Kinderunfallatlas zeigt: Stolbergs Straßen sind gefährlich

Von: Daniel Gerhards
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Trainer für den Straßenverkehr: Jürgen Steffens übt regelmäßig mit Kindern in Stolberg.

Stolberg. Vorgehen bis zur Bordsteinkante, stehenbleiben, zweimal in beide Richtungen gucken – und dann geht´s über die Straße. So ist es richtig. Verkehrssicherheitsberater Jürgen Steffens trainiert regelmäßig mit Vorschulkindern, wie man sicher über die Fahrbahn kommt. So auch am Mittwoch mit den Kindern aus der städtischen Kita in Büsbach.

So ein „Bordsteintraining“, so heißt die Übungseinheit, die Steffens mit den Kindern macht, kann im Ernstfall schwere Unfälle verhindern. Denn im Straßenverkehr gibt es eine Menge Gefahren für Kinder. An Einmündungen, Garagenausfahren oder zwischen parkenden Autos werden Kinder schnell übersehen, erklärt Steffens. „Ablenkung ist häufig das Problem“, sagt Steffens. Denn wenn Kinder etwas Interessantes oder die Eltern sehen, wird der Straßenverkehr schnell zu Nebensache.

Zahlen sind alarmierend

Gerade hat die Bundesanstalt für Straßenwesen mit dem Kinderunfallatlas gezeigt, wie gefährdet Kinder in den einzelnen Städten, Gemeinden und Landkreisen in Deutschland sind. Es zeigt sich, dass die Gefahren auf der Straße je nach Wohnort unterschiedlich groß sind.

Und das auch in Städten mit vergleichbaren Einwohnerzahlen: Laut Atlas wurden in Stolberg in den betrachteten fünf Jahren von je 1000 Kindern statistisch 2,26 bei Unfällen auf den Rad, zu Fuß oder im Auto verletzt oder getötet. Damit liegt Stolberg auf Platz 11 von 107 möglichen (Städte zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern). In Eschweiler kamen 3,6 von 1000 Kindern zu Schaden. Das bedeutet Rang 80 für Eschweiler.

Angesichts dieser Zahlen könnte man annehmen, dass Stolberg ein relativ sicheres Pflaster ist. Doch es lohnt sich genauer in das Zahlenwerk zu schauen: Nimmt man nur die Daten der Kinder, die zu Fuß unterwegs waren, liegt Stolberg nur noch auf dem 100. Rang (von 107) im bundesweiten Vergleich. Also ist der Stolberg Straßenverkehr doch ziemlich gefährlich für Kinder.

Tatsächlich sind die Zahlen alarmierend – auch für die Polizei. Polizeisprecherin Sandra Schmitz sagte, dass es sich bei den Daten, die dem Kinderunfallatlas zugrunde Liegen, um Werte aus den Jahren 2006 bis 2010. Die Statistik der Polizei weist für den gleichen Zeitraum in Stolberg 55 Unfälle mit Kindern, die zu Fuß unterwegs waren, aus.

„Das ist schon sehr viel“, sagt Schmitz. Erklären kann sie die Zahlen nur ansatzweise: „Es ist schon auffällig, dass Kinder zu Fuß stärker gefährdet sind als mit dem Fahrrad. Stolberg ist ja ziemlich hügelig, vielleicht fahrend dort weniger Kinder mit dem Rad als in anderen Städten“, sagt sie.

Die Zahlen habe die Polizei zum Anlass genommen, die Verkehrserziehung der Grundschul- und Vorschulkinder zu intensivieren. Das Ganze mit Erfolg. In den Jahren 2011 und 2012 gab es nur vier vergleichbare Unfälle.

Auch Steffens erklärt, dass die Zahl der Unfälle mit Kindern stetig zurückgeht: „Auf lange Sicht ist die Zahl der Unfälle rückläufig.“ Das liegt auch an seiner Arbeit in den Kindergärten und Schulen in Stolberg. Dabei wird er von den Bezirksbeamten der Stolberger Polizei unterstützt.

Beim Bordsteintraining lernen die Vorschulkinder, die nach den Sommerferien in die Grundschule kommen, alles was sie wissen müssen, um ihren Schulweg zu meistern. Neben dem sicheren Überqueren der Straße ist wichtig, dass die Kindern ihre eigene Adresse kennen – falls sie mal nicht mehr allein nach Hause finden. Und: „Die Kinder sollen auch wissen, wer die Polizei ist, wie unsere Nummer ist und dass wir ihnen helfen“, sagt Steffens.

Zudem geht es darum, wer auf der Straße fährt und dass der Bürgersteig ein sicherer Bereich ist. Das hört sich selbstverständlich an. Den Kindern müsse man solche Dinge allerdings ganz klar und plastisch zeigen. Steffen baut in sein Training immer wieder kleine Spiele ein. Dadurch bleiben die Kinder aufmerksam prägen sich das Gelernte besser ein.

Für Steffens ist wichtig, dass die Kinder kontinuierlich lernen. Alles nur einmal zu erklären, reiche nicht: „Sie sollen stetig lernen, sich im Straßenverkehr richtig zu verhalten“, sagt Steffens. Daher gibt es neben dem Bordsteintraining im Kindergarten Elternabende, bei denen Steffens über die richtige Bekleidung und einen sicheren Schulweg spricht.

Zudem gibt es Sicherheitsübungen für Grundschulkinder und die Radfahrausbildung in der vierten Klasse. Auch im Bus ist Sicherheit gefragt: Beim „Busfahrtraining“ lernen die Kinder wie man sicher als Passagier der Aseag ans Ziel kommt.

Trotz all der guten Übungen ist es für Kinder nicht leicht im Straßenverkehr alles richtig zu machen: „Beim Training zeigen wir, wie leicht man Kinder ablenken kann. Wenn die Eltern auf der anderen Straßenseite nach ihnen rufen, laufen sie einfach los, obwohl wir vorher besprochen haben, dass man das nicht soll.“ Dabei hat Steffens den Kindern gerade beigebracht, dass man zweimal in jede Richtung schauen muss. Die Kleinen sollen den Kopf richtig drehen. „Kinder haben noch ein eingeschränktes Sichtfeld, deshalb ist das wichtig“, sagt er.

Eltern sind am Zug

Nun sind die Eltern am Zug: „Wir als Polizei geben einen Impuls, machen vor, wie es geht und weisen auf gefahren hin“, sagt Steffens. Weiter üben müssen die Vorschulkinder nun mit Mutter und Vater. Dann kommen sie im Herbst auch sicher in die Schule.

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