Stolberg - Kaum Anzeichen für Hoffnung: Leerstand im Zeichen der Burg

Kaum Anzeichen für Hoffnung: Leerstand im Zeichen der Burg

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Zu wenig Geschäfte für Kunden oder zu wenig Kunden für Geschäfte? Nicht nur im oberen Steinweg fehlen immer mehr Kunden und Geschäfte.

Stolberg. „Herzlich willkommen” heißt es auf dem Kaiserplatz. Florian Tatzel, Franz Schwankerl und ihre Kollegen aus dem Chiemgau sind ganz bewusst aus Oberbayern nach Oberstolberg gekommen.

Noch bis zum Samstag werden sie mit ihrem Infomobil in der Innenstadt Marketing machen. Werbung für diese bayrische Urlaubsregion. Weil die Chiemgau-Touristiker unter den Stolbergern ein großes Potenzial an Urlaubsgästen wähnen.

Dass es mehr Stolberger in den Chiemgau als in die eigene Innenstadt lockt, ist zwar nicht belegt, aber das Potenzial in Oberstolberg schwindet zusehends. Wie ein Krebsgeschwür greift der Leerstand von Ladenlokalen immer weiter um sich. Auch im unteren Steinweg mehren sich die Anzeichen für die Schwierigkeiten der Fußgängerzone. Mittlerweile findet in mehr als der Hälfte der etwa 100 Ladenlokale kein Geschäftsbetrieb mehr statt; vor zwei Jahren war es noch gut ein Drittel.

Zwar sind im Umfeld des Rathauses Victor, Drogerie, Kohler, Nova, Sassella, Dohmen, Optiker, Metzger, Dekorationen, Bücherstube, Friseur, Eissalon und eine Handvoll gastronomischer Betriebe sowie Mediziner, Kanzleien, Sparkasse und Versicherungen noch eine sichere Bank für eine Kundenfrequenz, und einige Lokale locken mit Außengastronomie zum Verweilen, aber selbst hier greift der Leerstand um sich.

Weil im September Gemüsehändler Erdemir aus der Victor-Passage in das gegenüberliegende einstige Modegeschäft Fourne zieht, stehen gegenüber der Aldi-Filiale drei Lokale in der Passage leer. Das soll aber nicht so bleiben; Verhandlungen mit möglichen Folgemietern laufen bereits, heißt es im Hause Victor.

Doch im Umfeld stehen auch die Boutique an der Ecke Sonnentalstraße und hinter Victor das frühere Schuhgeschäft sowie der Handarbeitsladen leer, der auch nun nicht mehr als Ausstellungsgalerie genutzt wird; und gegenüber sind die wenigen Nachfolger von Toni Triskas Musikgeschäft nicht lange geblieben.

Apotheke wird zur Wohnung

Hinter der Kortumstraße ist die Situation vergleichbar. Sanitätshaus, Möbel Kaesmacher, Lederwaren Giesen, das Reformhaus und eine Spielhalle sind bis zur Mühlenstraße zu finden. Ein Maler(geschäft) nutzt ein kleines Schaufenster und Kaesmacher einen ehemaligen Geschenkeladen als Ausstellungslokal - in zurzeit sieben Schaufenstern ist das Stolberger Möbelhaus hier präsent.

Doch zwei Boutique-Lokale hinter frisch renovierter Jugendstilfassade stehen ebenso leer wie gegenüber das Hause Fister, wo einmal auf zwei Etagen Mode präseniert wurde; nur kurze Zeit folgte eine Billigkette. Heute sind Blätter und Unrat die einzigen Gäste im Entree; gerne würde die Sparkasse ihre Immobilie veräußern.

Nebenan lockt auch nur noch ein leeres Lokal, seitdem Stefan Herrenmoden vor eineinhalb Jahren schloss. Bleiben noch zwei leere Lokale in der früheren Apotheke, von denen ein junges Paar derzeit eins zu einer Wohnung umbaut, sowie die 140 qm leere Gewerbefläche, nachdem der Nachfolger von Blumen Barth Richtung Burg-Center umgesiedelt ist.

Häuserblock ohne Geschäft

Von der Mühlenstraße an wirkt der Weg in Richtung Burg nur noch traurig. Das Plakat, das im nächsten Schaufenster die Eröffnung eines Nagelstudios ankündigt, ist schon so alt, dass das avisierte „demnächst” schon längst wieder ebenso Vergangenheit ist wie im Nachbarhaus ein Geschäft.

Ein Secondhand-Laden grüßt noch an der Ecke Stielsgasse und davor seit einiger Zeit der Friseursalon „Er”, der seine Tradition auf der gegenüberliegenden Straßenseite gegründet hatte. Dort steht seine frühere Frisierstube seit dem Umzug ebenso leer wie der Ganze Block zwischen Wurstgasse und Mühlenstraße.

Im Geschäftshaus an der Ecke nutzt schon lange Künstler Hellmut Müller-Schafus ein Schaufenster für seine Bilder. Nebenan haben sich auf 84 qm weder Zoogeschäft, Kiosk noch Bistro lange gehalten. Und die guten Zeiten des benachbarten Schuhgeschäftes sowie des Vereinsbedarf sind schon längst nur noch bloße Erinnerung.

Ebenso traurig ist der Blick von der schmucken Brücke in der Wurstgasse: Ausgerechnet der Bachüberbau, in dem der Waschmittel- und Kosmetik-Konzern Dalli Mäurer + Wirtz seine erste Seife kochte und der bei jeder Nachtwächter-Führung zahlreichen Touristen präsentiert wird, sieht nicht sonderlich herausgeputzt aus und scheint nur noch als Rumpelkammer zu dienen. Vergebens wartet der geneigte Stolberg-Tourist auf eine Initiative für ein kleines, aber feines Werksmuseum über die Anfänge der Unternehmerfamilie.

Initiative ergriffen

Die Initiative ergriffen hatte auf der gegenüberliegenden Seite des Steinwegs vor einem Jahr ein Professor aus Aachen, der das Gebäude mit dem Zwiebelturm an der Ecke Stielsgasse sanierte. Ein Mieter für den Laden fehlt bis heute ebenso wie angrenzend drei Geschäftsräume an der Stielsgasse leer stehen. Früher konnte man hier einmal Haushaltswaren und nebenan frisch gemahlenen Kaffee kaufen. Auf Kosmetik, Grafikern und Kiosk folgte auch nebenan im Parterre am Steinweg der Leerstand.

Neues Leben eingekehrt ist im Nachbarhaus, wo nach Wirte-Legende „Sterns Jupp” jüngst ein Restaurant mit Shisha-Bar eröffnet hat. Daneben stehen drei frühere Boutiquen schon jahrelang leer.

Dann hat der Besucher noch einmal eine Möglichkeit einzukaufen: Beim Fernsehgeschäft Klein und bei Juwelier Nolte, aber auch zwischen beiden Fachgeschäften gibt es einen Hoffnungsschimmer. Der neue Eigentümer der früheren Wirtz-Villa saniert das Ladenlokal, in dem einst eine Bäckerei war.

Durch das Nachbarhaus, die frühere Brückmann-Villa, verläuft ebenso ein Pfad, der für hoffnungsvolles Leben sorgen soll. Durch die Passage in den Steinweg sind es nur ein paar Schritte zum Parkplatz an der Rathausumfahrt.

Doch der Blick von Kunden fällt auf dem Weg nach Süden erst einmal weiter ins Leere. Friseur zu, Fenster verhangen, Boutique zu, Sonnenstudio zu und zwei Drogerien zu bis zur Steinweg-Galerie und Burgapotheke; auch der türkische Lebensmittelhändler hat vor einigen Wochen aufgegeben. Lediglich ein Schneider bietet in diesem Umfeld seine Dienste an.

Nicht viel anders ist die Situation auf der anderen Straßenseite aufwärts der Wurstgasse. Das Reiterlädchen im früheren Tabakwarenladen Grasmehr nutzt nebenan die frühere „No. 34” als Lager- und Ausstellungsraum. Wo man als Kind einst bei Burggraef Spielzeug oder später Heiratsanzüge gekauft hat, kann man sich mittlerweile über Haustechnik informieren.

Ein Metallbauer dekoriert das nächste Schaufenster, Bauelemente folgen ein Haus weiter. Bis zum Traditionslokal „Postwagen” beherrscht wieder absoluter Leerstand das Bild: Im Telefonladen wurden schon lange keinen Kunden mehr gesehen, das Bistro ist verlassen, im Nachbarladen hängen die Gardinen, und daneben sind 40 qm Gewerbeflächen zu mieten.

Die Gasse neben dem „Postwagen” zum „Burgkeller” setzt wieder ein Zeichen der Hoffnung. Mittlerweile haben die Inhaber der „Friederichs Ecke” vom Donnerberg das Hotel und Restaurant übernommen. Seit eineinhalb Monaten verzeichnet der Beherbergungsbetrieb eine Auslastung von 80 bis 90 Prozent. Die Restauration wird gründlich renoviert und soll voraussichtlich kommende Woche eröffnet werden.

Burgkeller öffnet wieder

Vicht-aufwärts sind wieder viele Rollläden geschlossen: In einem früheren Friseursalon ist noch privater Trödel ausgestellt, der Salon des Kollegen ist mittlerweile auch geschlossen; das Waffengeschäft daneben schon zahlreiche Jahre, und auch Musikgeräte kann man jetzt nicht mehr im oberen Steinweg kaufen.

Das Büro der SPD, das Studio des Instrumentalpädagogen Norbert Peters sowie der Ketsch-Fan-Shop und ein Fachgeschäft für Holzspielzeug sind hier auf dieser Straßenseite präsent. Boutique, Kiosk, Nähschop und Friseur sowie eine ehemalige Bäckerei bilden den Abschluss der einst so stolzen Einkaufsstraße, auf der immer weniger Passanten anzutreffen sind.

Und so wundert sich am anderen Ende auf dem Kaiserplatz auch der oberbayrische Touristen-Werber Florian Tartelt: „Ist es hier immer so ruhig?” Oder ob wohl die Stolberger schon so zahlreich zum Urlaub in den Chiemgau abgereist sind?
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