Kindern ein neues Zuhause bieten

Von: Michael Grobusch
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Erziehungsstellen sollen Kinde
Erziehungsstellen sollen Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förder- und Betreuungsbedarf ein neues Zuhause in einem familiären Rahmen bieten. Der SkF Stolberg verzeichnet einen steigenden Bedarf. Foto: imago

Stolberg. Die Begrifflichkeit lässt zunächst mal einige Fragen offen. „Erziehungsstellen” können für den Laien viel oder auch ganz wenig bedeuten. Für den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) bedeuten Erziehungsstellen in jedem Fall sehr viel. Und sie stehen derzeit weit oben auf der Prioritätenliste.

Denn der Sozialverband will die Kapazitäten vergrößern, um den steigenden Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für betreuungsintensive Kinder in Pflegefamilien decken zu können.

Dies zu erreichen, ist keinesfalls leicht. Schließlich erfordert eine Erziehungsstelle ganz besondere Qualifikationen von den Erwachsenen - weil sie eine nicht minder besondere Herausforderung erwartet. „Die Kinder, die vermittelt werden sollen, sind zum Teil massiv gestört oder sogar geschädigt in ihrer Entwicklung”, weiß Kornelia Stöcker aus langjähriger (Berufs-)Erfahrung. „Für sie suchen wir in der Regel einen dauerhaften Bezugsrahmen in einer Familie, in der sie ihren Lebensplatz finden können.”

Die Leiterin des SkF-Agnesheimes steht in engem Kontakt mit Edeltraud Krieweth. Die Sozialpädagogin ist gemeinsam mit ihrer Kollegin und Sozialarbeiterin Monika Capellmann im „Fachdienst für Erziehungsstellen” des Heimes tätig und somit ständige und dauerhafte Begleitung sowohl der Kinder als auch der Familien, in denen sie aufgenommen worden sind bzw. aufgenommen werden könnten.

Im Auftrag des Jugendamtes

Tätig wird der Fachdienst im Auftrag des Jugendamtes. Anfragen kommen vornehmlich aus Stolberg. Aber auch auswärtige Stellen, die über keinen eigenen Fachdienst verfügen, werden beim SkF vorstellig. Mit der Anfrage beginnt für Edeltraud Krieweth die Arbeit. „Ziel ist es, für das Kind und seine spezifischen Voraussetzungen die passende Erziehungsstelle zu finden.

Die Familien erhalten möglichst viele Informationen über das Kind, die Situation, auf die sie sich einstellen müssen, und die begleitenden Hilfen, die erforderlich sind”, berichtet Krieweth. Stimmen beide Seiten zu, kommt es zu einer ersten Kontaktaufnahme, die bei positiver Resonanz wiederholt und vertieft wird. Am Ende steht dann die dauerhafte Aufnahme in der Familie. „Eine Heimgruppe ist immer das letzte Angebot in der Hilfskette. In einer Familie sind Kinder besser aufgehoben”, betont Kornelia Stöcker.

Gleichwohl ist eine zwischenzeitliche Unterbringung in einem Heim nicht selten der Aufnahme in einer Familie vorgeschaltet. „Die Kinder sind oftmals sehr belastet. Für sie wird der Übergang dadurch vereinfacht.” Dabei ist das - auch innere - Einverständnis der leiblichen Eltern von erheblicher Bedeutung. „Die Kinder spüren, wenn die eigenen Eltern die Unterbringung in einer anderen Familie ablehnen, weil sie in einem Loyalitätsverhältnis zu ihnen stehen”, erklärt Stöcker. Ohne Zustimmung und Überzeugung ist es für die Kinder besonders schwer.”

Immerhin aber ist beides in den meisten Fällen gegeben. Viele Eltern erkennen die eigene Überforderung, die aus ihrer Lebenssituation oder dem besonderen Betreuungsbedarf ihres Kindes resultiert. Das kann bereits nach einigen Monaten der Fall sein, oder aber sich im Laufe der Jahre entwickeln. „Wir vermitteln Kinder vom Säuglingsalter bis zu 15 Jahren2, nennt Edeltraud Krieweth die Spanne. Die meisten Übergänge in eine Erziehungsstelle finden im Alter von sechs bis zwölf Jahre statt.

Familien, Paare und Einzelpersonen, die Erziehungsstelle werden möchten, müssen eine pädagogische, heilpädagogische oder psychologische Ausbildung vorweisen können. „Darüber hinaus sind die Bereitschaft zur Förderung des Kindes oder Jugendlichen, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Fachdienst, Jugendamt und der Herkunftsfamilie, eine ausreichende finanzielle Absicherung und die erforderlichen räumlichen Gegebenheiten elementare Voraussetzungen”, beschreibt Edeltraud Krieweth das Anforderungsprofil. „Im Gegenzug bietet der SkF nicht nur eine fachliche Vorbereitung und Unterstützung im Entscheidungsprozess, sondern auch eine kontinuierliche Beratung im Erziehungsalltag.”

Der Bedarf ist groß, und er wächst. „Wie brauchen einen Pool von Leuten, auf den wir zurückgreifen können, um die passende Erziehungsstelle für das jeweilige Kind zu finden”, erklärt die Sozialpädagogin. „Leider haben wir seit längerer Zeit viele Anfragen, aber wenige Familien.”

Deshalb soll der besagte Pool nun vergrößert werden. Potenzielle Interessenten möchte Edeltraud Krieweth ermuntern, sich beim SkF zu melden. „Eine lange Reise beginnt immer mit dem ersten Schritt.”
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