„Klein-Venedig“ ist Touristen-Attraktion geworden

Von: Toni Dörflinger
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Stolberg. Vergleicht man als Historiker auf Fotos aus dem Jahr 1972 und von heute die Straßenecke Burgstraße/Klatterstraße, so fällt auf, dass sich dieser Bereich von Stolberg in der Zwischenzeit gravierend gewandelt hat.

Dominiert wird die Szene im Vordergrund immer noch von dem Geländer einer Brücke, die über die Vicht führt. Doch auch dieses Geländer sieht heute anders aus.

Geblieben ist die Häuserzeile. Die Bauten sind von Überhängen geprägt, die teils mehrstöckig ausgeführt, die Vicht um mehrere Meter überspannen: Ein Aussehen, das seinerzeit dazu führte, dass dieser Bereich volkstümlich als „Klein-Venedig“ bezeichnet wurde. Die Brücke, die seit 2010 den Namen „Pont de Valognes“ trägt, ist um 1900 entstanden. Bauherr war die Stadt Stolberg, Architekt der Bauunternehmer Carl Peltzer.

Er hatte ein Bauwerk entworfen, das als Bogenbrücke ausgeführt, eine Balustrade besaß, deren Baluster von der Formensprache des Neobarocks gekennzeichnet waren. Zuvor hatte dort eine weitaus schmalere Brücke gelegen, die man vermutlich im ersten Drittel des 18. Jahrhundert errichtet hatte. Schon der Vichttalplan von 1544/48 zeigt in diesem Bereich eine kleine Brücke - allerdings eher einen Steg, der nur für Fußgänger geeignet war. Fahrzeuge nutzten die daneben liegende Furt.

Auf dem historischen Foto ist aber nicht das ursprüngliche Geländer abgebildet, sondern eine Stahlkonstruktion, die vermutlich nach Kriegsende die Peltzer-Balustrade ersetzt hatte. 1985 wurde infolge der Altstadtsanierung das Gitter entfernt und durch eine neue Konstruktion ersetzt.

Als Vorlage für die Neuerstellung der Balustrade hatten historische Fotos aus der Zeit nach 1900 gedient. Allerdings entsprechen die heutigen Baluster nicht ganz dem Original: Schließlich hatten damals Baluster auf quadratischem und nicht auf rundem Grundriss die Konstruktion geprägt. Die Vichtüberhänge, die die Rückfronten der am Steinweg liegenden Bauten kennzeichnen, sind überwiegend im späten 19. Jahrhundert entstanden. Ursprünglich waren sie wie bei dem links liegenden Bau eingeschossig ausgeführt.

Aufgestockt wurden sie in den 1950er und 1960er Jahren. So erhielt der Überhang des Gebäudes Steinweg 12, damals von der Metallwarenhandlung Fischer genutzt, im Jahr 1956 ein Obergeschoss. 1960 fügte die Familie Kappes, die im Gebäude Steinweg 16 einen Friseursalon betrieb, ihrem Überhang zwei Obergeschosse hinzu. Mit Ausnahme der Bauten Steinweg 12 und 16 sind sämtliche auf dem historischen Foto abgelichteten Gebäude seit Mitte der 1980er Jahre in die Denkmalliste der Kupferstadt Stolberg eingetragen.

Auch das Gebäude Klatterstraße 2, das als Gaststätte genutzt, 1985 im Erdgeschossbereich einen weit vorkragenden Balkon erhielt, der heute für die Außengastronomie verwendet wird. Vergleicht man das damalige Bild mit dem heutigen, so ist die gestalterische Aufwertung unübersehbar. Somit ist „Klein-Venedig“ nicht nur zu einem Anziehungspunkt für Touristen, sondern auch für Einheimische geworden.

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