Kita-Streiks: Für Eltern wird die Lage immer schwieriger

Von: Michael Grobusch
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Glück gehabt: Die dreijährige Charlotte Claßen hat einen Platz in der Notgruppe in Mausbach gefunden. Das freut ihre Mutter Petra (l.) und Erzieherin Beate Mallmann. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die Stimmung ist gereizt an diesem Montagmorgen in der städtischen Kita in Mausbach. Die 20 Kinder, die in der „Notgruppe” einen Platz gefunden haben, merken davon glücklicherweise wenig.

Die Eltern aber sehen sich zunehmend überfordert mit diesem Streik, der am Montag in Stolberg in den 16. Tag gegangen ist. Nichts ist es geworden mit der Einigung, die beide Tarifparteien Mitte vergangener Woche in Aussicht gestellt hatten.

Stattdessen bleiben die Kindertagesstätten bis Mittwoch erneut geschlossen - mindestens, denn bislang gibt es in Berlin noch nicht einmal einen neuen Verhandlungstermin.

Petra Claßen hat nach wie vor Verständnis für die Forderung der Erzieherinnen nach einem besseren Gesundheitsschutz und mehr Gehalt. Aber sie kennt auch die Nöte der Mütter und Väter, für die es immer schwieriger wird, eine alternative Betreuungsmöglichkeit zu finden. „Ich bin freiberuflich tätig und habe alle Auswärtstermine auf die zweite Wochenhälfte verschoben. Andere Berufstätige können das aber nicht”, weiß die zweifache Mutter.

In Mausbach hat sie ein Netzwerk organisiert, um mit Gleichgesinnten aus der Not eine Tugend zu machen und zumindest in den schwierigsten Fällen für eine Lösung zu sorgen. „Es gibt immer einen Plan B”, berichtet Petra Claßen. Konkret bedeutet das: Für jeden Tag stehen einige Mütter und Väter bereit, die notfalls in der Kita Mausbach einspringen, um den Fortbestand der Notgruppe zu sichern.

Auch Beate Mallmann leistet ihren Beitrag, allerdings in einer gänzlich anderen Funktion. Die Erzieherin arbeitet auf Stunden-Basis für die Stadt Stolberg und wird immer dann eingesetzt, wenn es in einer der 19 Einrichtungen einen personellen Engpass gibt. „Ich habe keinen festen Vertrag und bin nicht gewerkschaftlich organisiert”, verweist sie auf ihren „Status”. Doch diesen will sie in beiderlei Hinsicht möglichst rasch ändern. Die Forderungen der Gewerkschaft kann Beate Mallmann ohne Einschränkung unterschreiben. „Es sind so viele Sachen in unserem Arbeitsbereich, die nicht stimmen. Es muss sich einfach grundlegend etwas ändern”, ist sie überzeugt.

„Wird ein großes Chaos geben”

Auch Petra Claßen weiß um die niedrigen Gehälter, die reduzierten Stundenzahlen, die mangelhafte Ausstattung und damit die vielen Einschränkungen, die aus ihrer Sicht letztlich auf Kosten der Kinder gehen. Deshalb hat sie vor allem einen Wunsch: „Arbeitgeber und Arbeitgeber müssen sich an einen Tisch setzen und die Verhandlungen bis zu einem Abschluss durchziehen. Es kann nicht sein, dass jetzt Wochen vergehen, ehe überhaupt wieder miteinander gesprochen wird.”

Kurzzeitig könnte sich die Situation durch die Sommerferien etwas entspannen. Dann bleiben die Kitas im Wechsel ohnehin jeweils drei Wochen geschlossen, und viele Familien haben Urlaub geplant. „Wenn der Streik aber nach den Ferien weitergehen sollte, wäre das eine Katastrophe”, blickt Beate Mallmann weiter in die Zukunft. „Im August kommen die neuen Kinder in den Kindergarten. Wenn dann Streik herrscht, wird es ein großes Chaos geben.” Dass die Streikenden andererseits kaum eine andere Wahl hätten, als ihren Ausstand fortzusetzen, betont sie allerdings auch. „Solange es kein zufrieden stellendes Ergebnis gibt, muss der Streik weitergehen. Sonst wäre der ganze Kampf vergebens gewesen.”

Eine aktivere Rolle erwartet unterdessen Petra Claßen von der Stadt Stolberg. „Sie kann zwar nicht eigenmächtig die Gehälter aufstocken. Aber sie kann den Druck auf den Arbeitgeberverband erhöhen.” Diese Position hat die Mausbacherin auch in einem persönlichen Gespräch mit Ferdi Gatzweiler vertreten. Was das bei der Arbeitgeber-Vertretung bewirkt hat, wurde nicht überliefert. Immerhin aber ist nach dieser Unterredung die Notgruppe in Mausbach eingerichtet worden.
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