Kita-Plätze: Kollektiver Kraftakt für ein besseres Angebot

Von: Michael Grobusch
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Kitas in NRW haben starken Zulauf. Foto: dpa

Stolberg. Eine Zahl gilt derzeit als gesichert: Zum Kindergartenjahr 2009/10 werden in Stolberg weitere 34 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen. Entsprechende Vereinbarungen hat das Jugendamt mit den kirchlichen Kitas Clara Fey (zwölf Plätze), St. Markus, St. Sebastianus (je 5) sowie der eigenen Einrichtung in der Franziskusstraße (zwölf) abgeschlossen.

Damit wird die Zahl der so genannten Krippenplätze in Stolberger Einrichtung auf insgesamt 169 steigen. Für Jugendamtsleiter Willi Seyffarth und Jugendpfleger Josef Offergeld ist das ein guter Zwischenwert, der vor allem auch dank der Unterstützung durch die freien Träger erreicht werden kann.

Von der Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben, die allen Kinder ab dem ersten Lebensjahr ab 2013 das Recht auf einen Betreuungsplatz zusprechen, ist die Kupferstadt allerdings noch weit entfernt. Deshalb sollen im Jugendhilfeausschuss am Donnerstag die grundsätzlichen Weichen für einen forcierten Ausbau des Betreuungsnetzes gestellt werden.

„In den städtischen Kitas, die über entsprechende Grundstücke verfügen, werden wir zusätzliche Gruppen anbauen”, nennt Willi Seyffarth einen wesentlichen Schritt, der zur Erfüllung des Rechtsanspruches beitragen soll. Rechnen kann er dabei mit einer erheblichen finanziellen Unterstützung durch das Land, das 90 Prozent der Investitionskosten übernimmt.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Während die tatsächlichen Kosten für die Umrüstung bereits bestehender Gruppenräume auf die Bedürfnisse von unter Dreijährigen in vielen Fällen unter der Förderhöchstgrenze von 3500 Euro pro geschaffenen Platz liegen dürften, verhält es sich bei Ausbauten (7650 Euro/Platz) und Neubauten (18000 Euro/Platz) genau umgekehrt.

Vor allem im letztgenannten Fall geht die Verwaltung davon aus, dass der Eigenanteil wegen der Deckelung der Zuschüsse die angesetzten zehn Prozent deutlich überschreiten wird. „Bei einem kompletten Neubau gehen wir von einem 50-prozentigen Eigenanteil aus”, erklärt Josef Offergeld.

Das macht die Aussichten für potenzielle private Investoren nicht gerade attraktiver. Immerhin ist mit der Caritas Lebenswelten GmbH aber schon ein erster nicht-öffentlicher Träger gefunden worden, der 2010 am Obersteinfeld eine neue heilpädagogische und integrative Kindertagesstätte in Eigenregie bauen wird. Für den weiteren Ausbau der U3-Betreuung schafft das eine gute Basis, zur Deckung des tatsächliches Bedarfes wird dies jedoch bei weitem nicht reichen.

In den städtischen Planungen tauchen deshalb für 2011 bis 2013 insgesamt drei weitere Neubauten auf. Dass diese nicht alleine für unter Dreijährige konzipiert werden können, liegt auf der Hand: „Wir müssen ja daran denken, dass für die Kinder auch Betreuungsangebote vorgehalten werden, wenn sie älter als drei Jahre sind”, gibt Josef Offergeld zu bedenken.

Derzeit deutet einiges darauf hin, dass die wesentlichen strategischen Entscheidungen erst am Ende des Jahres getroffen werden. Dann sind zum einen die Kommunalwahlen abgehakt; zum anderen dürfte auch klar sein, welche Auswirkungen die Bestrebungen des Bischofs nach vier zentralen Trägern für die katholischen Einrichtungen im Bistum Aachen auf Stolberg haben wird.

Davon unberührt bleiben die Bemühungen der Stadt, auch über einen Intensivierung der Tagespflege die U3-Betreuungsmöglichkeiten auszuweiten. „Wir haben zunächst einen Verteilungsschlüssel von 80:20 zwischen Kita und Tagespflege angesetzt. Vielleicht kommen wir aber auch auf 70:30”, setzt Willi Seyffarth auf eine für den Herbst geplante Offensive in der Öffentlichkeit und auf die in den Familienzentren angebotenen Beratungen, in deren Rahmen auch auf Tagesmütter als Alternative zur institutionellen Betreuung verwiesen werden soll.

100 bis 120 Plätze könnten nach Einschätzung des Jugendamtsleiters in diesem Bereich bis 2013 entstehen. Insgesamt muss Stolberg bis dahin über 470 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren verfügen, um den Rechtsanspruch gewähren und die geforderte Betreuungsquote von 35 Prozent erreichen zu können.

Stellen für Erzieherinnen sollen unbefristet eingerichtet werden

Das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) hat im vergangenen Sommer für neue Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen gesorgt, und die gelten aus Sicht der Verwaltung in Stolberg mittlerweile als etabliert. Deshalb sollen die zunächst auf ein Jahr befristeten Stellen, die 2008 geschaffen worden waren, jetzt in unbefristete Arbeitsverhältnisse umgewandelt werden. Voraussetzung dafür ist ein positives Votum des am Dienstagabend tagenden Hauptausschusses.

ArtikelKonkret geht es bei der Personalausstattung für die 19 städtischen Kindertagesstätten um acht Halbtagsstellen sowie vier weitere Beschäftigungsverhältnisse, die einen Umfang von 25, 26, 30 und 39 Stunden haben. Sie schlagen im städtischen Haushalt mit rund 480000 Euro zu Buche, werden allerdings zum Teil über Elternbeiträge und Zuschüsse refinanziert. Hinzu kommen noch vier Teilzeitverträge für Ergänzungskräfte und fünf Stellen à zehn Wochenstunden für Küchenhilfen.

„Seit Inkrafttreten des Gesetzes ist festzustellen, dass die vorgehaltenen Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren in vollem Umfang gebucht werden”, verweist Willi Seyffarth auf eine starke Nachfrage. Diese gilt nach Angaben des Jugendamtsleiters auch für die kommenden Jahre als gesichert. Planungssicherheit will Seyffarth deshalb frühzeitig auch für die Kinder und Eltern schaffen. „Schließlich geht es nach wie vor um verlässliche Beziehungsarbeit.”

Die Umwandlung der Stellen ist aber auch als eine Reaktion auf die verstärkte Nachfrage nach Fachpersonal zu interpretieren, wenngleich Jugendpfleger Josef Offergeld derzeit keinen Engpass auf dem Arbeitsmarkt befürchtet. „Noch haben die Berufskollegs die Gelegenheit, auf den steigenden Bedarf zu reagieren. Außerdem bietet die Personalvereinbarung zu Kibiz die Möglichkeit, beispielsweise auch Kinderkrankenschwestern oder Sozialpädagoginnen einzustellen.”

Das könnte in Zukunft auch erforderlich werden. Denn mit dem fortschreitenden Ausbau der U3-Betreuung wird auch der Personalbedarf weiter steigen.
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