Kanalbau: Es sind bis zu 150.000 Euro Mehrkosten

Von: Jürgen Lange
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Mosaikarbeit für den Flickenteppich im Donnerberger Goepelschacht: 150 000 Euro mehr als das Submissionsergebnis stellte die Firma Gebrüder Kutsch der Stadt wegen Behinderung, Erschwernissen und außervertraglichen Leistungen in Rechnung. Foto: J. Lange

Stolberg-Donnerberg. Für Wirbel hatte diese Baustelle bereits vor einem Jahr gesorgt, als in der Straße „Am Goepelschacht“ der Kanal und Hausleitungen erneuert wurden. Kaum hatte die Firma Gebrüder Kutsch mit den Arbeiten auf dem Donnerberg begonnen, kündigte sie per Flugblatt den Anwohnern an, dass anstelle der geplanten 30 Werktage sechs Wochen länger gearbeitet werden müsse. Und gegenüber unserer Zeitung hatte Firmenchef Helmut Kutsch erhebliche Mehrkosten angekündigt, die auf die Stadt zukommen werden.

Sie sind nun beziffert. Anstelle des Vergabepreises von knapp 270.000 Euro stellt das Stolberger Unternehmen 420.000 Euro der Stadt in Rechnung. Die Verwaltung wiederum anerkennt 325.000 Euro als gerechtfertigt an und will über die Differenz von 95.000 Euro mit dem Unternehmen verhandeln. Der Auftakt der Gespräche dazu fand am Mittwoch statt, während am Abend in der Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses die Entscheidung über die Auftragserhöhung nach Informationen unserer Zeitung vertagt wurde.

Was war geschehen? Nach politischer Intervention im Bauausschuss vor einem Jahr hatte die Verwaltung dem Tiefbauunternehmen auferlegt, als Zufahrt zur Baustelle Goepelschacht nicht mehr den Rosenweg zu benutzen. Während die Politik um den Zustand der Straßen in der Siedlung durch die Belastung mit Baustellenverkehr fürchtete, bedeutete dies für das Unternehmen Einschränkungen in der Abwicklung der Arbeiten, weil die Baustelle nicht mehr von zwei Seiten angefahren werden konnte.

„Eine Zufahrt über die Straße ,Am Rosenweg‘ ist uns aufgrund der Beschwerde von SPD-Ratsmitglied Hans Kleinlein nicht mehr gestattet“, hatte seinerzeit die Firma Gebrüder Kutsch per Flugblatt an die betroffenen Anlieger verteilt und „pflichtgemäß die Verlängerung der Bauzeit, eine Massenmehrung sowie daraus resultierende Mehrkosten“ aufgezeigt, weil anders als ursprünglich geplant, kalkuliert und angeboten die Hausanschlüsse erst nach vollständiger Verlegung der neuen Kanalleitung umgebunden werden könnten, so Kutsch seinerzeit.

Kurz nach der Berichterstattung unserer Zeitung hob die Stadt zwar wieder das von ihr verhängte Fahrverbot auf, dafür wurden aber andere Fragen kontrovers diskutiert. Insbesondere die der Wiederherstellung der Fahrbahndecke. Damit Anlieger nicht zu Kosten herangezogen werden können, sollte im „Goepelschacht“ auch nur dort wieder eine neue Asphaltschicht eingebaut werden, wo auch gearbeitet worden war. Das wurde angesichts der technischen Voraussetzungen jedoch zu einer besonderen Herausforderung: Die Straßenbauer mussten Mosaikarbeit leisten.

Das Besondere am Goepelschacht ist, dass die frühere städtische Kanalleitung durch die Vorgärten der Häuser verlegt war. Die neue Kanalleitung wurde aber auf der anderen Seite der nur einseitig bebauten Siedlungsstraße verlegt. Das bedeutet, dass die Hausanschlüsse zur Abwasserbeseitigung der Gebäude entsprechend verlängert werden mussten. Dazu wurden die Hausanschlüsse herausgetrennt aus dem alten Kanal. Der wurde dann mit Beton versiegelt, während der Hausanschluss durch Vorgarten, Gehweg und Fahrbahn mit dem neuen Kanal verbunden werden musste. Dabei wurden die Bereiche von Bürgersteig und Fahrbahn geöffnet, die erst einige Monaten zuvor nach Arbeiten durch Versorgungsträger erst in den betroffenen Abschnitten hergerichtet worden waren.

Deshalb „ wurde im Vorfeld der Kanalplanung festgelegt, die vorhandene Fahrbahn zu zwei Dritteln neu herzustellen“, so resümiert es heute der neue Technische Beigeordnete. Zudem sei es der Wunsch gewesen, ausschließlich Kanalbau zu betreiben und keineswegs Straßenbau mit der Folge von Anliegerbeiträgen, so Tobias Röhm weiter. Weil aber nach dem Kanalbau der „Goepelschacht“ in einen verkehrssicheren Zustand gebracht werden musste, seien „zusätzliche Reparaturarbeiten an Fahrbahn und Gehweg zwingend notwendig“ geworden: „Kleinflächen aus Asphalt sowie kurze Teilstücke von Borden und Rinnen“, schreibt Röhm in seinen Bericht für den Ausschuss.

Dies alles hat zu Mehrkosten geführt. 10.000 Euro anerkennt die Verwaltung für die laut Vergabeordnung geltende gemachte Behinderung aufgrund des von der Stadt kurzzeitig verhängten Fahrverbots über den Rosenweg. Weitere 25.000 Euro werden durch die Verwaltung als Erschwerniszulage akzeptiert. Eben so wie 20.000 Euro für außervertragliche Leistungen wie Baumfällarbeiten oder Umbauten an Schächten. Diese zusätzlichen Forderungen seien auch durch das bauleitende Büro geprüft und für ordnungsgemäß gehalten worden.

Somit kommt die Verwaltung auf einen Mehraufwand von 55.000 Euro bei Gesamtkosten in Höhe von 325.000 Euro. Dies macht eine weitere Differenz von 95.000 Euro zu den von der Firma Gebrüder Kutsch in Rechnung gestellten Leistungen in Höhe von 420.000 Euro, über die nun verhandelt werden. Bis zur März-Sitzung des Ausschusses soll ein Ergebnis vorliegen.

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