Kammerkonzert: Musikalischer Traum geht in Erfüllung

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Gemeinsam mit seiner Frau Hyun-Jung Kim-Schweiker (Piano) begeistert Hans-Christian Schweiker als Duo con Aura seit vielen Jahren sein Publikum in großen Teilen Europas. Foto: Duo con Aura

Stolberg. Wie in den vergangenen Jahren auch ist von den sieben durchgeführten Konzerten des Stolberger Musiksommers ein Konzert der Kammermusik gewidmet.

Musizierten hier zuletzt der kanadische Klaviervirtuose Marc Pierre Toth und das russisch/rumänische Parfenov Duo, so bestreitet in diesem Jahr das auf den internationalen Kammermusikbühnen gastierende „Duo con Aura“ mit Hyun-Jung Kim-Schweiker (Piano) und Hans-Christian Schweiker (Violoncello) den Kammermusikabend.

Warum der Schwabe und die Koreanerin in Stolberg angekommen sind und was sie im Rittersaal zu Gehör bringen werden, darüber hat sich der erfahrene Künstler, Prof. Hans Christian Schweiker, mit unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten unterhalten.

Wo sind Sie aufgewachsen? Wie hat alles begonnen? Wussten Sie schon früh, dass sie einmal eine Musikerkarriere einschlagen würden?

Schweiker: Ja. Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Reutlingen aufgewachsen und habe meine Eltern im Alter von vier Jahren darüber informiert, dass ich später einmal Violoncello spielen wolle. Bei einem Verwandtenbesuch gab jemand ein Konzert auf diesem Instrument, und ich war so fasziniert, dass ich mir diesen Traum irgendwann auch erfüllen wollte. Mit sechs Jahren erhielt ich zunächst Klavierunterricht, weil es sich in unserem Dorf als schwierig erwies, einen Cellolehrer zu finden. In der ersten Gymnasialklasse in Reutlingen unterstützte mich dann eine Lehrerin, und ich bekam meinen lang ersehnten Unterricht, und das zehn Jahre lang.

Wo haben Sie studiert? Was war Ihr musikalischer Schwerpunkt?

Schweiker: Das Studium führte mich an die Hochschule für Musik und Tanz nach Köln. Ich studierte im Hauptfach Violoncello bei Boris Pergamenschikow und Kammermusik beim Amadeus-Quartett, Klavier war mein Nebenfach. Nach sechs Semestern wurde ich der Assistent von Boris Pergamenschikow und 1983 erhielt ich sogar einen Lehrauftrag in Köln.

Welche weiteren künstlerischen Fertigkeiten waren für Ihren Beruf sinnvoll?

Schweiker: Wichtig sind hier vor allem eine gute Allgemeinbildung in Literatur, Musik und politischem Weltgeschehen. Um durch ein Konzertprogramm zu führen, sind freies Sprechen und gutes Formulieren unabdingbar.

Was ist das Besondere an Kammermusik?

Schweiker: Die Individualität muss gegenüber der Gruppe zurückgefahren werden. Man kann es mit dem Jazz vergleichen: Es gilt die eingetretenen Pfade zu verlassen und auf der Bühne im Miteinander zu improvisieren. Jedes Konzert ist anders. Das hängt allein schon mit dem sich ändernden Konzertsaal zusammen, der Uhrzeit (Matinee oder Abend), der jeweiligen Atmosphäre und auch welche Besetzung spielt.

Gibt es eine Hitliste klassischer Stücke für Sie?

Schweiker: An erster Stelle stehen da für mich die Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, dessen Urtextausgabe in meiner Bearbeitung 2001 im Ries & Erler Verlag erschienen ist. Dann folgen Stücke von Johannes Brahms und Robert Schumann und nicht zuletzt Dimitrij Schostakowitsch.

Ist Kammermusik ein Gegensatz zur Orchestermusik?

Schweiker: Nein. Ich finde es eine gute Mischung. Ob solistisch oder im Team, beides hat seine Berechtigung.

Wo haben Sie gearbeitet und mit welchen Ensembles?

Schweiker: Zehn Jahre mit dem Streichquartett „Verdi“, mit meiner Ehefrau gründete ich das „Trio Testore“ und als „Duo Con Aura“ gastier(t)en wir um den Globus.

Haben Sie bei Ihren Reisen auch noch Zeit, Land und Leute kennenzulernen?

Schweiker: Wir haben schöne Landschaften in den verschiedenen Ländern kennengelernt und sind überall auf tolle Menschen getroffen, denn wir können ja unser Konzertprogramm, und da bedarf es dann nur noch einer oder zwei Verständigungsproben in dem jeweiligen Konzertsaal.

Wie kommt es, dass Sie in Stolberg wohnen und wie lange schon?

Schweiker: Von Köln ging es 1988 nach Aachen, da ich hier eine Professur erhielt. 1993 habe ich meine spätere Ehefrau kennengelernt, die in Aachen bei Prof. Ulla Graf Klavier studierte. Hyun-Jung Kim war bereits ein Star in Korea. Mit 13 Jahren hatte sie schon Beethovens 1. Klavierkonzert mit dem Royal Symphony Orchestra Pusan gespielt und verschiedene Wettbewerbe gewonnen. Wir sind dann 1995 nach Stolberg gezogen. In der Buschmühle fanden wir ein Haus, in das wir uns sofort verliebten und uns bis heute sehr wohlfühlen. 1997 haben meine Frau und ich geheiratet. In Aachen und Stolberg wurden unsere beiden Söhne geboren.

Wo arbeitet Ihre Frau jetzt?

Schweiker: Sie geht einer regen Konzerttätigkeit nach, ist Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und unterrichtet bei internationalen Meisterkursen.

Was machen Sie beruflich gemeinsam?

Schweiker: Wir musizieren gemeinsam im „Duo con Aura“, das wir manchmal auch mit Martin Spangenberg (Klarinette) oder Eszeter Haffner (Violine) zum Trio erweitern. Seit 2000 bin ich Cellist im „Trio Testore“ und meine Frau Pianistin. Besonders stolz sind wir auf unser Mai Klassik Kammermusikfestival, das wir 2011 in Alsdorf gegründet haben. Ich bin zwar der künstlerische Leiter, aber die künstlerische Konzeption planen und bereiten wir zusammen vor.

Geht das, beruflich und privat? Wie gelingt der Spagat?

Schweiker: Das geht nur, weil wir dies zu trennen wissen. Was in die Berufswelt gehört, hat in der Privatwelt nichts verloren und umgekehrt.

Vermisst Hyun-Jung Kim Ihre Heimat nicht manchmal?

Schweiker: Ja, schon. Da ihre Eltern immer sehr weltoffen waren, hatten sie Verständnis für ihre Tochter, als sie den Wunsch äußerte nach Deutschland zu gehen. Ihr Vater ist zwar früh verstorben, aber da gibt es noch Bruder und Schwester in Korea, so dass die Mutter nicht alleine ist. Zudem kommt diese gerne zu Besuch, und auch meine Ehefrau fährt des öfteren in ihre Heimat. Und dann gibt es ja noch Skype und Internet.

Was ist mit Ihren Söhnen? Spielen sie auch ein Instrument?

Schweiker: Johannes ist 12 und geht aufs Goethe-Gymnasium und David (9) in die OGGS Büsbach. Der ältere Sohn lernt Cello und der jüngere Klavier. Beide sind erfolgreiche Sportler im koreanischen Schwertkampf am Ritzefeld-Gymnasium.

Was würden Sie gerne in der Welt verändern?

Schweiker: Die abendländische Kultur muss hochgehalten werden. Bildung und Kultur sind von unschätzbarem Wert. Daher brauchen die Schulen mehr Geld, um Büchereien zu vergrößern, damit jedes Kind ein Instrument erlernen kann, auch sollen mehr Computer Anwendung finden. Neben Bildung und Wissen gilt es, Offenherzigkeit und Wärme zu fördern.

Welche Stücke spielen Sie in Stolberg?

Schweiker: Es wird ein slawischer Abend werden mit Meisterwerken von Leos Janacek, Dimitrij Schostakowitsch und Sergej Rachmaninow.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Auftritt in Stolberg?

Schweiker: Ich möchte das Publikum auf eine Reise mitnehmen durch die Gefühlswelt der Komponisten, als sie diese Stücke schrieben. Es gilt, Herzen zu öffnen und Emotionen zu wecken.

Wie bringen Sie diese dem Publikum näher?

Schweiker: Ich möchte in heiter-freundlichem Plauderton die menschlichen Seiten der Komponisten beleuchten und die Musik in deren autobiografischen Kontext einordnen.

Sind die Kammermusikkonzerte nur etwas für Liebhaber und Kenner?

Schweiker: Jeder denkt, es wäre so. Dabei gilt es nur die Schwellenangst und Berührungsängste mit den Nichtmusikern abzubauen. Es ist wie in einer Talkshow. Man braucht nur zuzuhören. Kammermusik ist gegenüber der Opernmusik zum Beispiel einfacher und durchsichtiger. Ich kenne Menschen, die besuchen jeden Tag ein anderes Konzert und sind richtig süchtig danach geworden.

Wohin treibt die klassische Musik? Hat sie noch kulturellen Wert?

Schweiker: „Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum“, hat Nietzsche gesagt. Und er hatte Recht. Klassische Musik bedarf einer gewissen Reife, um sie zu verinnerlichen. Nicht jeder sucht das, aber es gibt viele Menschen, die sich gerne diese Art Konzerte anhören.

Kann man junge Leute noch dafür begeistern?

Schweiker: Ja, es ist wichtig, dass sie ins Konzert kommen. Allerdings muss der Eintrittspreis an ihr Portemonnaie angepasst sein. So finde ich es sehr schön, dass der Eintritt beim Kinderkonzert im Rahmen des Stolberger Musiksommers zum Beispiel frei ist. Und wie ich dem Programmheft entnehme, können Kinder, Schüler, Studenten und Auszubildende 15 Minuten vor jedem Konzertbeginn Restkarten zum Preis von zwei Euro erwerben, eine nette Geste vom Team!

Wie sehen Sie Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Schweiker: Erst einmal möchte ich gesund bleiben. Dann bin ich an der Hochschule in Aachen ja immer noch als Professor tätig. Darüber hinaus möchte ich mit meinen Ensembles schöne Konzerte mit interessanten und emotionsstarken Musikern machen.

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