Stolberg - Keine dicke Luft in Euregiobahn

Keine dicke Luft in Euregiobahn

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Auch von Aachen nach Paderborn und von Mönchengladbach nach Hamm können Reisende künftig ohne Umsteigen fahren. Foto: D. Müller

Stolberg. „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer”, fragt nach der Hitzewelle der letzten Wochen kaum einer mehr. Doch auch wenn tropische Temperaturen jenseits der 35 Grad Celsius derzeit angenehm sommerlichem Wetter gewichen sind: Die nächste Hitze kommt bestimmt.

Alleine die Aussicht darauf sorgt für große Verunsicherung bei den Bahnreisenden, machten jüngst insbesondere die ICE-Züge der Deutschen Bahn Schlagzeilen durch Totalausfälle der Klimaanlagen und Fahrgäste, die an Bahnhöfen oder sogar in Krankenhäusern medizinisch versorgt werden mussten.

Passagiere der Euregiobahn indes haben wohl keine „rollende Sauna” zu befürchten. „Bisher sind uns keine Störungen der Klimasysteme im Schienennahverkehr bekannt. Außerdem sind die Züge um ein Vielfaches weniger anfällig für die Klimaproblematik”, erklärt Torsten Nehring von der DB Regio. Der Düsseldorfer Bahnsprecher verweist auf die beiden Funktionen, die die Klimaanlagen in modernen Zügen erfüllen sollen. Natürlich regeln die Anlagen einerseits die Temperatur, stellen andererseits aber ebenso die Luftqualität sicher.

„Die Lokführer und Zugbegleiter achten verstärkt darauf, die Systeme nicht maximal zu beanspruchen, sondern die Temperatur in den Zügen lediglich um die empfohlenen sechs Grad im Vergleich zur Außentemperatur herunterzukühlen”, beschreibt Nehring. Dies gewährleiste eine längere Funktionstüchtigkeit der Klimaanlagen, die im Nahverkehr ohnehin weniger leisten müssten: „Da die Züge öfter halten und Passagiere häufiger ein- und aussteigen als bei einem ICE, findet mehr Luftaustausch statt, ohne dass die Klimaanlagen dafür arbeiten müssen.” Die Technik sei im Schienennahverkehr schlichtweg weniger gefordert und somit praktisch nie überfordert damit, die Temperatur und die Luftqualität im Sinne der Reisenden zu regulieren.

Dennoch denkt auch so mancher Fahrgast der Euregiobahn wehmütig zurück an die Zeiten, als man in einem Zug einfach das Fenster öffnete, um Frischluft hineinzulassen und sich mittels Fahrtwind Kühlung zu verschaffen. In modernen Zügen jedoch sind diese Zeiten vorbei. „Neuere Schienenfahrzeuge sind druckertüchtigt´, also gegen plötzliche Druckschwankungen geschützt”, erläutert Nehring.

Bei Tunnelfahrten mit hoher Geschwindigkeit oder wenn sich zwei Züge begegnen, treten Druckunterschiede im Fahrzeuginnern auf. Bei den Passagieren kann dieser Effekt zu Druckgefühlen, verschlossenen Ohrtrompeten, Hörschäden oder Ohnmacht führen. Deshalb stellen moderne Züge ein von äußeren Druckeinflüssen weitgehend unabhängiges System dar, das speziell isoliert ist und dessen Fenster sich nicht öffnen lassen.

Die „Talbot-Leichtbau-Niederflur-Triebwagen” (Talent) der Euregiobahn fahren meist mit einer Geschwindigkeit von unter 160 Kilometer pro Stunde. Ihre Fenster bleiben trotzdem geschlossen, denn auch sie sind „druckertüchtig” - aus gutem Grund. „Die Züge im Regionalverkehr sind größtenteils auf so genannten Mischstrecken´ unterwegs, das heißt die verschiedensten Schienenfahrzeuge, vom Güterzug bis zum ICE, können ihnen entgegenkommen”, weiß Nehring.

Begegnet etwa die 150 Kilometer in der Stunde schnelle Euregiobahn einem Hochgeschwindigkeitszug, der mit Tempo 250 Kilometer pro Stunde fährt, so addieren sich die Geschwindigkeiten auf gesamt 400 Kilometer pro Stunde.

Die Druckschwankung in einem nicht geschlossenen System wäre in einem solchen Fall enorm und die Gesundheit der Fahrgäste akut gefährdet.
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