Klassik des Sinfonieorchesters fasziniert wie Hip-Hop

Von: Dirk Müller
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Unter der Leitung des neuen Ge
Unter der Leitung des neuen Generalmusikdirektors Kazem Abdullah begeistert das Sinfonieorchester Aachen die Schüler des Berufskollegs Stolberg/Simmerath für klassische Klänge. Foto: D. Müller

Stolberg. Hoch aufmerksam, nahezu andächtig lauschen 300 Schüler des Berufskollegs Stolberg/Simmerath Wolfgang Amadeus Mozarts „kleiner Nachtmusik” - und das freiwillig.

„Das Interesse war schon im Vorfeld unheimlich groß. Viele unserer Schüler haben ja noch nie klassische Musik live gehört, aber heute wollten sie dabei sein, und die Aula ist mit einem Querschnitt aus allen Klassen gefüllt”, freut sich Martin Goltsch. Der Lehrer ist Initiator des besonderen Konzerts, das durch das Angebot vom Aachener Stadttheater möglich wurde. „Um Berührungsängste abzubauen, verlassen wir die etablierten Konzertorte und machen zum Beispiel in Schulen Lust auf sinfonische Musik”, beschreibt Michael Dühn.

Der Dramaturg des Theaters moderiert die Veranstaltung, bei der ein Ensemble des Sinfonieorchesters Aachen die Schüler begeistert. Unter der Leitung des neuen Generalmusikdirektors Kazem Abdullah begleiten die Instrumentalisten den Bass Pawel Lawreszuk, der die „Frost-Arie”, also Henry Purcells „What Power art thou?” aus „King Arthur”, singt und damit sein junges Publikum sichtlich beeindruckt. Mit dem „Winter” aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten” schließt das Orchester thematisch an, bevor Blanca Gleisner zur Oboe greift. Sie intoniert die „Sequenza VII” von Luciano Berio - ein eher sperriges Werk mit ungewöhnlicher Tonfolge, das allerdings höchste Ansprüche an das Vermögen der Solistin stellt.

Mit einem kleinen Auszug aus Georges Bizets Oper „Carmen” demonstriert Gleisner, dass ihrem Instrument auch eingängige Melodien zu entlocken sind. Zwischendurch liefert Dühn erklärende Details zu Komponisten und Musik, Orchester und Instrumenten. Mit den verbleibenden drei Sätzen aus „Eine kleine Nachtmusik” endet das Konzert klangvoll und unter tosendem Applaus der Schüler, doch die Musiker vom Theater Aachen verbleiben noch in der Aula des Berufskollegs, denn nun gibt es für die Schüler die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Nachdem Abdullah einige Details zu seiner Dirigententätigkeit preisgegeben hat, lautet die erste Frage prompt, ob die Musiker ihn überhaupt wahrnehmen. „Die schauen ja nur in ihre Noten”, ist der Einwand, ein Orchestermitglied klärt aber auf, dass die Musiker geübt seien, den Dirigenten aus dem Augenwinkel zu beobachten.

Auch dass Abdullah nach langen Dirigaten von großen Ensembles durchaus hin und wieder Muskelkater hat, wissen die Schüler jetzt. Zur Belustigung aller finden sich zwei Freiwillige, die beweisen, dass es nicht nur anders aussieht, sondern vor allem auch anders klingt, wenn Schüler statt des Generalmusikdirektors versuchen, das Orchester zu dirigieren.

Anschließend mischen sich viele interessierte Schüler unter die Musiker, stellen ihnen weitere Fragen im persönlichen Gespräch und dürfen unter fachkundiger Anleitung die Instrumente der Profis ausprobieren. Das Konzept des Theaters geht eindeutig auf, denn ohne eine Spur von Berührungsängsten befassen die Schüler sich mit klassischer Musik, die für manche jetzt mindestens so faszinierend ist wie Hip-Hop.
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