Keine Kneipen mehr: Vereine machen aus Schule Vereinslokal

Von: Ottmar Hansen
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Werth
Sanierungsbedürftig: Die alte Schule in Werth. Foto: O. Hansen

Stolberg. Aufatmen bei den Vereinen in Werth: Ihr Treffpunkt, die alte Schule, wird nicht abgerissen, sondern saniert. Allerdings werden die Werther bei dem Projekt selbst tüchtig mit anpacken müssen.

Das Gebäude der alten Schule erfüllt seit langem die Funktion eines Dorfgemeinschaftshauses. Nachdem auch die letzte Gaststätte in Werth geschlossen hatte, blieben nur noch die Räume der Schule für Vereinsaktivitäten. Die Schule ist seither die Heimat der ortsansässigen Clubs. Doch das Gebäude verfällt zusehends. Das Dach ist marode, es fehlt jegliche Isolierung. Im Winter liegt der Schnee auf dem Speicherboden. Die Fenster sind undicht. Risse ziehen sich durch die Wände. Im Toilettenraum fallen die Fliesen von der Wand. Die Installationen für Strom, Wasser und Abwasser entsprechen bestenfalls dem Standard der 60er Jahre. So ziehen sich noch alte Bleirohre durch die Räume.

Wann die Schule errichtet wurde, kann man im Rathaus selbst mit Hilfe des Archivs nicht genau datieren. Der Zeitpunkt lässt sich nur eingrenzen: 1918 wurde Werth, das vorher zu Gressenich gehört hatte, selbstständig. In der Zeit bis zum Jahr 1927 müssen dann Schule und Kirche errichtet worden sein.

Der Zustand ihres „Heimat“-Gebäudes machte den Ortsvereinen schon länger Sorgen. Zuletzt gab es sogar Befürchtungen, das Haus sei bei weiterem Verfall nur noch abzureißen. Zumindest in diesem Punkt konnten Vertreter der beiden Mehrheitsfraktionen von SPD und CDU die Bürger bei einem Ortstermin am Donnerstagabend beruhigen. Das Gebäude werde zumindest so weit saniert, dass es noch weitere Jahre zu nutzen sei, so das Versprechen von Hildegard Nießen (SPD), Axel Wirtz (CDU) und Dr. Tim Grüttemeier (CDU).

So soll vor allem das Dach saniert werden, neue Fenster müssen eingebaut werden. Die Installationen im Haus müssen modernisiert werden. Unter Umständen ließe sich im etwa 120 Quadratmeter großen Erdgeschoss auch ein großer, durchgehender Raum schaffen, in dem Karnevalsveranstaltungen, Hochzeiten oder eine Kinderkommunion gefeiert werden könnten. „Die Kosten werden sich im sechsstelligen Bereich bewegen“, schätzte Hildegard Nießen einmal vorsichtig. Eine Summe, die die klamme Stadt alleine nicht aufbringen kann.

Die Politiker setzen ihre Hoffnungen deshalb auf das Förderprogramm „Leader“, mit dem die Europäische Union im Verbund mit den Bundesländern den ländlichen Raum entwickeln will. Zuletzt wurden über dieses Programm zukunftsfähige Projekte mit Zuschüssen von 50 bis 60 Prozent der Kosten bedacht. Das Problem: Das aktuelle Leader-Programm läuft aus. „Wir müssen das neue Förderprogramm abwarten“, erläuterte Dr. Grüttemeier die Situation. Mit neuen Zuschussmitteln. Einen Großteil der Kosten müssten die Vereine allerdings durch Eigenleistung aufbringen.

Eine ehrenamtliche Arbeitsstunde pro Person werde im Leader-Programm mit 15 Euro angesetzt, so Grüttemeier. „Der Einsatz der Vereine würde den finanziellen Anteil der Stadt erheblich reduzieren“, rechnete auch Hildegard Nießen vor. Fest steht, dass möglichst schnell ein Konzept erstellt werden muss, das dann bei der Bewilligungsstelle für die Leadermittel eingereicht werden kann. Darin muss konkret aufgelistet sein, welche Eigenleistung möglich ist. Sollte es zu einem positiven Bescheid kommen, könne man womöglich im Jahr 2015 mit den Sanierungsarbeiten beginnen, so Nießen.

Die SPD-Politikerin setzt bei den Verhandlungen mit EU und Land auf die Unterstützung der örtlichen Landtagsabgeordneten. Axel Wirtz sagte seine Mithilfe gleich zu: „Viele Werther sind in dem Gebäude zur Schule gegangen. Das muss man erhalten.“ Bis es an die grundlegende Sanierung des Hauses gehen kann, soll die Stadt zumindest dafür sorgen, dass es ohne Gefahr genutzt werden kann. „Das sind ja positive Aussichten“, freute sich Heiner Schmidt, Vorstandsmitglied der KG Adler Werth. „Wir sind froh über das klare Bekenntnis der Politik zum Erhalt der alten Schule in Werth.“

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