Kirchenchor St. Barbara feiert 150-jähriges Bestehen

Von: Marie-Luise Otten
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Nach und nach treffen alle Mitglieder des Kirchenchores zur wöchentlichen Probe im Pfarrheim ein. Chorleiter Franz Körfer hat währenddessen schon mal mit dem Einsingen angefangen. Dazu gehören unter anderem auch Lockerungsübungen für den ganzen Körper. Foto: M.-L. Otten

Stolberg-Breinig. 2014 ist ein Festjahr für die Mitglieder des Kirchenchores St. Barbara in Breinig. Denn der Chor kann sein 150-jähriges Bestehen feiern. Nach dem Auftritt bei der Aachener Heiligtumsfahrt gestaltet er zusammen mit den Kirchenchören aus Büsbach und Mausbach am Sonntag um 10 Uhr das Hochamt im Aachener Dom.

Unter der Leitung von Franz Körfer singen die Damen und Herren die „Missa Festiva“ und das „Laudate Dominum“ vom zeitgenössischen britischen Komponisten Christopher Tambling (Jahrgang 1964). Was es sonst im Jubiläumsjahr noch alles gibt, warum der Chor im Verbund mit den benachbarten Kirchenchören auftritt, und wie die Pläne für die Zukunft aussehen, erzählt Peter Mulders, Vorsitzender, im Interview.

Welches ist die Hauptaufgabe eines Kirchenchores?

Mulders: Hauptaufgabe des Chores ist die Pflege der geistlichen Musik und die musikalische Mitgestaltung der Gottesdienste an wichtigen Festen des Kirchenjahres.

150 Jahre im Dienst der „musica sacra“: Wie sieht das Repertoire allgemein aus? Gibt es bestimmte Schwerpunkte?

Mulders: Wie jeder andere Chor haben auch wir einen festen Stamm an Liedern aus alter Zeit bis zur Moderne, die jedes Jahr wieder zur Aufführung kommen. Darüber hinaus wagen wir uns auch an Neues heran. Regelmäßig sind Lieder in englischer Sprache dabei. Ich schätze, dass auch die Zuhörer eine ausgewogene Mischung aus Alt und Neu mögen.

Viele Traditionschöre klagen heute über mangelnden Nachwuchs. Wie ist die Altersstruktur in Ihrem Kirchenchor?

Mulders: Unser Chor ist da natürlich keine Ausnahme. Aber wenn ich bei der Probe so um mich schaue, sind es nicht überwiegend graue Haare, die das Bild bestimmen. Ich würde sagen, dass die Mehrzahl der Mitglieder die Rente noch nicht erreicht hat. Es freut uns auch, dass wir im vorigen Jahr einige Zutritte von Breiniger Neubürgern verzeichnen konnten.

Kommen beim Kirchenchor der Pfarre St. Barbara alle Sänger aus Breinig?

Mulders: Unser Chor hat heute 58 aktive Sängerinnen und Sänger: 21 Sopranstimmen, 16 Altistinnen, elf Tenöre und zehn Bässe. Die meisten davon sind Breiniger, einige kommen aber aus der näheren Umgebung. Besonders froh sind wir darüber, dass dieses Jahr fünf Sängerinnen und Sänger aus Zweifall zu uns gestoßen sind.

Welche musikalischen Voraussetzungen braucht heute jemand, um im Kirchenchor mitzusingen?

Mulders: Da sind wir nicht wählerisch. Im Prinzip sollte man nur eine vorgegebene Melodie nachsingen können. Auch Kenntnis der Notenschrift ist nicht notwendig. Mit der Zeit lernt man ja vieles dazu. Zudem haben wir einen sehr geduldigen Dirigenten.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Ist sie größer geworden?

Mulders: Heute gibt es die Musikschule, viele junge Leute nehmen Gesangsunterricht, um möglichst schnell ein Star zu sein, oder bevorzugen einen weltlichen Chor. Die Beispiele sind für uns keine Konkurrenz. Wir gewinnen meistens neue Mitglieder durch persönliche Ansprache. Viele Neu-Breiniger suchen sozialen Anschluss, nehmen unverbindlich an einer Chorprobe teil und bleiben dann.

Was ist der Reiz für junge Leute, heute noch im Kirchenchor zu singen?

Mulders: Es macht Spaß, in gemütlicher Atmosphäre in einem Mehrgenerationenchor zu singen. Wenn die Stimmung gut ist, sind die Proben und die Auftritte immer wieder ein erfreuliches Gemeinschaftserlebnis. Dazu trägt auch unser immer gut gelaunter Dirigent Franz Körfer bei.

Was ist mit der Geselligkeit?

Mulders: Man sieht sich jede Woche am Donnerstag zur Probe. Einmal im Monat schließen wir die Probe mit einem kleinen Umtrunk im Pfarrheim ab. Diese Möglichkeit, sich auszutauschen und näher kennenzulernen, wird gut angenommen. Daneben haben wir unseren jährlichen Ausflug und das Cäcilienfest im Dezember.

Wie sieht es mit dem Mitgliedsbeitrag aus?

Mulders: Mitgliedsbeitrag gibt es bei uns nicht, da der Chorleiter von der Kirche bezahlt wird. Wir haben stattdessen eine „Freud- und Leid-Kasse“, in die jeder etwas still und ohne viel Aufhebens hineinlegen kann, und aus der dann an Geburtstagen, bei Geburten, aber auch bei Todesfällen die Angehörigen bedacht werden.

Obwohl der Chor 58 sangesfreudige Frauen und Männer aufweist, treten Sie in Aachen als Chorgemeinschaft der GdG Stolberg-Süd auf. Warum diese Fusion und warum gerade diese Messe?

Mulders: Ich würde da nicht von Fusion sprechen, sondern eher von einer Gemeinschaft zur Gelegenheit des Auftritts in Aachen. Es bedarf vieler Stimmen, um den Aachener Dom zu füllen, und es ist jetzt Ferienzeit, wodurch nicht alle Sängerinnen und Sänger des eigenen Chores zur Verfügung stehen. Die Wahl der Messe von Tambling ergibt sich eigentlich aus dem Umstand, dass sowohl der Breiniger Chor als auch die Büsbacher und Mausbacher Chöre noch größere Werke zu anderen Veranstaltungen einstudieren. Und da auch diese Chöre von unserem Dirigenten Franz Körfer geleitet werden, liegt es auf der Hand, eine Messe aufzuführen, welche alle Chöre schon einmal dargeboten haben.

Wie lange brauchte der Chor für die Einstudierung dieser Messgestaltung in Aachen?

Mulders: Da alle drei Chöre diese Komposition schon aufgeführt haben, bedarf es eigentlich keiner Zusatzproben. Wohl hat unser Chorleiter in weiser Voraussicht die Sommerpause der Chöre, die sich normalerweise mit den Schulferien deckt, um zwei Wochen verkürzt. Die Feinabstimmung zwischen den Chören findet dann in Aachen vor dem Hochamt statt.

Welche weiteren Veranstaltungen gibt es im Jubiläumsjahr?

Mulders: Am 28. September haben wir den Kleinen Chor Breinig-Schevenhütte, der übrigens dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert, und Instrumentalsolisten mit einem bunten Programm zu Gast in Breinig. Einen Höhepunkt bildet sicher auch unsere Reise nach Rom Anfang Oktober, die wir in Zusammenarbeit mit den Theaterfreunden St. Barbara und unter sachkundiger Führung unseres Pastors Ulrich Lühring unternehmen. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres führen wir dann am 3. Advent zusammen mit der Musikalischen Gesellschaft Breinig zwei Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium von Bach auf. Das letzte Mal fand diese Aufführung in Breinig zum 125-jährigen Jubiläum des Chores statt.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Jubiläum? Und wie geht es danach weiter?

Mulders: Das Jubiläum soll sowohl für den Chor als auch für die Breiniger Bürger ein paar Extras beinhalten. Das Mitwirken bei der Heiligtumsfahrt und auch die Messgestaltung im Dom sind zusammen mit der Rom-Reise Ereignisse der besonderen Art. Für die Breiniger gab es im April schon ein Gastkonzert einer niederländischen Choralschola, und es gibt natürlich die Konzerte im September und Dezember. Im nächsten Jahr wollen wir wieder kürzer treten, da wir uns bewusst sind, dass das Jubiläumsprogramm dem Chor viel abverlangt.

Wie sind Sie persönlich auf den Chor gestoßen?

Mulders: Vor zehn Jahren hatte Franz Körfer sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Statt Geschenke wünschte er sich neue Sängerinnen und Sänger. Ich habe mich ansprechen lassen, eine Probestunde im Chor absolviert und bin geblieben. Seit zwei Jahren bin ich sogar Vorsitzender.

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