Kinga Grytz: Erfolgreich in einem egoistischen Sport

Von: Jessica Küppers
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Volle Konzentration: Während der Präsentation vor der Jury fokussiert sich Kinga Grytz (3. v. l.) ganz auf sich und ihren Körper. Der Erfolg gibt ihr Recht. Bei den Deutschen und bei den Westdeutschen Meisterschaften hat die Stolbergerin den ersten Platz gemacht. Foto: Privat, J. Küppers
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Kinga Grytz ist stolz auf ihren Pokal als Kraftathletin. Mit viel Disziplin hat sie den Sieg bei den Westdeutschen Meisterschaften erreicht.

Stolberg. Nach der Schwangerschaft hat Kinga Grytz richtig losgelegt. Eigentlich wollte sie nur ein paar überschüssige Pfunde loswerden. Doch in den vergangenen Jahren hat sich ihr Hobby Krafttraining zum Hochleistungssport entwickelt.

Seitdem trainiert die 38-jährige Stolbergerin intensiv und zählt mit ihrem muskulösen Körper zu den Besten Deutschlands. In der Kategorie „Figur“ hat sie erst in der vergangenen Woche bei den Deutschen Meisterschaften in Cuxhaven den ersten Platz belegt. Sie hat sich gegen acht Teilnehmerinnen durchgesetzt. Ebenso konnte sie sich eine Woche zuvor bei den Westdeutschen Meisterschaften über den ersten Platz freuen. Ihr nächstes Ziel: Die Weltmeisterschaft in Warschau am kommenden Samstag.

Bis sie ihren ersten Pokal in den Händen halten konnte, hat sie hart an sich gearbeitet. Und muss es immer noch. Bis zu drei Stunden trainiert Grytz pro Tag im Fitnessstudio – immer eine Stunde Ausdauer- und zwei Stunden Krafttraining. Zusätzlich hält sie sich strikt an ihren Diätplan. „800 Kalorien täglich, das ist so viel wie andere schon zum Frühstück zu sich nehmen“, sagt die Kraftsportlerin. Besonders während der Vorbereitung auf die Meisterschaften ist ihre Ernährung sehr einseitig: Reis, Hühnchen, Bananen und Gurken. Sonst nichts. Schokolade ist selbstverständlich tabu.

Das sei das Härteste, was sie je in ihrem Leben gemacht habe, sagt sie. „Erfolg hat man nur, wenn man Training und Ernährung aufeinander abstimmt.“ Weil sie selbst hauptberuflich als Trainerin in einem Fitnessstudio arbeitet, kennt sie die Regeln für sportlichen Erfolg ganz genau und hält sich diszipliniert daran. Mehr als 64,7 Kilogramm darf sie während des Wettkampfes nicht auf die Waage bringen.

Die großen Meisterschaften sind für die Stolbergerin noch ungewohnt. Ihren ersten Auftritt hatte sie bei den Westdeutschen Meisterschaften am 10. Mai. Der Ablauf ist aber immer ähnlich. Die Präsentation besteht aus mehreren Auftritten. Beim ersten stehen alle Teilnehmer gemeinsam auf der Bühne. Die Jury bittet dann die Sportler, die ihnen am besten gefallen, vorzutreten, um sie genauer beurteilen zu können. „Diejenige, die sie zuerst nach vorne holen, ist oft schon die Siegerin“, sagt die Kraftsportlerin. Das hat Grytz anfangs nicht gewusst und sich vor Nervosität alle Nägel abgeknabbert, während ihr Coach hinter den Kulissen schon siegessicher war.

Auf der Bühne werde nicht nach hübsch und weniger hübsch beurteilt, erklärt Kinga Grytz. Genauso wenig bringe es den Kandidaten etwas, wenn sie Berge von Muskeln haben, sich aber nicht darstellen können, sagt sie. Mittlerweile weiß sie: „Entscheidend ist die Präsentation des Körpers.“ Das Gesamtbild muss stimmen.

Der Preis, den sie für ihren Erfolg zahlt, ist hoch. So darf sie beispielsweise am Vortrag eines Wettkampfes ab 18 Uhr nicht mehr viel trinken, damit die Adern deutlich sichtbar sind. Nur hin und wieder ist ein Schluck Cola erlaubt, weil Zucker die Muskeln besser zur Geltung bringt. „Schön ist das nicht“, sagt sie lachend, „aber anders geht es nicht.“ Außerdem fühlt sie sich dann schlapp, und ihre Laune ist oft schlecht. Sie fokussiert sich ganz auf sich. Ob es das wirklich wert ist? „Das habe ich jetzt zwei Mal bei den Meisterschaften gesehen, dass es das wert ist, und deswegen werde ich weitermachen“, sagt sie entschlossen. Es sei ein egoistischer Sport, und sie sei unglaublich dankbar, dass ihre Familie und Freunde sie dabei unterstützen. Eines steht für die Kraftsportlerin auf jeden Fall fest: „Ich will immer schön auf dem Boden bleiben.“

Ihr nächstes Ziel verliert sie trotzdem nicht aus den Augen. Bei der Weltmeisterschaft in Warschau am kommenden Samstag will sie unter die besten Zehn kommen. Auch wenn sie bis dahin noch einige Trainingsstunden vor sich hat und das ein oder andere Mal auf Schokolade und Co. verzichten muss.

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