalter, Planung und Bau der heutigen Kirche, das Bauwerk, Mauerwerkstechnik, Fensterformen und Säulenkapitelle sowie Ausstattung gegliedert. Somit wird der Leser auf 24 Seiten umfassend und in einem durchaus ansprechenden Schreibstil über die abwechslungsreiche Geschichte von St. Lucia informiert.

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