Keller und Straßen werden überschwemmt

Von: Jürgen Lange
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In Schevenhütte trat das Lamersiefen über die Ufer, überschwemmte die Fahrbahn und ließ Keller volllaufen. Besonderer Problempunkt ist der Durchlass oberhalb des Ortseingangs, den die Stadt von 400 auf 1000 Millimeter erweitern will. Foto: R. Roeger
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In der Unterführung des Hauptbahnhofs kann die eigens installierte Pumpe der Wassermassen nicht Herr werden, die Feuerwehr hilft aus. Foto: Roeger
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Der Fischbach in Vicht sorgt wie bereits beim schweren Hochwasser im Juli 2014 für Probleme und fließt über die Fahrbahn in Keller. Foto: Roeger

Stolberg. Für die Einstimmung auf eine lange Nacht sorgen bereits am frühen Nachmittag Ölspuren: Schevenhütte, Mausbach, Breinigerberg, Donnerberg und Altstadt – in der Regel sind sie schon vor dem zunehmenden Regen auf der Fahrbahn, aber das Wasser macht sie mit dem typischen Schimmern in Regenbogenfarben sichtbar.

„Dann rufen die Leute uns an“, sagt Michael Konrads: „Mehrere Kilometer“, so der Sprecher der Stolberger Feuerwehr, sind es am Nachmittag des Montags, die Kräfte der Hauptwache und der Löschgruppe Donnerberg bis zum Abend hin beschäftigen.

Ein fünfjährliches Ereignis

Dann wird der Regen stärker. Und das sehr unterschiedlich: im Stolberger Norden weniger als im Süden. An der Kläranlage Steinfurt misst am Montag der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) 35,1 mm/m2 für den Tag; zwischen 19.30 und 20.30 Uhr fallen davon 7,1 mm/m2. „Das ist weniger als ein einjährliches Ereignis“, erklärt WVER-Sprecher Marcus Seiler. Anders sieht die Welt da schon an der Wehebachtalsperre aus. Dort werden 64,7 mm/m2 für den Tag gemessen; und in der Spitzenstunde regnet es 25,5 mm/m2. „Das ist bereits mehr als ein fünfjährliches Ereignis“, so Seiler.

„Da facto ist das aber gravierender, als es sich anhört“, relativiert Bernd Kistermann. Weil nach den Regenfällen der vergangenen Tage der Boden gesättigt ist und kaum noch zusätzliche Niederschläge aufnehmen kann, „fließt wesentlich mehr Wasser in die Bäche und Kanäle als normal“, erklärt der städtische Amtsleiter für die technische Infrastruktur. „In der Regel geht man aber nur von zehn Prozent aus“, sagt Kistermann weiter, dass die auf drei- bis fünfjährliche Ereignisse ausgelegte Kanalisation diesen Starkregen und das aus Wald und Feld abfließende Wasser nicht mehr fassen kann.

Das macht sich am Montag zuerst im Tiefental zu einer Zeit bemerkbar, zu der in Büsbach der Starkregen bereits nachlässt. Um 20.10 Uhr wird die Feuerwehr alarmiert, die mehrere verstopfte Einläufe von herbeigeschwemmtem Laub und Schlamm befreit, damit der Regen wieder von der Straße in den Kanal einlaufen kann. Dann geht es Schlag auf Schlag.

Um 20.24 Uhr rückt der 5. Zug mit den Löschgruppen Schevenhütte, Gressenich und Werth zu Nideggener Straße und „Lamersiefen“ aus. Eben dieses Siefen tritt über seine Ufer und flutet die gleichnamige Straße. Es sind gewaltige Wassermassen, die aus dem Gressenicher Wald in dieses normalerweise harmlose Rinnsal strömen. Mitgeführtes Laub, Äste und Schlamm verstopfen dabei die Durchlässe – vor allem die Verrohrung im Ortseingangsbereich, wo das Siefen die Straße unterquert. Keller in der Nachbarschaft laufen voll. Die Feuerwehr setzt Pumpen ein und baut mit Sandsäcken Deiche um die Häuser und versucht, so dem Wasser einen ungefährlicheren Weg zu bahnen. Betroffen ist auch Haus Nr. 7, wo auch an der Gartenseite vor der Verrohrung zur Einmündung in den Wehebach das Wasser über die Ufer tritt.

Beide Problempunkte hat die Stadt bereits im Blick. Der Durchlass des Siefen in der Straße sowie oberhalb vor der Siedlung Bend sollen von 400 auf 1000 Millimeter vergrößert werden, weil sie hydraulisch überlastet sind. Im Februar hat der Bauausschuss beschlossen, die Ausschreibung anzulassen. Der Landschaftsbeirat der Städteregion hat dem Vorhaben jüngst zugestimmt. „Wir erwarten kurzfristig die Genehmigung der Unteren Wasserbehörde“, sagt Tobias Röhm und avisiert die Ertüchtigung für diesen Herbst. Der Technische Beigeordnete hat bereits mit dem WVER den zweiten Problempunkt behandelt, den Ratsherr Toni Grendel auf besagter Ausschusssitzung angesprochen hat: die Verrohrung bei Haus Nr. 7. „Der WVER untersucht nun die hydraulische Lage“, so Röhm. Sobald die Daten vorliegen, werde die Stadt mit der Planung beginnen können.

Doch auch der Fischbach in Vicht, der zuletzt beim Hochwasser im Juli 2014 für immense Schäden gesorgt hat, macht sich am Montag wieder bemerkbar. Im unteren Teil der Fischbachstraße entwickelt sich sein kleiner Lauf zu einem reißenden Strom und überspült die Fahrbahn. Oberhalb sucht sich das Wasser vom „Kluckenstein“ bergab seinen Weg über die Fahrbahn und durch Keller und Garage eines Wohnhauses. Auch im Kanal staut sich Wasser zurück und tritt über einen Einlauf wieder aus. Mit Pumpen und Wassersäcken versucht die Feuerwehr, Herr der Lage zu werden.

Ebenso der Fischbach ist im Visier des WVER, der beim Hochwasser vor zwei Jahren auf sein Gefahrenpotenzial aufmerksam geworden ist. Erstmals werden hydraulische Daten für den etwa drei Kilometer langen Bachlauf, der nahe Süssendell entspringt, erhoben. Abmessungen und Pegelstände liegen nun zwar vor, aber Topographie und schwere Zugänglichkeit des zwischen Bebauung und schwer zugänglicher Natur eingezwängten Bachlaufs erschwerten die Planung von Gegenmaßnahmen.

Um 22 Uhr rückt die Löschgruppe Atsch zum Hauptbahnhof aus, wo die Unterführung zum Mittelbahnsteig wieder überschwemmt ist. Die vor wenigen Monaten eigens für das Wasser, von dem niemand weiß, wo es herkommt, installierte Pumpe wird der Massen nicht Herr. Die Feuerwehr hilft mit ihren Geräten weiter, bis die Pumpe es wieder alleine schafft. Am Morgen ist die Lage unter Kontrolle. Ab Oktober weicht die Unterführung dem Treppenturm des „Skywalks“.

Auf der Mulartshütter- und der Nideggener Straße säubert die Feuerwehr den groben Dreck von der Fahrbahn. Den Feinschliff übernehmen Kehrmaschinen der Firma Gebrüder Kutsch. Sie ist es auch, die mit einem Radlader die Derichsberger Straße von Schlamm und Geröll befreit.

Bis tief in die Nacht sind die Helfer im Einsatz. Auch im benachbarten Roetgen, wo unter anderem die L 238 in Mulartshütte sowie zwischen Roetgen und Rott gesperrt wird.

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