Kastration verhindert neues Tierelend

Von: Anja Klingbeil
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Wenn sich Katz und Kater lieb
Wenn sich Katz und Kater lieben - dann bitte nur kastriert: Für Züchter ist es aber möglich eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Foto: A. Klingbeil

Stolberg. Wandelt der Kater auf Freiersfüßen oder ist die Katze auf der Suche nach dem richtigen Bräutigam, dürfen die Samtpfoten in Stolberg seit dem 1. Januar 2012 ihrem Trieb nicht mehr ungehemmt nachgehen.

Seit Beginn diesen Jahres gilt in der Kupferstadt eine Kastrationspflicht für Freigänger. Das sowie eine Kennzeichnungspflicht für Stubentiger hat der Rat im vergangenen Oktober beschlossen.

Es droht ein Bußgeld

Sinnvoll, wie der Blick auf ein paar einfache Zahlen beweist: Katzen erreichen ihre Geschlechtsreife durchschnittlich im Alter von fünf bis sieben Monaten. Im Schnitt wird eine Katze zweimal pro Jahr tragend und bringt dabei zirka drei Junge zur Welt. Pflanzen sich diese weiterhin so fort, entwickelt sich aus zwei Katzen nach fünf Jahren eine Popoulation von etwa 120.000 Tieren. Ein eindrucksvolles Rechenbeispiel, das der Tierschutzverein Aachen und Umgebung im vergangenen Jahr den Gemeinden der Städteregion präsentierte. Eine Kastration verhindert solch unerwünschte Fortpflanzung und damit auch viel Katzenelend.

In Stolberg gilt die Verordnung nun also seit Januar. Doch hält sich wirklich jeder daran? „Bisher gab es jedenfalls keine Beschwerden”, sagt Hans Maassen vom Ordnungsamt. Gesichert kontrolliert werden könne das allerdings nicht. Für den Verwaltungsfachmann sei das immerhin schwierig zu überprüfen. Ohnehin sieht der Beschluss des Rates keine intensive Überprüfung vor. Der zusätzliche Personenaufwand dafür ist einfach zu groß. Zudem müssen Herrchen und Frauchen ihre Samtpfoten nicht anmelden. Wie viele Katzen und Kater in Stolbergs Haushalten leben und durch die Wiesen streunen, ist also nur schwer zu sagen.

Das Ordnungsamt jedenfalls greift erst ein, wenn es zu massiven Beschwerden kommt. „Die Menschen, deren Katzen frei herumlaufen, aber nicht kastriert sind, werden zuerst mündlich verwarnt”, sagt Maassen. Auch das Ordnungsamt möchte dann zuerst aufklärend wirken und auf die Wichtigkeit des kleinen Eingriffs, der eine Menge Katzenjammer erspart, hinweisen. Besitzern, die trotz mehrfacher Verwarnungen dennoch nicht reagieren, droht ein Bußgeld. Das kann mitunter saftig sein. Hans Maassen spricht von mehreren Hundert Euro.

Da ist es doch weitaus billiger, sein Tier von vorneherein kastrieren zu lassen. Die Preise schwanken: Die Kastration einer weiblichen Katze kostet zwischen 80 und 90 Euro. Der Eingriff beim Kater ist viel einfacher und schlägt für den Besitzer mit 58 bis 70 Euro zu Buche. „Einen sprunghaften Anstieg seit Einführung der Kastrationspflicht haben wir allerdings noch nicht bemerkt”, sagt Marion Kemper, Tierarzthelferin in der Praxis Dr. Karl-Heinz Hennecken. Dabei ist eine Kastration auch im Sinne der Tiere, nicht nur der Geburtenkontrolle.

Unkastrierte Kater markieren ihr Revier, urinieren nicht nur draußen, sondern auch in der Wohnung. Katzen werden rollig. Das äußert sich nicht nur damit, dass sie sich wie wild auf dem Boden rollen, sie jammern auch - und zwar lautstark, auch mitten in der Nacht. Kastrierte Samtpfoten neigen zudem viel weniger zu Kilometer langen Streifzügen, bleiben eher in der Nähe ihres Zuhauses. Die Gefahr, etwa auf der Straße überfahren zu werden, ist damit viel geringer.

Dass sie nun mehr Katzen zur Kastration auf ihrem Operationstisch liegen hat, das hat auch Martina Schullenberg noch nicht festgestellt. Doch hält sie die Verordnung auf jeden Fall für sehr begrüßenswert. „Das ist aktiver Tier- und Individualschutz”, sagt die Tierärztin. Ein Schutz auch vor der weiteren Verbreitung von ansteckenden Krankheiten wie Katzenaids und Leukose, die sich durch weit umher streunende, unkastrierte Katzen viel stärker verbreiten.

Ohnehin sei das Kastrieren seit vielen Jahrzehnten eine Standardbehandlung für die Katze. „Da gibt es eigentlich nur wenige Kunden, die sich da widersetzen”, sagt Martina Schullenberg. Manchmal mit dem Argument, dass auch die Katze oder der Kater weiter ihren Spaß haben sollen. Doch ist der ja trotzdem vorhanden, sagt Martina Schullenberg, nur eben so, dass daraus weit weniger neues Tierelend entsteht
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