Stolberg - Kindheit in Stolberg: Einblick in den Alltag vor 65 Jahren

Kindheit in Stolberg: Einblick in den Alltag vor 65 Jahren

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
13052499.jpg
Warmherzige und spannende Erzählerin: Elisabeth Leiberger-Wunsch (r.) stellte jetzt in der Burg ihr Buch vor. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Tochter Susanne Wunsch. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Elisabeth Leiberger-Wunsch hat ein Buch verfasst: Keinen Roman und auch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Lebensbild, das ihre Kindheit und Jugend in Stolberg beschreibt.

Alltagsgeschichten, aus persönlicher Sicht erzählt und aufgeschrieben, spannend geschildert und mit einer gehörigen Portion Humor, Gelassenheit und Lebenserfahrung gewürzt.

Das Buch, das den Titel trägt: „Stadt meiner Kindheit – Stolberg (Rheinland) von 1940 bis 1958“, stellte die 76-jährige Autorin, die seit vielen Jahren in Bendorf bei Koblenz lebt, jetzt im Trauzimmer der Burg einer 35-köpfigen Zuhörerschaft vor. Die Einführung hielt Archivar Christian Altena. Denn eingeladen hatte das Stadtarchiv und die Stolberg-Touristik mit Unterstützung der Stadtbücherei.

Altena machte die Gäste der Buchvorstellung auf den historischen Wert der verschriftlichten Lebenserinnerungen der früheren Kauffrau aufmerksam. Er bezeichnete die 222-seitige, illustrierte Lektüre als eine aus persönlicher Sicht verfasste lebensnahe Schilderung, die einen guten Einblick in das Alltagsleben der 1940er und 1950er Jahre vermittele.

„Der einfache Satz in dem Buch: ‚Früher gab es ja keinen Kühlschrank‘ wirkt auf meine Generation geradezu schockierend“, brachte der Historiker den immensen Fortschritt innerhalb einer Lebensspanne auf dem Punkt.

Nach der kurzen Einführung war die Autorin selbst an der Reihe, um einige Kapitel aus ihrem Werk vorzutragen. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Tochter Susanne Wunsch, die diejenigen Passagen übernahm, die die Kriegsereignisse im September 1944 schildern.

Ereignisse, die der Autorin auch nach einem Abstand von 72 Jahren sehr zu Herzen gehen. „Die schrecklichen Bilder von damals sind mir nach wie vor Augen. Verstärkt dadurch, dass ich im vergangen Jahr einen zeitgenössischen US-amerikanischen Film zu Gesicht bekam, der unter anderem meine Mutter, mich und meine Geschwister auf der Flucht nach Brand zeigen“, versicherte die sichtlich betroffene Autorin, die danach zu weniger tragischen Kapiteln und Beschreibungen überleitete.

Episoden, die beispielsweise von ihrer Kindheit in Münsterbusch berichteten, von den beengten Wohnverhältnissen in einer kleinen Mansardenwohnung an der Prämienstraße und von der Kunstfertigkeit des Vaters erzählen, der für seine Kinder Spielzeug, Schmuck und Schuhe herstellte.

Um dessen Kunstfertigkeit zu demonstrieren, ließ Altena zwei kleine Plexiglasherzen durch die Reihen gehen, die der Vater aus der Pilotenkanzel eines abgestürzten Flugzeuges gefertigt hatte: Leiberger-Wunsch hatte die kleinen Schmuckstücke im vergangenen Jahr dem Stadtarchiv geschenkt.

Aber auch der Mutter wurde gedacht, die die sechsköpfige Familie mit einfallsreichen, leckeren Speisen und Backwaren versorgt und der Schneiderei kundig, für die Geschwister attraktive Bekleidung hergestellt hatte. Des weiteren spielten in den vorgetragenen Buchtexten Familienfeste wie Kommunion, Weihnachten und Ostern sowie die damit verbundene, zeitgenössische Ausprägung eine Rolle. Aber auch dem damaligen Stolberg mit seinen Besonderheiten und Eigentümlichkeiten wurde Referenz gezollt.

Angereichert hatte Leiberger-Wunsch ihren einstündigen Vortrag, indem sie ein Gedicht zitierte, das sie und ihre Eltern gemeinsam mit einem reichen Liedgut stets begleitet hatte. Die Gäste waren begeistert. Lang anhaltender Applaus war der Lohn für die gewandte Erzählerin, die danach ihr Buch signierte und das ein oder andere Exemplar direkt vor Ort an die Besucher verkaufte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert