Kitas testen neues Modell für Eltern, die früh zur Arbeit müssen

Von: Sarah-Lena Gombert
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Viele Kinder der Kita „Zauberkiste“ in der Stolberger Innenstadt spielen bei jeder Gelegenheit auf dem Außengelände. Sie können von ihren Eltern schon besonders früh zur Einrichtung gebracht werden. Foto: S.L. Gombert
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Diese beiden Kinder haben ihren Spaß bei jedem Wetter vor allem auf der Rutschbahn der Kindertagesstätte „Zauberkiste“.
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Das Schild „Kitaplus“ hängt an den Türen der beiden Modell-Einrichtungen.

Stolberg. Morgens früh vor der Arbeit „noch eben mal schnell“ das Kind in der Kindertagesstätte vorbeibringen – was in der Theorie so einfach klingt, ist für viele Stolberger Eltern alltäglicher Stress. In zwei Kindertageseinrichtungen können Familien seit einigen Monaten den Tag ein bisschen entspannter angehen lassen: Die Kita Parkstraße in Gressenich und die Kita „Zauberkiste“ in der Innenstadt nehmen am Projekt „Kitaplus“ des Bundesfamilienministeriums teil.

Vereinfacht gesprochen geht es dabei um flexiblere Bring- und Abholzeiten. Und die, so sind sich die Leiterinnen beider Einrichtungen sicher, sind für viele Familien wichtig.

„Die Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden, legen schon großen Wert darauf, dass wir lange Öffnungszeiten anbieten“, erklärt Barbara Becker, Leiterin der Kita „Zauberkiste“, einer Elterninitiative, die vor mehr als 40 Jahren an der Zweifaller Straße gegründet wurde. So seien die Eltern oft Alleinerziehende, Berufstätige oder Familien, die mit ihrem Alltag überfordert sind und daher besondere Unterstützung benötigen.

Familien sind entspannter

Die Kita Parkstraße liegt mitten in einem Gressenicher Wohngebiet. Das Gebäude ist kürzlich erst umgebaut worden, das Außengelände muss nach den Arbeiten noch erneuert werden. Auch hier, so bestätigt es Einrichtungsleiterin Vicky Rogas, ist vielen Eltern daran gelegen, ihre Kinder morgens frühzeitig bringen zu können. „Bis zu diesem Sommer hatten wir erst ab 7.30 Uhr geöffnet“, erklärt Rogas.

Das hätte zur Folge gehabt, dass das Bringen der Kinder für viele Berufstätige regelrechter Stress gewesen sei. „Die Familien standen hier teilweise vor der verschlossenen Tür und haben darauf gewartet, dass wir öffnen“, beschreibt die Erzieherin die Situation. Seit der Einführung von „Kitaplus“ im September habe sich die Lage deutlich entspannt. „Jetzt kommen die Mütter und Väter einfach etwas früher und haben dann auch genug Zeit, sich in Ruhe von ihren Kindern zu verabschieden.“

Von den 15 angebotenen Plätzen für diese Randzeiten seien aktuell 14 vergeben, so Rogas. Vom Erzieherinnen-Team verlangt das neue System verstärkte Flexibilität, „aber meine Kolleginnen sind alle mit Begeisterung bei der Sache und wir ziehen an einem Strang“, sagt Rogas.

In der „Zauberkiste“ ist die Lage am frühen Morgen noch ein bisschen ruhiger als in Gressenich: „Bei uns kommt aktuell nur ein Kind wirklich früh in die Kita“, berichtet Barbara Becker. Sie schätzt, dass aber mit Beginn des kommenden Kindergartenjahres, das im August startet, mehr Eltern das Angebot nutzen werden.

„Wir haben aktuell auch noch einige Plätze für das kommende Jahr frei“, sagt Barbara Becker. Großen Wert legt man in der „Zauberkiste“ auf die Themen Bewegung, Begegnung und Wahrnehmung der Natur. Bei gutem Wetter sind die Kinder vor allem im Kita-eigenen Garten oder auch schon mal im Wald unterwegs. Mit dabei ist dann auch Tara, der Therapiebegleithund der Einrichtung, absoluter Liebling der Kinder.

Ob in Gressenich oder der Innenstadt: Ziel von „Kitaplus“ ist keinesfalls, Kinder möglichst lange betreuen zu lassen. Kein Kind soll fünf Mal pro Woche von 6 bis 18 Uhr in der Kita verbringen. „Es geht viel mehr darum, dass wir den Familien eine flexiblere Gestaltung ihres Alltags ermöglichen wollen“, erklärt Sebastian Heyn, Leiter des Stolberger Jugendamts.

So biete „Kitaplus“ zum Beispiel den Vorteil, dass eine weitere Fremdbetreuung zwischen Kita-Schließzeit und dem Feierabend der Eltern entfällt. „Das ist für alle entspannter, vor allem aber für die Kinder“, ist Heyn sich sicher. „Wir bieten diese frühen Öffnungs- und späten Schließzeiten auch wirklich nur für diejenigen Familien an, die einen konkreten Bedarf haben“, betont Vicky Rogas. Das können neben dem Beruf auch andere, private Gründe sein. „Doch einen gewissen Nachweis dafür, dass die frühe oder späte Betreuung notwendig ist, brauchen wir schon“, sagt sie.

Sowohl in Gressenich als auch in der Innenstadt bietet „Kitaplus“ jedoch auch die Möglichkeit, in Notfällen ganz spontan eine längere Betreuung zu ermöglichen. „Das kann zum Beispiel notwendig sein, wenn mal eine Mutter einen dringenden Arzttermin hat, oder der Vater auf dem Nachhauseweg von der Arbeit im Stau steckt“, nennt Barbara Becker als Beispiel.

Das Projekt, das für die Eltern neben den Elternbeiträgen keine zusätzlichen Kosten bedeutet, läuft zunächst bis Ende 2018 in den beiden Stolberger Einrichtungen. „Wir werden in enger Abstimmung mit den beiden Kitas beobachten, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln“, sagt Heyn. Noch im Laufe dieses Jahres soll es einen ersten Zwischenbericht an den Kinder- und Jugendausschuss der Stadt geben.

Irgendwann muss schließlich entschieden werden, ob das Programm über die Pilotphase hinaus fortgeführt wird, und wie. „Grundsätzlich ist auch denkbar, dass wir Kitaplus in Zukunft auf andere Einrichtungen übertragen“, sagt Heyn. Generell werde der Bedarfsplan in der Kupferstadt ständig fortgeschrieben.

Dabei wird in Zukunft auch ein Programm namens „Little Bird“ dabei helfen, herauszufinden, was die Eltern möchten. „Das Programm soll in diesem Jahr auf unseren städtischen Internetseiten implementiert werden“, sagt Sebastian Heyn.

Dort können sich Eltern registrieren, sich über die Kita-Angebote in der Stadt informieren und angeben, welches dieser Angebote sie nutzen möchten. „So haben wir schon mal im Blick, welche Kita besonders gefragt ist“, sagt Heyn. Außerdem könnten Eltern auch mehrere für sie interessante Kitas auswählen und priorisieren. „Das ist für die Eltern bequem und bietet uns anderseits die nötige Übersicht.“

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