Klare Absage an Konzept der Notinseln

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
notinseln-bild
Das Gefährdungspotenzial für Kinder sieht das Jugendamt vornehmlich im privaten Umfeld. Dennoch soll auch die präventive Arbeit im öffentlichen Raum weiter verstärkt werden.

Stolberg. Das Ziel ist im Blickfeld, der von der CDU vorgeschlagene Weg dorthin stößt aber auf kollektive Ablehnung: Zufluchtsstellen, die als so genannte Notinseln für Kinder im Stadtgebiet ausgewiesen sind, wird es in Stolberg wohl nicht geben.

Die Verwaltung stuft das von den Christdemokraten ins Gespräch gebrachte Konzept als ungeeignet ein und rät dem Jugendhilfeausschuss deshalb auch dringend von einer Übernahme ab.

„Wir halten es für sehr wichtig dass die präventive Arbeit zum Schutz für Kinder im öffentlichen Raum weiter verstärkt wird. Die Einrichtung von Notinseln sind in unseren Augen dafür aber ungeeignet”, fasst Jugendamtsleiter Willi Seyffarth seine Einschätzung zusammen.

Während die 1997 gegründete und in Karlsruhe ansässige „Stiftung Hänsel und Gretel” in mehreren deutschen Städten Notinsel-Projekte initiiert hat, wird sie in Stolberg aller Voraussicht nach nicht zum Zuge kommen.

„Es gibt viele fachliche und auch einige vertragliche Gründe, die gegen eine Zusammenarbeit sprechen”, betont Seyffarth. Generell sieht das Konzept vor, dass Geschäftsleute als Partner gefunden werden und diese ihre Räumlichkeiten als Zufluchtsort für Kinder, die sich bedroht fühlen oder tatsächlich bedroht werden, zur Verfügung stellen. Kenntlich gemacht werden die Lokale mit einem entsprechenden Aufkleber.

„Ein Großteil der Bedrohungssituationen entsteht im direkten persönlichen Umfeld der Kinder”, berichtet Willi Seyffarth aus der täglichen Praxis, dass das Bedrohungspotenzial in der Öffentlichkeit als eher gering einzuschätzen sei. „Außerdem bieten die Notinseln keinerlei Hilfe außerhalb der Öffnungszeiten.”

Besonders schwer wiegt für die Verwaltung der Umstand, dass den beteiligten Firmen und Personen von der Stiftung weder eine Einweisung noch Möglichkeiten der Fortbildung angeboten werden und auch keinerlei Eignungsprüfung vor dem Einstieg in das Projekt vorgesehen ist.

„Eine allgemeine schriftliche Handlungsanweisung ist sicherlich unzureichend angesichts der Bandbreite von möglichen Fällen”, stellt Ferdi Gatzweiler fest.

„Es kann um schulische oder psychische Probleme gehen, um Wunden oder andere Verletzungen, um Ausreißproblematiken oder um drohende Gewaltakte”, nennt der Bürgermeister einige Beispiele, denen er zwar verstärkt vorbeugen will. Diese Arbeit aber will er nicht ungeschultem Personal in Geschäften überlassen.

Auf zwei weitere Aspekt verweist der Deutsche Kinderschutzbund: „Notinseln suggerieren Kindern Gefahr und machen sie unsicher”, heißt es in der Stellungnahme, und: „Es könnte der Eindruck entstehen, dass man nur in den gekennzeichneten Geschäften Hilfe bekommt.”

Nicht zuletzt gebe es auf vielen Schulwegen gar keine Ladenlokale, die als Notinseln fungieren könnten.

„Wir sind uns mit unseren Kollegen einig, dass wir andere Konzepte entwickeln müssen”, verweist Willi Seyffarth auch auf die Einschätzung der kreisweiten Lenkungsgruppe „Frühe Hilfen”, die nun ihrerseits Alternativen erarbeiten will.

Die sollen in der gesamten Städteregion greifen. Schließlich dürfe der (demnächst weiter verbesserte) Schutz des Kindeswohles nicht an den Grenzen Stolbergs enden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert