Stolberg - Kinder- und Jugendpsychiatrie: Eröffnung kann gefeiert werden

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Eröffnung kann gefeiert werden

Von: Kolja Linden
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Noch herrscht hier Baubetrieb: Am 25. Januar aber wird im Rolandshaus die Institutsambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie ihre Pforten öffnen - mit Blick auf die Tagesklinik (Bildhintergrund). Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Als an Weihnachten 2006 die Plätze der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Aachener Uniklinikum überquollen und die Wartezeit für eine Aufnahme auf acht Monate angestiegen war, musste Beate Herpertz-Dahlmann handeln.

Die Professorin und Leiterin der in der Region einzigen Klinik dieser Art suchte einen Partner im Kreis Aachen und fand mit Thomas Schellhoff, dem Verwaltungsdirektor und heutigen Geschäftsführer des Bethlehem-Krankenhauses, schnell einen Mitstreiter für ihr Projekt.

Der Bedarf für eine weitere Institutsambulanz in der Städteregion ist enorm. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin haben heute rund 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland eine manifeste psychische Krankheit, Tendenz steigend: „Bis zum Jahr 2020 werden die neuronalen psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen um 50 Prozent zunehmen”, prognostizierte die Professorin am Mittwoch beim Neujahrsempfang des Bethlehem-Krankenhauses im Rolandshaus.

„Legt man die Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu Grunde, dann sind im Gebiet des ehemaligen Kreises Aachen mindestens 6000 Kinder und Jugendliche nicht versorgt”, so Herpertz-Dahlmann weiter. Weitere 6000 bedürften zumindest einer Beratung.

Zwar wurde 1998 die stationäre Versorgung am Aachener Uniklinikum aufgebaut, deren Kapazität würde der Häufigkeit von Erkrankungen aber nicht gerecht. In der Städteregion sei die Situation noch schlimmer: „Es gibt keinen niedergelassenen Arzt auf dem Gebiet, keine Ambulanz, keine stationären Plätze.”

So erschreckend die Zahlen sind, so lange hat es letztlich dennoch gedauert, die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Stolberg zu installieren. Die Bezirksregierung wollte überzeugt werden, ebenso das NRW-Gesundheitsministerium, dazu war die Kostenfrage zu klären. Auf einen „langen und mühsamen Weg”, blickte Herpertz-Dahlmann denn auch am Mittwoch zurück, dennoch scheint sich die Anstrengung und Überzeugungsarbeit, die sie und Schellhoff geleistet haben, gelohnt zu haben. Das Ergebnis ist jedenfalls besser als erhofft: Neben einer Institutsambulanz gibt es nun auch eine Tagesklinik.

Am kommenden Montag, 18. Januar, wird Eröffnung gefeiert, ab dann können dort, im alten Goethe-Gymnasium am Kaiserplatz, neun Kinder und Jugendliche betreut werden. „Und zwar unter den gleichen optimalen Bedingungen wie im Uniklinikum Aachen, mit Ärzten, Psychologen, Therapeuten und Lehrern”, so Herpertz-Dahlmann. „Die Räume sind wunderschön geworden.”

Der Ausblick auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie war aber nicht das einzig Positive beim Neujahrsempfang des Krankenhauses. „Von Wirtschaftskrise im Gesundheitswesen keine Spur”, konstatierte Geschäftsführer Thomas Schellhoff in seiner Begrüßungsansprache ein Jahr des Wachstums. 2009 hatte das Bethlehem-Krankenhaus nach seinen Angaben mehr Mitarbeiter als je zuvor. Zwar seien im vergangenen Jahr nicht alle Ziele erreicht worden (auch nicht die für den Sommer vorgesehene Eröffnung der Kinder- und Jugendpsychiatrie), dennoch sei es ein gutes und erfolgreiches Jahr gewesen.

Neben der Umwandlung des kirchlichen Krankenhausbetriebs in eine gemeinnützige GmbH nannte Schellhoff vor allem das gewachsene operative Spektrum und natürlich die Baufortschritte an der Steinfeldstraße. „Unser Krankenhaus erhält nach wie vor ein neues Bühnenbild - bei laufender Vorstellung und vollem Haus.” Im ersten Quartal dieses Jahres sei aber der erste Bauabschnitt abgeschlossen und das Bettenhaus könne endlich wieder normal betrieben werden. Es folgt noch der Ausbau der Zentralambulanz”, sagte Schellhoff. „Den werden unsere Patienten aber nicht mehr als schlimm empfinden. Es wird deutlich ruhiger im Haus.”

Mit Blick auf 2010 steht auch für Schellhoff der Höhepunkt bereits unmittelbar bevor: die Doppeleröffnung der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Nur eine Woche nach der Tagesklinik am Kaiserplatz nimmt nämlich am 25. Januar die Institutsambulanz ihre Arbeit auf, die im Rolandshaus untergebracht ist. Dort finden dann die ärztliche und psychologische Diagnostik und Therapie statt.

Wichtig ist den Initiatoren dabei die enge Verzahnung mit anderen Einrichtungen des Krankenhauses, vor allem der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin von Dr. Heiner Kentrup. Schließlich haben betroffene Kinder oft zusätzlich noch somatische, also körperliche Erkrankungen. Der Bedarf, man sieht es, ist groß.
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