Kitas: Flexiblere Zeiten für Stolberger Kinder

Von: Jürgen Lange
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Derzeit wird die Gressenicher Kita saniert und erweitert; ab 1. August soll sie von 6.30 bis 18 Uhr flexible Betreuungszeiten anbieten. Foto: J. Lange

Stolberg. Es gibt sie noch, aber sie sind rar geworden: Frauen, die sich bewusst auf Kinder und Haushalt konzentrieren. Vielfältig sind heute die neuen individuellen Lebensmodelle, denen Eltern mal mehr oder auch mal weniger freiwillig folgen. Alleinerziehend, in einer WG, Lebenspartnerschaft oder Ehe – Familie wird sehr unterschiedlich gelebt.

Auch Berufstätigkeit beschränkt sich nicht mehr auf klassische Arbeitszeiten zwischen 8 und 16 Uhr. Überstunden, Schichtdienst, erweiterte Öffnungs- und Bürozeiten – die Rahmenbedingungen des heutigen Arbeitslebens fordern den Beschäftigten mehr Flexibilität ab.

Das hat zur Konsequenz, dass bei Eltern die Wünsche nach einer größeren Flexibilität bei der Kinderbetreuung wachsen. „Diesen Wünschen wollen wir versuchen nachzukommen“, sagt Robert Voigtsberger und verweist auf das in der Kupferstadt postulierte Jahr der Familienfreundlichkeit. Bereits im Februar gekürt wurde im Rahmen des Wettbewerbes „12 Monate – 12 Ideen“ der Vorschlag gemacht, flexiblere Öffnungszeiten in Kindergärten einzuführen.

1950 Eltern befragt

Jetzt unterbreitet der Erste Beigeordnete dem am 23. Juni tagenden Kinder- und Jugendausschuss einen konkreten Vorschlag, nachdem das Jugendamt eine Befragung aller Erziehungsberechtigten mit Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren durchgeführt hat. 1950 Eltern, die Tagesstätten, Kindertagespflege oder Babybesuchsdienst nutzen, wurden angesprochen und zum Betreuungsbedarf außerhalb der bisherigen Kernzeiten befragt.

„Bei 850 Antworten haben wir mit 43,6 Prozent eine hohe Rücklaufquote erzielt“, bilanziert der Jugenddezernent. Insgesamt 290 Eltern meldeten bei der Fragebogenaktion einen Bedarf an Randzeitenbetreuung an – mit unterschiedlicher Tendenz in den Stadtbezirken: In den beiden Sozialräumen der Innenstadt meldeten 31 und 55 Eltern Bedarf an, im Westen 77, im Südwesten 46 und im Süden 76 (fünf gaben keinen Wohnort an). „Konkret wurden Anregungen für Öffnungszeiten ab 6 bis 18 Uhr beschrieben“, sagt Voigtsberger weiter: „Eltern begründen dies mit ihrer beruflichen Lebenswirklichkeit“.

Es sei Eltern aufgrund ihrer Fahr- und Arbeitszeiten oftmals nicht möglich, innerhalb der Kern- und Blocköffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr bzw. 7 bis 14 Uhr ihre Kinder in die Tagesstätten zu bringen oder sie daraus abzuholen, so der Beigeordnete. Andererseits werde eine Erweiterung der Öffnungszeiten über 45 Stunden in der Woche hinaus nur in wenigen, über das gesamte Stadtgebiet verteilte Einzelfälle nachgefragt. „Es besteht allerdings hoher Flexibilisierungsbedarf beim Betreuungsbedarf“: Voigtsberger nennt als Beispiele dafür Alleinerziehende mit Arbeitsstelle, aber auch Eltern in Schichtdienst oder Ausbildung.

Maximal zehn Stunden am Tag

Dabei werde bereits heute eine durchschnittliche Öffnungszeit von neun Stunden täglich bzw. 45 Stunden wöchentlich von drei Vierteln der Stolberger Einrichtungen angeboten. Nun strebt die Kupferstadt in einer ersten Einrichtung eine wöchentliche Öffnungszeit von 57,5 Stunden an.

Gleichzeitig will die Kupferstadt darauf achten, dass Tagesstätten von Erziehungsberechtigten nicht als Verwahranstalt ausgenutzt werden, denn Eltern sollen sich ihrer Verantwortung für das Wohl des Nachwuchses nicht entziehen.

„Deshalb werden die Zeiten mit den Eltern abgestimmt und im Voraus festgelegt“, verweist Voigtsberger darauf, dass „zwar je nach den beruflichen Erfordernissen, aber maximal zehn Stunden“ am Tag Kinder in den Einrichtungen betreut werden können.„Wir wollen zuerst im südlichen Sozialraum mit einer überschaubaren Zahl von 15 Kindern beginnen“, sagt der Jugenddezernent und kündigt an, dass das Angebot sukzessive auf alle Sozialräume ausgeweitet werden soll, um ganz familienfreundlich möglichst vielen Stolbergern ein flexibles und ortsnahes Angebot unterbreiten zu können.

Die Gressenicher Kita soll zu dem am 1. August beginnenden neuen Kindergartenjahr ihre Pforten montags bis freitags von 6.30 bis 18 Uhr öffnen – frisch saniert, modernisiert und erweitert. Insgesamt knapp 800.000 Euro investiert die Kupferstadt derzeit auch in energetische Standards des Gebäudes an der Parkstraße.

Mehr Betreuung bedeutet aber auch mehr Personal- und Sachkosten. Voraussichtlich werden zwei befristete Vollzeitstellen eingerichtet. Voigtsberger hat deshalb seine Fühler ausgestreckt und das erst im Januar für zunächst drei Jahre aufgelegte Bundesprogramm „KitaPlus“ für Stolberg entdeckt.

Förderprogramm aus Berlin

Über zunächst drei Jahre trägt das Familienministerium in Berlin 95 Prozent der Kosten, fünf verbleiben bei der Stadt als Träger der Einrichtung. Der finanzielle Aufwand für dieses Angebot summiert sich innerhalb von zweieinhalb Jahren auf rund 190.000 Euro; bei der Stadt verbleiben knapp 9500 Euro. Ende 2018 wird Bilanz gezogen, wie es weitergeht.

Mit Blick auf Fristen hat Voigtsberger schon einmal vorgefühlt, ein Stolberger Antrag würde für das Verfahren zugelassen; mit einer Entscheidung wäre im Juli zu rechnen, natürlich nur, wenn der Ausschuss den Plänen zustimmt.

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