Stolberg - Klang der Soldatenstiefel im Ohr: Dr. Udo Baer über Kriegsbelastung

Klang der Soldatenstiefel im Ohr: Dr. Udo Baer über Kriegsbelastung

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Dr. Udo Baer referierte über die „Kriegslast der Seele. Foto: C. Hahn

Stolberg. Er spricht mit den Augen fast noch mehr als mit den Händen und dem Mund: Dr. Udo Baer, Traumatherapeut aus Neukirchen-Vluyn bei Moers, sprüht bei seinem Vortrag im Ökumenischen Gemeindezentrum an der Frankentalstraße nur so vor Ausstrahlungskraft.

Auf Einladung des Ambulanten Hospizdienstes Eschweiler/Stolberg war der 68-Jährige, von Haus aus eigentlich Pädagoge, vom Niederrhein in die Kupferstadt gekommen. Sein Thema: „Die Kriegslast der Seele“ - und was diese Traumata für den Umgang mit Menschen in ihrer letzten, mitunter von einer Demenz geprägten Lebensphase bedeutet.

Wie ein roter Faden durchzog Baers innere und äußere Lebendigkeit sein ganzes Referat. Trockenes Dozieren, das über den Köpfen der Zuhörer niedergeht wie Schnee oder Regen? Nicht mit Udo Baer! Der Therapeut erzählt aus dem Leben, seinem Leben und dem seiner Patienten. Ohne Scheu packt er die Liebesgeschichte mit seiner heutigen Frau auf den Tisch – damals, mit 39, auf einer Tagung und hinterher, in Bonn.

Der Dozent geht den Schreckensszenen in den Leben der ihm Anvertrauten nach, den Bombennächten, den Vergewaltigungen. Niemals wird der Gast abstrakt. Immer bleibt Baer hart an den Menschen dran, nahe bei seinen Zuhörern und ihren Fragen, ebenfalls bei den Kranken und ihrer Bedrängnis.

Im Grunde geht es dann nicht so sehr um medizinisches Fachwissen als um Weisheiten und Einsichten. Denn Udo Baer ist einer, der Köpfe und Herzen öffnet. Von den Menschen, die die Schrecken des Kriegs und die Last des langen Schweigens danach bis in ihre vorletzten und letzten Momente verfolgt, weiß er so packend zu erzählen als lägen diese Menschen gleich nebenan.

Und Baer streut nützliches Tipps ein, so den, dass Clogs und andere Schuhe mit hartem Aufschlag oft den tief in der Seele verbuddelten Klang von Soldatenstiefeln wachrufen. Dieses Zugewandtsein bis zuletzt – darin verbinden sich der Therapeut und seine Zuhörer. Mehr zum Thema unter: www.baer-frick-baer.de

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