Stolberg - Kamera und Terminal: Monschauer Intelligenz für die Altstadt

Kamera und Terminal: Monschauer Intelligenz für die Altstadt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Auf der Stolberger Vogelsang- und Burgstraße soll zukünftig ein Terminal und eine Kamera den Durchgangsverkehr aus dem Anliegerbereich heraushalten. Foto: A. Gabbert (2), J. Lange
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Auf der Monschauer Eschbachstraße sind bereits ein Terminal und eine Kamera für Verkehrssünder installiert. Foto: A. Gabbert (2), J. Lange

Stolberg. Bereits Bestandteil eines sogenannten „Intelligenten Verkehrsleitsystems“ in Monschau ist die mögliche zukünftige Lösung zur Unterbindung des Durchgangsverkehrs in der Stolberger Altstadt.

Was in der Eifelstadt derzeit vornehmlich nur während touristischer Hochzeiten in Betrieb ist, soll auf der Achse von Burg- und Vogelsangstraße zukünftig dauerhaft eingesetzt sein: eine mit Kamera bewaffnete Durchfahrtskontrolle für Anlieger bzw. Nicht-Anlieger.

Wie das im Detail aussehen soll, dass wissen CDU und SPD auch noch nicht so recht. Aber die Koalitionsfraktionen sind sich zumindest einig, dass nun die Verwaltung und Verkehrsingenieure den Lösungsvorschlag im Detail erarbeiten sollen. Gestern präsentierten die Fraktionsführungen und die Vorsitzenden der zuständigen Ortsgliederungen ihre Analyse der im Januar erfolgten Bürgerbefragung – nachdem es in deren Vorfeld zu recht unterschiedlichen Vorstellungen innerhalb der Koalition gekommen war.

„Die Auswertung zeigt deutlich, dass die befragten Anwohner mit großer Mehrheit die Durchfahrt des externen Verkehrs verbieten möchten“, bilanzieren Jochen Emonds und Dieter Wolf. „Von dieser Regelung sollen die befragten Anwohner selber nicht betroffen sein.“

Angeschrieben hatte die Verwaltung 1517 Anwohner, betrug mit 557 Antworten gut ein Drittel. Von diesen sprachen sich 281 für die Beibehaltung der bestehenden Verkehrsregelung aus. 16 plädierten bei bestehender Regelung für die Herausnahme des Busverkehrs. 128 votierten für eine Beibehaltung der derzeitigen Regelung, bei der die großen durch Kleinbusse ersetzt werden sollten.

Weitere 67 Befragte sprachen sich dafür aus, den Bereich Burg-/Vogelsangstraße durch zwei Absperrungen zu verschließen, wobei Anwohner den Bereich weiterhin befahren dürfen und Busse und Lieferanten die Poller per Schlüssel oder Fernbedienung öffnen können. Und weitere 81 Stimmen gab es für eine Abpollerung in Höhe des Übergangs von der Burg- in die Vogelsangstraße, bei der Anlieger und Lieferanten die Bereiche nur bis zu der Absperrung befahren können sollen. Zudem lieferten 28 Befragte ausschließlich textliche Kommentare, und es gab drei Enthaltungen und 47 Mehrfachnennungen.

Nun wollen die beiden Fraktionen vor allem den Blick nach vorne wagen. „Die Anwohner wollen keine Schranken, wollen keine Poller und wollen keinen Durchgangsverkehr“, resümiert noch einmal Jochen Emonds. Als Konsequenz präsentiert die große Koalition „die Quadratur des Kreises“, die am Übergang von Vogelsang- und Hastenrather Straße erfolgen soll mit „Mitteln der heutigen Verkehrstelematik“.

Dieter Wolf und Jochen Emonds denken dabei an ein zweiseitiges Messystem, das an dieser Stelle für den gegenläufigen Verkehr mit jeweils einer Blitzeinheit und einer Kennzeichenkamera ausgestattet ist. Das bedeutet, dass Anwohner den Kontrollpunkt den Nummernschild-Erkennung problemlos passieren können. Aber Durchgangsverkehr wird unterbunden, obwohl alle Verkehrsteilnehmer beide Bereiche der Achse bis zur Kontrollstelle anfahren können. Sie stellt auch bei Notfällen kein Hindernis für Rettungskräfte dar.

Zweiter wichtiger Punkt für beide Fraktionen ist die Aufrechterhaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Allerdings soll mit der Aseag verhandelt werden, ob die bisherigen großen Busse komplett oder zumindest außerhalb der Spitzenzeiten durch kleinere und barrierefreie Fahrzeuge ersetzt werden können. „Nur 16 Befragte wollten den Busverkehr ganz aus der Achse herausnehmen“, folgen auch die Christdemokraten diesem klaren Votum: Nachdem sie bereit gewesen waren, den Busverkehr zur Disposition zu stellen, halten sie nun wie zuvor bereits die SPD für unverzichtbar auf dieser Linie.

Einigkeit besteht auch in der Forderung an die Planer, dass die Durchfahrt für den Kreis der Anlieger der befragten Quartiere weiter offen bleibt, und die Erreichbarkeit durch Zulieferer und Besucher gewährleistet bleibt.

Aber Dieter Wolf schränkt ein: „Wir haben hier die Wunschlösung skizziert“. Die Details müssen zeigen, ob und wie die Vision auch Realität werden kann. Da ist neben der Frage nach den Kosten auch die Frage nach Wendemöglichkeiten für Kraftfahrer, die zu spät erkannt haben, dass die Durchfahrt verboten ist und ein „Knöllchen“ scheuen oder für Spediteure, die wenden müssen. Denn klar ist für beide Fraktionen auch, dass die Saarstraße mit Blick auf die Kindertagesstätte nicht für den Verkehr wieder geöffnet werden und im oberen Bereich Sackgasse bleiben soll.

Vielleicht stelle sich im Einmündungsbereich zur Hastenrather- bzw. Vogelsangstraße auch die Frage nach einem Kreisverkehr sowie nach Grunderwerb. „Es sind noch viele Bretter zu bohren bis zu einer machbaren Lösung“, so Wolf weiter. Und sobald eine solches Konzept skizziert sei, soll es wieder den Anwohnern zur Beteiligung präsentiert werden, betont Jochen Emonds. „Uns schwebt da die erfolgreiche Methode der Planungswerkstatt vor.“ Dass die große Koalition schon dieses Jahr zu Weihnachten Lösungs-Geschenke vorlegen kann, bezweifeln ihre Vertreter selbst.

Ungeachtet dieses sachlichen Blickes nach vorne, nutzen die beiden Koalitionäre die Gelegenheit zur Vergangenheitsbewältigung für ein „nicht beispielhaftes Vorgehen während einer sonst so vertrauensvollen Zusammenarbeit“, wie es Dieter Wolf formuliert. Der SPD-Fraktionsvorsitzende erinnert an „eine ominöse Bürgerversammlung“ des CDU Ortsverbandes Mitte, die das ganze Thema ins Rollen brachte, über die die SPD aber nicht informiert gewesen sei. Wobei es einerseits legitim sei, dass Gruppierungen von Parteien aktiv würden, was sich aber andererseits nicht sehr vertrauensvoll auf die Zusammenarbeit auswirke.

In der Folge traten dann unterschiedliche Ansätze zur Thematik zwischen den beiden Partnern stärker zu Tage als dies eigentlich gewollt gewesen sei. So habe die CDU zunächst nur einen kleineren Kreis Anlieger befragen und den Busverkehr infrage stellen wollen, während die SPD zunächst ein Konzept von Experten hätte erarbeiten lassen und es erst dann dem größeren Kreis von Anliegern vorstellen wollen.

Daraufhin erinnert der CDU-Fraktionsvorsitzende an das ominöse Flugblatt des SPD-Ortsvereins, mit dem die Abstimmung torpediert werden sollte und das letztlich einvernehmliche Vorgehen der Koalitionäre. Gelernt wurde jedenfalls, dass mangelnde Kommunikation zur „unüberlegten Reflexen“ und vermeintlichem „Handlungsdruck“ führe, was in der Sache aber nicht wirklich hilfreich sei. „Wir sind nun in der Realität angekommen“, unterstrichen Emonds und Wolf.

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