Kindertagesstätte „Zauberkiste“: Erwachsene machen alles so kompliziert

Von: Sarah-Lena Gombert
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Die Kinder der Stolberger Kita „Zauberkiste“ haben am Freitag ihren „Baum der Inklusion“ an Paul Schäfermeier und Lukas Franzen von der Stolberger Stadtverwaltung übergeben. Bis zur Teilhabekonferenz im Juni wird das kunterbunte Kunstwerk im Rathaus zu sehen sein. Foto: S.-L. Gombert
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Respekt: Auf kleinen Herzen haben die Kinder und ihre Familien aufgemalt, was sie mit dem Stichwort „Inklusion“ verbinden. Foto: Gombert

Stolberg. Wege entstehen, indem man sie geht. Ob groß, ob klein, alle können Freunde sein. Respekt: Auf den kleinen, bunt bemalten oder beklebten Herzen, die den „Baum der Inklusion“ schmücken, stehen lauter Dinge, die die Kinder der Kindertagesstätte „Zauberkiste“ und ihre Familien mit dem Thema Inklusion verbinden.

 Damit haben sie ihren Beitrag zur Inklusions-Mitmach-Aktion der Stadtverwaltung geleistet, die noch bis Anfang Juni dieses Jahres läuft und dann in einer großen Teilhabekonferenz mündet. Lukas Franzen und Paul Schäfermeier von der Stadtverwaltung haben den Baum jetzt in der Kita abgeholt, um ihn im Rathaus auszustellen.

„Bei uns spielt Inklusion eigentlich schon immer eine große Rolle. Schon viel länger als es dieses Wort in der politischen Diskussion gibt!“, sagt Barbara Becker, Leiterin der Kindertagesstätte „Zauberkiste“. „Bei uns gab es schon immer viele verschiedene Kinder. Verschieden, weil sie aus unterschiedlichen Nationen kommen, oder weil die Eltern einen ganz verschiedenen finanziellen und sozialen Hintergrund haben.“

Auch Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen nimmt das Kita-Personal an der Zweifaller Straße gerne auf. Denn gerade für kleine Kinder, so Barbara Becker, ist Inklusion gar kein Problem: „Kinder haben da eine wunderbare Unbedarftheit. Den Kleinen ist es egal, wie der andere aussieht, und ob er perfekt Deutsch kann. Das Problem mit der Inklusion, das haben vor allem wir Erwachsenen.“

Einen Begriff Leben füllen

Und damit ist Barbara Becker mitten im Thema von Lukas Franzen, der seit vielen Monaten am Aktionsplan Inklusion für die Stadt Stolberg arbeitet. „Inklusion ist ein abstrakter Begriff, den man erklären muss“, findet Lukas Franzen. Ziel der Stadt sei es nicht, den Menschen in Stolberg einfach eine Definition vorzusetzen, sondern gemeinsam den Begriff so zu prägen, wie er für die Stadt passt. Mit Leben zu füllen, so wie die Kinder aus der „Zauberkiste“ das mit ihrem Baum gemacht haben.

Darum ist der städtische Inklusionsbeauftragte mit vielen Schulen, Kindergärten, Verbänden, Vereinen und anderen Institutionen in Kontakt. „Wir hören uns an, was aus Sicht der einzelnen Akteure in Stolberg schon ganz gut funktioniert, und wo es vielleicht noch hakt.“

Die Ideen, die bereits gesammelt wurden und in den kommenden Monaten noch bei der Stadt aufschlagen, sollen dann auf einer Teilhabekonferenz im Juni vorgestellt und diskutiert werden. „Das können ganz praktische Anregungen sein“, erklärt Paul Schäfermeier vom städtischen Sozialamt. Es habe bereits Vorschläge gegeben, bestimmte Gebäude in der Stadt barrierefrei zu gestalten oder eine Ampelanlage so zu schalten, dass sie für Fußgänger besser nutzbar ist. „Bei den Vorschlägen wollen wir den Bürgern und Institutionen erst einmal gar keine Grenzen setzen“, sagt Lukas Franzen. Das bedeutet, dass aus Sicht der Verwaltung der Inklusionsbegriff viel weiter zu fassen ist als nur im Bildungsbereich – auch wenn das gerade die politische und die öffentliche Debatte bestimmen mag.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

„Wohnen und Arbeiten sind für viele Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung auch sehr wichtige Themen“, hat Franzen beispielsweise in Gesprächen mit jungen Stolbergern erfahren, die in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. „Sie wollen möglichst selbstständig sein. Sie wollen mitreden. Und sie wollen auch gerne eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben“, sagt der Inklusionsbeauftragte. Darum seien auch die vielen Stolberger Unternehmen gefragt, wenn es um das Thema inklusive Arbeitswelt geht.

Das, was die städtischen Mitarbeiter in den kommenden Monaten sammeln, und was auf der Teilhabekonferenz erarbeitet wird, soll in der zweiten Jahreshälfte den politischen Gremien der Stadt vorgelegt werden: „Die Politik entscheidet dann auf Basis unserer Ergebnisse, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen, um die Inklusion in der Stadt voranzubringen“, erklärt Paul Schäfermeier.

Bis es soweit ist, sollen aber alle Menschen, die wollen, auch die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen – mit einem gebastelten Baum, wie in der „Zauberkiste“, zum Beispiel. Wer sich nicht ganz so viel Arbeit machen möchte wie die Kinder und ihre Familien, der kann auch einfach das persönliche Gespräch suchen.

Das Thema wird auch in der Sitzung des Sozialausschusses am Dienstag, 14. Februar, behandelt.

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