Stolberg - Kinderbetreuung: Stadt will sich noch besser aufstellen

Kinderbetreuung: Stadt will sich noch besser aufstellen

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Hoffen, dass Stolberg bald noch mehr Tagesmütter besitzt: Tagesmutter Britta Steudel, Ulrike Bergmann und Helene Pütz von der Abteilung Kindertagespflege der Stadt und Sebastian Heyn, Leiter Sozialpädagogische Sonderdienste der Stadt Stolberg (von links).

Stolberg. Die gute Nachricht vorweg: In Sachen Kinderbetreuung ist Stolberg derzeit gut aufgestellt. Tagesmütter und Kindertagesstätten sorgen dafür, dass der Bedarf gedeckt werden kann, sagt Sebastian Heyn, Leiter der Abteilung Sozialpädagogische Sonderdienste der Stadt Stolberg. Trotzdem sucht die Verwaltung in diesen Tagen nach neuen Tagespflegepersonen.

Ist das nicht ein Widerspruch? Nein, sind sich Heyn und seine Kolleginnen Ulrike Bergmann und Helene Pütz von der Abteilung Kindertagespflege sicher. „In der Bedarfsplanung herrscht nie Stillstand. Wir wollen für die Zukunft gewappnet sein, damit wir dann auch noch genug Betreuungsplätze vorhalten können“, sagt Heyn.

Ein Grund dafür: Nicht nur die Zahl der Geburten (500 in 2016), sondern auch die Anzahl der 0- bis Dreijährigen (2020 Kinder in 2016) sowie die der Vier- bis Sechsjährigen (1487 Kinder in 2016) steigt laut dem Statistischen Jahresbericht der Stadt an. „Wir verzeichnen einen immer größeren Bedarf an U3-Plätzen und dabei ist die Tagespflege eins von unseren Standbeinen“, sagt Heyn.

Er und seine Kolleginnen haben die Erfahrung gemacht, dass Eltern mit Kleinkindern diese Betreuungsform gerne in Anspruch nehmen – aus verschiedenen Gründen. Die Betreuung durch eine Tagesmutter sei familienähnlich und biete für berufstätige Eltern oft eine flexiblere Betreuung, sagt Bergmann.

Momentan sind 34 Tagespflegepersonen in Stolberg tätig. Sie kümmern sich um 160 Kinder. Eine von ihnen ist Britta Steudel. Seit 2015 arbeitet sie als Tagesmutter und betreute bis zu vier Kinder in ihren eigenen vier Wänden. Ein Job, der Steudel großen Spaß macht. „Es ist eine schöne und abwechslungsreiche Tätigkeit“, sagt sie. Ihre eigenen Kinder seien ebenfalls von einer Tagesmutter betreut worden. „Wenn Eltern ihre Kinder zum ersten Mal zu einer anderen Person geben, ist das eine sehr emotionale Sache. Deshalb ist es wichtig, dass es eine offene Kommunikation zwischen den Eltern und der Tagesmutter gibt“, meint Steudel. Nicht nur die Betreuung der Kinder, sondern auch das Schreiben pädagogischer Konzepte gehört zu Steudels Aufgaben.

Vor zwei Jahren hat sie außerdem den Verein Tagespflegepersonen gegründet und ist dessen Vorsitzende. Sie steht nicht nur mit anderen Tagesmüttern in Kontakt, sondern befindet sich auch im regelmäßigen Austausch mit der Verwaltung. Dazu gehören auch Verhandlungs-Gespräche über die Konditionen. Was viele nämlich nicht wissen: Die Tagesmütter werden von der Verwaltung bezahlt. Eltern wiederum zahlen den Beitrag für die Betreuung an die Stadt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Nachwuchs von der Tagesmutter oder in der Kita betreut wird. Ein Platz in der Kindertagespflege ist genauso teuer wie ein Platz in einer Kita hinsichtlich der zu leistenden Beiträge für Eltern“, sagt Sebastian Heyn. Natürlich seien für die Verwaltung beide Betreuungsformen auch gleichbedeutend.

Die aktuelle Bertelsmann-Kita-Studie, die Anfang der Woche erschien (wir berichteten), sieht das allerdings anders. Gerade hoch verschuldete Städte scheuen oft die Investitionen in feste Kindertagesstätten und suchen stattdessen Tagesmütter, weil sie so das wirtschaftliche Risiko und das Stellen der Räume auf diese Einzelpersonen abwälzen können, ist darin zu lesen. Britta Steudel machen diese Ausführungen wütend. „Bei dieser Studie hat man das Gefühl, dass es nur um das Geld geht. Das ist in Stolberg nicht so. Die Qualität steht im Vordergrund.“

Auch Sebastian Heyn distanziert sich von diesen Ausführungen. „Jedes Kind ist anders und jeder Bedarf ist anders. Genauso wie jede Kita ihr eigenes Profil hat, hat auch jede Tagesmutter ihr eigenes Profil. Es ist wichtig das zu finden, was zum Kind passt“, sagt Heyn. Nicht nur die Kindertagespflege wolle die Stadt ausbauen. Auch Ausbau- und Umbaumaßnahmen in einigen Stolberger Kindertagesstätten stehen in Zukunft auf dem Programm. In der katholischen Einrichtung in der Atsch konnten zum 1. August 22 neue U3-Plätze geschaffen werden. In den kommenden Jahren soll ein Neubau in der Schneidmühle errichtet werden. Und auch für einen Neubau auf dem Donnerberg gebe es bereits Pläne.

Im Kinder- und Jugendausschuss, der in der kommenden Woche tagt, steht der Ausbau einer weiteren Einrichtung auf der Tagesordnung: der Kindertagesstätte in der Foxiusstraße. Vor elf Jahren übernahm das Jugendamt die Trägerschaft für die dreigruppige Kita der Kirchengemeinde St. Lucia in Münsterbusch. Ursprünglich war der Vertrag zwischen der Kirchengemeinde und der Verwaltung für zehn Jahre angelegt, die Laufzeit wurde inzwischen um weitere zehn Jahre verlängert. Der aktuelle Nutzungsvertrag sieht vor, dass die Verwaltung sich um die Instandhaltung der Immobilie sowie Reparaturen an dem Gebäude und Außenanlagen kümmert. Wobei eine Nutzungsentschädigung für die Überlassung der Kindertagesstätte seitens der Stadt an die Kirchengemeinde nicht vorgesehen ist.

In der Kindertagesstätte werden derzeit insgesamt bis zu 70 Kinder – davon bis zu sechs U3-Kinder –betreut. Die Räume der in den 1960er Jahren erbauten Einrichtung entsprechen allerdings nicht mehr den aktuellen Anforderungen. So fehlen beispielsweise Gruppennebenräume, ein ebenerdiger Bewegungsraum sowie ein Personalraum.

Seitens des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) seien die Umbaumaßnahmen dringend erforderlich, ist in den Ausschussunterlagen zu lesen. Der weitere Betrieb unter den derzeitigen Voraussetzungen werde nur noch als Bestandsschutz vorübergehend geduldet.

Nach Lösungen suchen

Die Verwaltung hat gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Lucia, die Eigentümerin ist, Lösungen gesucht. Damit die Kita weiterhin als dreigruppige Einrichtung betrieben werden kann, müssen verschiedene Baumaßnahmen umgesetzt werden: So sollen drei Gruppennebenräume mit jeweils mindestens 18 Quadratmetern, ein Raum zur allgemeinen Differenzierung – zum Schlafen, Ruhen oder Spielen – von mindestens 20 Quadratmetern, ein zusätzliches WC und ein Bewegungsraum von rund 50 Quadratmetern entstehen. Außerdem sollen die anderen Räume modernisiert und an die heutigen Standards angepasst werden.

Wann die Arbeiten starten können, steht derzeit noch nicht fest. Nach internen Beratungen will die Kirchengemeinde die Investitionen, laut den Sitzungsunterlagen, übernehmen. Somit soll nach dem Umbau ein Mietverhältnis zwischen der Kirchengemeinde und der Verwaltung entstehen. Die Konditionen und vertraglichen Rahmenbedingungen sollen im nicht öffentlichen Teil der Sitzung besprochen werden.

Doch nicht nur in den Kindergärten soll die Qualität der Betreuung – so wie in der aktuellen Bertelsmann-Studie gefordert – steigen. Auch für die Stolberger Tagesmütter spielt das Thema eine wichtige Rolle. Ab Oktober startet ein neuer Zertifizierungslurs für Tagespflegepersonen, den die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Helene-Weber-Haus anbietet (siehe Infobox). Dieser umfasst insgesamt 300 Unterrichtsstunden. Bisher waren es 160. „Wir wollen natürlich auch gut schulen und so wurde im Laufe der Jahre die Stundenzahl weiter erhöht“, sagt Bergmann.

Mindestvoraussetzungen

Vor der Teilnahme an dem Zertifizierungskurs werden in einem ersten Gespräch die Mindestvoraussetzungen besprochen. Wer Tagesmutter werden möchte muss mindestens 18 Jahre alt sein, in Stolberg wohnen und mindestens einen Hauptschulabschuss besitzen. Nach Abschluss des Kurses, der mit einer Prüfung endet, kann man beim Jugendamt die Pflegeerlaubnis beantragen. Bevor es richtig losgeht, prüfen die Mitarbeiter dann noch, ob die Wohnung auch kindgerecht und sicher ausgestattet ist. Künftig soll es auch für die Tagesmütter in Stolberg, die 160 Unterrichtsstunden absolviert haben, möglich sein, sich weiter zu qualifizieren.

„Wir sind froh, dass wir so viele gute Tagesmütter in Stolberg haben, aber brauchen noch weitere gute“, bringt Sebastian Heyn die Situation auf den Punkt. Er, seine Kolleginnen Ulrike Bergmann und Helene Pütz sowie Britta Steudel hoffen, dass sich bald noch mehr Stolberger für den Beruf interessieren.

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