Kamin soll weiterhin Münsterbusch zieren

Von: Jürgen Lange
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Mit markanter Architektur will das Strabag-Projekt in Münsterbusch der Ecke von Mauer- und Cockerillstraße ein attraktives Gesicht verleihen.
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Architekt Bernhard Reiser (Mesa Development) und Daniel Heßer (Büro ISU) informierten die Bürger über das Strabag-Projekt gemeinsam mit Planungsamtsleiterin Nicole Dürler, Fachbereichsleiter Andreas Pickhadt; die Moderation übernahm Josef Hansen als Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung. Foto: J. Lange

Stolberg. Emotionen folgen doch noch am Ende der sachlich und konstruktiv geführten Bürgerbeteiligung zum Strabag-Projekt in Münsterbusch. Applaus brandet im Ratssaal auf, als Bernd Reiser erklärt, der Zincoli-Schornstein solle möglichst erhalten werden. Abriss oder Sanierung ist eine Frage der Kosten.

Für den Architekt der Mesa-Development ist der historische Industriekamin eine „erlebbare Landmarke“. Aber sein Erhalt und die gewünschte Inszenierung durch Illumination ist auch eine Frage der Finanzierung.

Eine kritische Stimme

Die Strabag als Investor beteiligt sich mit 75.000 Euro. Weitere Mittel erhoffen sich Investor und Stadt von der NRW-Stiftung. „Ich habe dazu bereits Kontakt mit Harry Voigtsberger aufgenommen“, sagte Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Der frühere Verkehrsminister des Landes amtiert mittlerweile als Präsident der „NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur“, kandidierte 1999 um das Bürgermeisteramt der Kupferstadt und engagierte sich als Direktor für die Übernahme des Museums Zinkhütter Hof durch „seinen“ Landschaftsverband Rheinland.

Der Erhalt des Schornsteins soll den Münsterbuschern nicht nur eine gehörige Portion Identität sichern, sondern er soll auch als Landmarke auf das zukünftige Einkaufszentrum mit seiner hochwertigen Architektur mit Glasfassaden und Ziegelsteinmauerwerk hinweisen. Diese und das Konzept mit zwei Baukörpern und mittig angeordneten 330 Parkplätzen, die wie ein Pfeil auf den denkmalgeschützten Zinkhütter Hof hinweisen, hatte das Projekt „als Sahnehäubchen“, so die damalige Technische Beigeordnete Simone Kaes-Torchiani, aus den weiteren Konzepten des Ende 2006 durchgeführten Investorenwettbewerbs herausgehoben.

Etwa zwei Dutzend Bürger überwiegend aus Münsterbusch sowie eine Reihe von Politikern nutzten die Gelegenheit, sich über das Projekt zu informieren sowie Anregungen zu äußern. Nur eine kritische Stimme – ganz anders als bei vergleichbaren Anhörungen zum Kaufland- und Burg-Center-Projekt vor fast zehn Jahren – äußerte sich zur erwarteten Umsatzverteilung in Höhe von rund 10,3 Millionen Euro sowie zur zusätzlichen Kaufkraftgewinnung von etwa 6,8 Millionen Euro. Einwände blieben aber aus. Neben einem Bau- und Gartenmarkt mit 6800 m2 Verkaufsfläche, den „Toom“ mit neuem Konzept als alternativen Standort für seinen Markt an der Mauerstraße (3500 m2) nutzen will, sind ein Verbrauchermarkt (2500 m2) sowie ein Discounter und ein Drogeriemarkt mit aktuell je 800 m2 Verkaufsfläche vorgesehen; mit potenziellen Mietern wird derzeit noch verhandelt, erklärte Reiser.

Ein solches zusätzliches Angebot an Einzelhandel schafft nicht nur rund 100 neue Arbeitsplätze, sondern trage auch dazu bei, den Abfluss von Kaufkraft aus der Kupferstadt zu minimieren. Die Kaufkraftbindung in Stolberg liege mit 60 Prozent sehr niedrig und fast schon im dörflichen Bereich, erklärte Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Mit dem Vorhaben werde durch Versiegelung eine Altlast saniert und durch die avisierten Sortimente der Innenstadt nicht geschadet, wo Flächen für die Ansiedlung großflächigen Einzelhandels einfach fehlten.

Die Ansiedlung der Verbrauchermärkte auf rund 3,1 des vier Hektar großen Areals sorgt allerdings auch für ein Mehr an Verkehr. Die Gutachter kalkulieren mit zusätzlich 5150 Fahrzeugbewegungen an Werktagen. Sie werden in erster Linie die Mauerstraße (K 13) und die Cockerillstraße (L 221) betreffen, was die Teilnehmer der Bürgerbeteiligung am meisten bewegte.

Zur Entlastung ist bereits vorgesehen, dass der Zulieferverkehr für den Bau- und Gartenmarkt über eine separate Ausfahrt zum Schellerweg abfließt. Ob und inwieweit diese Trasse auch als Zufahrt – interessant für Kunden aus der Innenstadt – genutzt werden könne, hänge ab von der zukünftigen Verwendung der östlichen 10 000 m2 des Bebauungsplangebietes, für die derzeit keine konkrete Verwendung absehbar ist.

Zur Abwicklung des normalen Kundenstroms haben die Planer zwei Alternativen berechnet und geprüft für die Einmündungen der Mauerstraße: jeweils ein Kreisverkehr an Fachmarktzentrum und Prämienstraße mit 26 Meter Durchmesser sowie an der Cockerillstraße oder alternativ zwei neue Ampelanlagen. „Wir können beides“, sagte Reiser. Welche Variante realisiert werde, hänge aber ab von den Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, insbesondere der Städteregion und des Landesbetriebs Straßenbau als Eigentümer der beiden betroffenen Straßen.

Baubeginn im Sommer 2014

Während die anwesenden Bürger mehr Sympathie für die Kreisverkehre zeigten, gab Reiser zu bedenken, dass aufgrund der Fahrbahn-Neigung und seiner eher geringen Dimension der angedachte Kreisverkehr an der Zufahrt zum Einkaufszentrum ein „Kreisel“ nicht unbedingt die ideale Lösung darstelle. Ampeln hätten darüber hinaus den Vorteil, durch veränderte Umlaufphasen einfach zukünftigen Verkehrsentwicklungen Rechnung tragen zu können. So habe das Gutachten auch aufgezeigt, dass bereits der heutige Verkehrsfluss an der Kreuzung von Cockerill- und Mauerstraße deutlich optimiert werden könnte. Ein weiteres Ergebnis ist auch, dass für fünf Gebäude passiver Lärmschutz erforderlich werde.

Bei optimalem Verlauf der weiteren Planungsverfahren rechnet Reiser derzeit mit einem Baubeginn im Sommer 2014 und einer Fertigstellung Ende 2015.

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