Stolberg - Kali-Halde erhält ein dichtes Profil

Kali-Halde erhält ein dichtes Profil

Von: Jürgen Lange
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Die nächste Phase der Sanierung der Kali-Halde ist eingeläutet: Die Böschungen sollen nivelliert und weitere 18.000 Douglasien gepflanzt werden. Foto: AAV

Stolberg. Die nächste Phase der Sanierung der Kali-Halde ist eingeläutet. Der Umweltdezernent der Städteregion, Uwe Zink, der Geschäftsführer des Altlastensanierungsverbandes AAV, Gerhard Kmoch, und Stolbergs Bürgermeister Ferdi Gatzweiler erläuterten einen weiteren entscheidenden Schritt, mit dem die letzte verbliebene große Altlast in der Region entschärft wird.

Die Kali-Halde wird punktuell abgedeckt, Böschungen werden stabilisiert und Teerflächen der früheren Kartbahn auf dem Plateau entfernt.

Weit in die Vergangenheit reichen die Bemühungen um die Sanierung der mit Rückständen aus der Produktion der ehemalischen chemischen Fabrik Rhenania der späteren Kali-Chemie AG von 1852 bis 1944 angehäuften Halde. „Als ich 1987 beim Umweltamt des Kreises anfing, war dies mein erstes großes Thema”, erinnerte sich Andreas Illguth am Dienstag. Lange und kontrovers wurden Möglichkeiten zur Sanierung und Finanzierung unter den beteiligten debattiert.

Immerhin umfasst die dreieckige Halde ein Volumen von 2,6 Millionen Kubikmeter mit einer Höhe von rund 38 Meter auf einer Fläche von neun Hektar einen Mix aus unterschiedlichen chemischen Bestandteilen - in der Hauptsache anorganische Rückstände von schwefelhaltigen Calciumsalzen und -sulfiden bis zu Aschen, Schlacken und Bauschutt. Austretendes Schwefelwasserstoffgas sorgt für den bis zum Bahnhof zu vernehmenden Geruch fauler Eier.

Entscheidende Bewegung in die Sanierung kam vor fünf Jahren mit dem Abschluss eines Sanierungsvertrages zwischen der heutigen Städteregion, dem AAV und der Solvay Deutschland GmbH als Rechtsnachfolgerin und Eigentümerin der Halde. Sie trägt die Hälfte der Kosten, die auf zehn Millionen Euro beziffert werden. 2,3 Millionen steuert der AAV, eine Million die Städteregion bei und 1,7 Millionen Euro trägt das Umweltministerium des Landes. Denn bei der Sanierung, die wesentlich vom Aachener Ingenieurbüro Heitfeld-Scheteling konzipiert wurde, wird Neuland betreten. „Es ist das erste Mal, dass eine solche Altlast nicht einfach mit Folie, Lehm und Asphalt versiegelt wird”, unterstrich AAV-Geschäftsführer Kmoch.

Das Ziel, den Eintrag von Wasser in den Haldenkörper und damit die Auswaschung der belastenden Stoffe entscheidend zu minimieren soll auf eher natürlichem Weg erreicht werden, erklärte Zink. Böschungen und offene Flächen werden derzeit mit 13 000 Kubikmeter Erdreich nivelliert; weitere 5000 Kubikmeter dienen als zusätzliches Pflanzsubstrat, die über eine neu angelegte Zufahrt mit Lastwagen auf die Halde gekarrt, verteilt und verfestigt werden. „Auf ihrer Fahrt talwärts nehmen die Fahrzeuge dann den entfernte Teer mit”, sagte Bauleiter Dr. Joachim Simon.

Angepflanzt wurden bereits im Frühjahr als engmaschiges Netz mit Meter-Abständen 15.000 Douglasien; weitere 18.000 dreijährige Setzlinge. Sie sind nicht nur preiswert, sondern vor allem durstig und verdunsten über ihre Nadeln auch während der Winterzeit erhebliche Mengen Feuchtigkeit, so Dr. Gottfried Lennartz von der Gaiac, einem Forschungsinstitut für Ökosystemanalyse und -bewertung an der RWTH, der ein forstwirtschaftliches Konzept für den entstehenden Mischwald mit der derzeit vorherrschenden Birke entwickelt - zur Produktion und Entnahme von Biomasse. „Wir erwarten, dass dadurch der jährliche Sickerwasseranteil langfristig um über 50 Prozent reduziert werden kann”, betont Zink. Anstatt derzeit 23.000 Kubikmeter werden rund 10.300 im Jahr erwartet.

Die werden aufgefangen durch eine Drainage, die bereits vor zwei Jahren am Fuß der Halde zur Bahnhofseite verlegt worden ist. Zukünftig sollen die Sickerwässer in einer eigens Konzipierten Anlage so weit behandelt und gereinigt werden, dass sie sauber in den Saubach eingeleitet werden können. Angelehnt an eine Methode aus der Erdölindustrie entwickelt das niederländische Unternehmen Paques in Zusammenarbeit mit Bayer eine Pilotanlage.

Weitere drei Millionen Euro

„Im Labor funktioniert die Methode”, so Kmoch, „nun wird die Pilotanlage konzipiert”. Anfang nächsten Jahres soll sie an der Haldenrandstraße entstehen, Ende 2012 sollen der Bioreaktor nebst Entflockungsanlage in Betrieb gehen können. „Die Behandlungsanlage wird auf Dauer betrieben werden müssen”, betonte Kmoch. Zwar liege die Finanzierung der Sanierung bis dato im Plan, aber für den Anlagenbau werden die Projektbeteiligten weitere drei Millionen Euro locker machen müssen. „Darüber laufen derzeit die Gespräche.”

Angesichts der umfangreichen Maßnahmen freute sich insbesondere Bürgermeister Ferdi Gatzweiler über die Fortschritte der Halden-Sanierung. „Sie bringt für dieses Eingangstor in unsere Stadt am Hauptbahnhof und für den ganzen Stadtteil eine entscheidende Verbesserung”. Nicht nur der Geruch nach faulen Eiern verschwinde, sondern durch das Ausfiltern der Schwefelstoffe werden der Saubach und damit auch die Inde eine deutlich verbesserte Wassergüte erhalten.

Saubach und Inde werden sauberer

Bis zur Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges 1944 produzeirte die Rhenania Schwefelsäure, Sulfat, Soda, Salzsäure, Ätznatrion, Chlorkalk und Phosphate. Rückstände, Fehlchargen, Aschen und Schlacken wurden unsortiert zur Kali-Halde aufgeschüttet und notdürftig abgedeckt.

Niederschlagswasser löst das Material aus der Halde; schwefelhaltiges Sickerwasser verunreinigt den Saubach. Eine zweite Quelle der Belastung des Saubachs, der Austritt von Huminsäuren aus den Vegla-Poldern, ist mit einer Drainage und Aufbereitungsanlage seit März 2007 bereits minimiert.

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