Karl-Heinz Oedekoven: Faible für Kunst und Klassik im „Unruhestand“

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
11823805.jpg
Karl-Heinz Oedekoven in seinem Wohnzimmer vor einem abstrakten Werk von Antonio Máro. Nicht nur in Sachen Kunst hat der Kupferstädter Kulturaktivist noch viel vor. Foto: D. Müller

Stolberg. Sein Name ist inzwischen seit Jahrzehnten untrennbar mit der Kupferstädter Kunst- und Kulturlandschaft verbunden: Karl-Heinz Oedekoven ist unermüdlicher Kunst-Aktivist, treibt die Stolberger Szene mit seinem ehrenamtlichen Engagement immer wieder an.

Beruflich seit fast einem Jahr im Ruhestand widmet er sich weiterhin etablierten Erfolgsprojekten. Dirk Müller sprach mit ihm aber auch über neue Aktionen, mit denen Karl-Heinz Oedekoven die Kultur in Stolberg bereichern will.

Auf den ersten Blick ist Ihr beruflicher Hintergrund eigentlich sehr weit entfernt von Kunst.

Oedekoven: Ja, beim ersten Hinsehen schon. Ich war Produktmanager bei Grünenthal und unter anderem verantwortlich für acht Präparate-Neueinführungen. Zuletzt war ich in den Bereichen Gesundheitsmanagement und Gesundheitspolitik tätig und daneben verantwortlich für wissenschaftliche Symposien wie die Aachener Hospizgespräche. Es freut mich sehr, dass ich diese nationalen Fachkongresse von Aachen nach Stolberg in das Museum Zinkhütter Hof holen konnte, wo sie inzwischen etabliert sind.

Wie hat Ihr Beruf bei Ihnen die Kunstleidenschaft entfacht?

Oedekoven: Mein Interesse an Kunst wuchs zunächst durch die Kontakte zu kreativen Köpfen wie Grafikern, Fotografen und Illustratoren. Von 1984 bis 1988 habe ich dann 20 Gemeinschaftsausstellungen in den Räumen des Kupferhofes Grünenthal organisiert und war schnell vollends mit dem „Kunstvirus“ infiziert.

In der Folge haben Sie sich dann zunehmend privat und ehrenamtlich in Sachen Kunst engagiert.

Oedekoven: Insbesondere hinsichtlich der Künstler Peter Hodiamont und Janet Brooks Gerloff. So wurde 1990 die deutsch-amerikanische Künstlerin Janet Brooks Gerloff in der Stolberger Burg mit dem Rheinischen Kunstpreis ausgezeichnet. Ebenfalls Anfang der 90er Jahre habe ich dann meine wohl bedeutendsten Ausstellungen organisiert, als erst Peter Hodiamont und dann Brooks Gerloff im Gewandhaus in Leipzig ihre Werke gezeigt haben.

Wie ging es mit Ihren Kunst-Aktivitäten weiter?

Oedekoven: Als Sekretär, Kurator und Vizepräsident bin ich von Beginn an in der Stiftung Hodiamont aktiv, die 1997 vom Belgischen Justizministerium in Brüssel anerkannt und bestätigt wurde und deren Präsident ich heute bin. 2008 haben meine Ehefrau Christa und ich die Steinweg-Galerie eröffnet, die seit 2012 im Burg-Center beheimatet ist. Der Grund war eigentlich, dass wir immer mehr Anfragen von Künstlern erhielten, Ausstellungen zu organisieren. Dementsprechend wenig kommerziell war und ist die Ausrichtung der Galerie. Wir wollten und wollen nicht in erster Linie Werke verkaufen, sondern Kunst zeigen, die Betrachter faszinieren und den Künstlern ein Forum bieten. Seit Mai 2013 zeigen wir in der Galerie Teile des künstlerischen Nachlasses von Janet Brooks Gerloff in permanenter Präsentation. Es ist ein riesiger und sehr vielschichtiger Fundus, und ich denke, dass diese Dauerausstellung der großartigen Künstlerin und ihrem Schaffen gerecht wird.

Aber auch 2010 war für Sie ein besonderes Kunstjahr in der Kupferstadt...

Oedekoven: Ja, einerseits, weil meine Frau Christa und ich in diesem Jahr die städtische Kunstausstellungsreihe Artibus in der Burg-Galerie kuratiert haben. Um die Promotion für die Artibus-Reihe kümmern wir uns bis heute ehrenamtlich. Andererseits habe ich im Jahr 2010 gemeinsam mit den Kunst-Mitstreitern Birgit Engelen und Ludwig Pitz die Kupferstädter Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“ ins Leben gerufen. Es gab zu dem Zeitpunkt zwar schon eine Kunstroute in Stolberg, aber „Kunst auf dem Weg“ konzentrierte sich ausschließlich auf Alt- und Innenstadt. Während diese Route fußläufig erlebt werden konnte, wollten wir mit der Kunstausfahrt auch Stationen in den Stadtteilen mit einbeziehen.

Wie hat die „Art Tour de Stolberg“ sich entwickelt?

Oedekoven: Wirklich gut. Sie ist bei Kunstinteressierten wie bei den Künstlern selbst längst etabliert. Bei der Premiere haben neun Stationen teilgenommen; sechs davon waren in der Innenstadt und mit dabei waren das Museum Zinkhütter Hof in Münsterbusch, die Galerie Pitz in Breinig und der Europäische Kunsthof, der damals noch in Vicht beheimatet war. Ein Jahr später waren es schon 12 Stationen, 2014 sogar 17, und wenn am Wochenende des 30. Aprils und 1. Mais die siebte „Art Tour de Stolberg“ stattfindet, werden insgesamt 18 Stationen zur freien Kunstschau locken, und Stadtteile wie Büsbach, Breinig, Dorff, Münsterbusch und Zweifall werden Kunst(h)orte präsentieren.

Und Sie haben nach der „Art Tour de Stolberg“ noch weitere Kunstausstellungen etabliert.

Oedekoven: Ja, seit 2012 kommt die Kunstroute Weser-Göhl im Eupener Land mit derzeit 12 Partnern hinzu. 2013 entstand dann noch die Stolberger Ausstellungsreihe „in memoriam“ in der ehemaligen Direktions-Villa des Museumsquartiers Zinkhütter Hof. Am Sonntag, 1. Mai, wird im Museum um 12 Uhr die inzwischen sechste „in-memoriam“-Ausstellung mit Werken von Anton Wendling eröffnet.

Ausgerechnet am Haupttag der Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“. Ist das nicht kontraproduktiv?

Oedekoven: Nein, das glaube ich nicht. Erfahrungsgemäß kommen viele Gäste aus der Region gezielt zur Vernissage der „in-memoriam“-Ausstellungen. Wenn diese kunstinteressierten Menschen dann zudem die Gelegenheit haben, weitere Ausstellungen in Stolberg besuchen zu können, werden hoffentlich viele von ihnen sich auf den Weg machen. Sie können vor der Vernissage schon Kunst(h)orte besuchen und sich ab 13 Uhr wieder auf die Kunstausfahrt machen. Ich bin zuversichtlich, die „Art Tour“ profitiert vom Termin der Wendling-Ausstellungseröffnung.

Wie ist die Ausstellungsreihe „in memoriam“ entstanden?

Oedekoven: Als ich gehört habe, dass die Museumsverwaltung des Zinkhütter Hofs von der Villa in den Trakt des Forums wechseln wollte, war mein Interesse an der Villa als möglicher Ausstellungsort sofort geweckt – zumal ich in eben jenen Räumen, in denen jetzt die „in-memoriam“-Ausstellungen präsentiert werden, meine Kindheit verbracht habe. Ich habe bei dem Museumsleiter Sebastian Wenzler angefragt, und er wollte ein Konzept von mir. Das hat er auch bekommen. Allerdings nicht als 20-seitiges Exposé, sondern in Form eines Satzes: Die Ausstellungsreihe soll das Schaffen bedeutender Künstler, die in unserer Region Spuren hinterlassen haben, posthum zeigen und würdigen. Sebastian Wenzler und der damalige Bürgermeister Ferdi Gatzweiler haben grünes Licht gegeben, und der Erfolg gibt uns bis heute Recht. Zu den bisherigen Ausstellungseröffnungen haben wir jeweils zwischen 100 und 200 Gäste begrüßen dürfen.

Parallel zur Kunst pflegen Sie noch eine weitere kulturelle Organisationsleidenschaft...

Oedekoven: Ja: Musik. Und das übrigens wieder kurioser Weise durch meine Arbeit in einem pharmazeutischen Unternehmen. Halb dienstlich beauftragte Michael Wirtz mich seinerzeit, erste Klassikkonzerte im Kloster Wenau zu organisieren. 13 Jahre lang war ich für die deutsch-japanische Grünenthal-Tochterfima Takeda tätig und habe – wieder halb dienstlich – 1990 begonnen, die Klassik-Edition „Unisono“ mit deutsch-japanischen Musikerpaaren wie zum Beispiel Kurt Masur und Tomoko Sakurai zu entwickeln. Seit 1990 habe ich unter anderem 18 geistliche Konzerte für die Fondation Hodiamont zumeist mit ostbelgischen Ensembles organisiert und in Stolberg zuletzt 2015 das Benefizkonzert „Gemeinsam gegen Kälte“ mit Thomas Beckmann in der Finkenbergkirche, dessen Erlös dann den Obdachlosen zugutekommt.

Was die Kunst angeht, so stehen die „Art Tour de Stolberg“ und die nächste „in-memoriam“-Ausstellung ins Haus. Was können wir musikalisch in 2016 von Ihnen erwarten?

Oedekoven: Die Pfarrkirche St. Franziskus in der Velau, deren Kirchenfenster übrigens von Peter Hodiamont entworfen wurden, feiert in diesem Jahr 50 Jahre Kirchweihe. Für den 25. Juni habe ich in der Kirche ein Konzert mit Lesung und Kunstausstellung organisiert, das um 19 Uhr beginnt. Der Männergesangverein Cäcilia Raeren wird singen, ein Lyrikrezitator mit Klavierbegleitung die Gäste niveauvoll unterhalten, und der Holzschnitt-Zyklus „Der Sonnengesang vom Heiligen Franz“ von Peter Hodiamont wird gezeigt. Und im Juli dieses Jahres steht dann die nächste Stolberg-Premiere an.

Was wird das für eine Stolberg-Premiere sein?

Oedekoven: Vom 22. bis 24. Juli wird es das erste Stolberger Klassik-Festival geben. Das bedeutet: fünf Konzerte an einem einzigen Wochenende. Die Idee dazu stammt von der Stolberger Pianistin Patricia Buzari. Ich organisiere das erste Stolberger Klassik-Festival auf ihren Wunsch hin und im Auftrag der Bürgerstiftung, die Veranstalter der Konzerte im Museum Zinkhütter Hof sein wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.