Klares Zeichen für Toleranz und Würde

Von: Jürgen Lange und Michael Grobusch
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Eine von sieben Stationen auf dem Kreuzweg: Im Innenhof des Kupferhofs Grünenthal scharten sich weit über 400 Stolberger unterschiedlicher Religionen um das Kreuz, um ein eindeutiges Zeichen abzulegen für die Rechte und die Würde eines jeden Menschen. Foto: J. Lange

Stolberg. „Herz liebster Jesu, der Weg bist Du”, singen sie an der Station des Kreuzweges. Und diesem Weg des Glaubens folgen am Freitag Abend weit über 400 Menschen in Stolberg - obwohl nicht Karfreitag ist.

Es sind Christen, es sind Moslems, es sind Menschen anderer Glaubensrichtungen - es sind vor allem Menschen, die ein sichtbares und ein friedliches Zeichen setzen wollen für das Leben, die Rechte und die Würde eines jeden Menschen und gegen Intoleranz, Rassismus, Extremismus und Gewalt. Es ist ein Zeichen gegen die rechte Extreme, die im vierten Jahr in Folge den gewaltsamen Tod eines jungen Mannes instrumentalisieren will für ihre menschenfeindliche Ideologie.

„Ich bin dankbar für diese friedliche Zeichen”, richtet Aachens katholischer Bischof Heinrich Mussinghoff in einem Grußwort aus. „Ich bin froh, dass sie diesen friedlichen Weg gegen Hass, Gewalt, Rassismus und Unmenschlichkeit gefunden haben, dass sie den Weg Jesu nachgehen”, sagt der evangelische Superintendent Hans-Peter Bruckhoff in seiner Botschaft an die Stolberger.

Und die setzen eine eindrucksvolle Botschaft mit dem Beschreiten des Weges Jesu, in dem sie von der Vogelsangkirche aus dem Kreuz folgen, das aus der Pfarre St. Mariä Himmelfahrt - dem Ziel des Kreuzweges - folgen. Beispielhaft sind es die katholischen Geistlichen Hans-Rolf Funken, Norbert Glasmacher, Norbert Bolz und Joachim Jaskulsi, die evangelischen Pfarrer Jens Wegmann und Elke Gericke; es sind ebenso Vertreter der Side und der Dittib mit ihren Vorsitzenden Ahmet Yildiz und Sacu Turgay an der Spitze; es sind Vertreter des politischen und gesellschaftlichen Lebens - allen voran Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und seine beiden Stellvertreterinnen Hildegard Nießen und Karina Wahlen sowie Kämmerer Dr. Wolfgang Zimdars und der ehemalige Fachbereichsleiter Josef Braun.

Und es sind vor allem die vielen Stolberger unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe und quer durch alle Altersschichten, die Zeugnis ablegen für Menschlichkeit und gegen Intoleranz. Ihr Weg führt durch die Fußgängerzone zunächst zum Kupferhof Grünenthal, dann über die Europastraße zum Jordanplatz wo vor der stolzen Kirche im multikulturellen Stadtteil Mühle die Vertreter unterschiedlicher Kulturkreise gemeinsam Kreuzwache halten. Unterwegs machen sie Halt an sieben Stationen. Bilder, von Organisator Michael Doncks gesprochene Texte geben Impulse, die Geistlichen sprechen Gebete und zitieren aus Evangelien. Die Bläser der Stolberger Sing- und Spielgemeinschaft stimmen Choräle an. Getreu den Worten von Bischof Heinrich tragen sie alle den Glauben auf die Straße, treten ein für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Leben aller Menschen.

Derweil versammeln sich am Mühlener Bahnhof gut 150 angereiste Rechtsextreme - deutlich weniger als noch 2010. Zwei Gegenkundgebungen mit gut 250 Teilnehmern auf dem Olof-Palme-Friedensplatz und dem Mühlener Markt setzen in aller Nähe ein Zeichen gegen den braunen Spuk. Kurz nach 20 Uhr setzt sich der „Fackelmarsch” schließlich in Bewegung, folgt dem aus dem Vorjahren bekannten Weg über die Frankentalstraße bis zum Birkengang. Die genehmigte Route wird von einem massiven Polizeiaufgebot abgeschirmt, lediglich auf Rufweite werden die Gegendemonstranten, die sich jenseits der Absperrgitter versammelt haben, an die Neonazis herangelassen. Das Konzept greift, wesentliche Vorfälle gibt es an diesem Abend nicht. Die Polizei bilanziert am Ende eine Ingewahrsamnahme, in einem anderen Fall werden wegen rechter Parolen die Personalien festgestellt. Gegen 22 Uhr reisen die letzten Rechtsextremen ab, der Spuk ist beendet. Die traurige Fortsetzung wird es am Samstag geben - dann allerdings im Gegensatz zu Freitag nicht in der Innenstadt.
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