Keine Zeit zum Ausruhen auf der Strohmatte

Von: Jürgen Lange
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Der Stolberger Hauptbahnhof bleibt bis Anfang 2012 ihre Baustelle: Architekt Ralf Krott und EVS-Projektleiterin Ingrid Eisenburger. Foto: J. Lange

Stolberg. Überraschungen erlebt man oft auf dem Bau; insbesondere wenn man ältere Gebäude saniert, und erst recht wenn es sich um ein geschichtsträchtiges Bahnhofsgebäude handelt. Da sind Überraschungen vorprogrammiert.

Doch bis jetzt halten sich die unerwarteten Funde in Grenzen, sorgen mehr für ein Schmunzeln bei Ingrid Eisenburger und Ralf Krott als für Entsetzen.

Grund zum Staunen hatten die Projektleiterin der EVS für den Umbau des Hauptbahnhofs und der Architekt jedenfalls schon genug. Etwa über den mit Stroh gefüllten Schlafsack, der noch in einer Ecke der Mansarde des Hauptgebäudes lag, das im legendären Drei-Kaiser-Jahr 1888 errichtet wurde.

Drei Millionen Euro investiert der Stolberger Infrastrukturbetreiber in die Modernisierung des 122 Jahre alten Objektes. Ärgerlicher ist es dann, wenn in Trennwänden jüngeren Datums noch unentdeckte Wasserleitungen gekappt werden und kurzzeitig für die Nachbarn im DB-Stellwerk die Versorgung abgestellt werden muss.

Jede Menge Schutt und Gerümpel vergangener Zeiten werden in diesen Tagen aus dem Hauptbahnhof geräumt, um ihn dafür herzurichten, was er schon einmal gewesen war: Die repräsentative Adresse für das große Drehkreuz regionaler und überregionaler Verkehrsströme auf der Schiene.

Davon zeugen auch noch die hohen Jugendstildecken im Parterre, die unter den abgehangenen Decken zum Vorschein kommen. Oder der schwere alte Tresor, der mit einer Mischung aus Kraft und Fingerspitzengefühl auf Hubwagen aus dem Weg geräumt wurde. Und auch in den Räumen auf der ersten Etage die feingliedrige klassische Fachwerkkonstruktion, die in vermeintlichen Trennwänden entdeckt wird.

„Das müssen wir erst einmal statisch prüfen”, räumt Eisenburger ein. Denn trotz visionären Blicks für romantische Wohnungszuschnitte muss das Fachwerk weg. Hier wird zukünftig die Betriebszentrale der Stolberger EVS der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, residieren und über ein rund 100 Gleiskilometer umfassendes Streckennetz vom Nordkreis bis zur Eifel, von Belgien bis Langerwehe wachen.

Ein halbes Stockwerk tiefer im Seitentrakt findet das zentrale Stellwerk seinen Platz - genau im Knotenpunkt der drei Strecken nach Heerlen, nach Langerwehe sowie in die Stolberger Altstadt mit der Option, die Route bald bis Breinig und darüber hinaus über Wahlheim in Richtung Belgien zu reaktivieren.

Und in Richtung Düren hofft die EVS mit einem dritten Gleis weitere Kapazitäten zur Beförderung und direkten Anschluss an das Streckennetz der Dürener Kreisbahn zu schaffen. Auch solche Visionen würden bei einer Realisierung vom Stolberger Hauptbahnhof aus geschaltet, aber der wird bis Anfang 2012 erst einmal Baustelle bleiben.

Das Gebäude wird entkernt, die denkmalgeschützte Fassade von innen gedämmt, ebenso wie der gut erhaltene Dachstuhl, der neu eingedeckt wird. Nicht zuletzt muss jede Menge Technik installiert werden, damit beim weiteren Ausbau der Euregiobahn als nächstes der Ringschluss des Gleisnetzes zwischen Alsdorf und Stolberg vollzogen werden kann.
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