Kali-Halde: 30.000 junge Bäume und Bakterien gegen Schwefel

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Noch klein, aber schon sehr du
Noch klein, aber schon sehr durstig: 30.000 junge Douglasien werden auf der Kali-Halde in Atsch gesetzt, um den Eintrag von Niederschlagswasser zu minimieren. Foto: J. Lange

Stolberg. Fortschritte werden gemacht bei der Entschärfung der wohl größen verbliebenen Altlast in der Städteregion. Das sieht man der Kali-Halde beim Blick von der Steinbachstraße in Atsch von außen kaum an.

Man muss schon genau hinsehen, um an der Haldenrandstraße die Kontrollschächte der mittlerweile unterirdisch verlaufenden Drainage zu erkennen. Bis vor zwei Jahren schwappte hier noch eine stinkende und trübe Brühe in einem Graben.

Dieser Fanggraben für das aus der Halde austretende Sickerwasser gehört zu einem umfangreichen Sanierungspaket, auf das sich die Kali-Chemie AG als Eigentümerin, die Städteregion als Aufsichtsbehörde sowie der Abwasser- und Altlastensanierungsverband (AAV) und das Umweltministerium in Düsseldorf verständigt hatten. Es sieht neben der Fassung der Sickerwässer und ihre Aufbereitung in einer Pilotanlage auch eine Abdichtung der Halde, um Auswaschungen zu minimieren, vor.

Jetzt gehen die Maßnahmen in ihre entscheidende Phase, erläuterte Andreas Illguth vom Umweltamt der Städteregion jüngst dem Stolberger Umweltausschuss. Die Abdichtung der Halde erfolgt durch eine Verdichtung ihres Bewuchses. „Eine komplette Versiegelung hätte schnell die 10- bis 20-fachen Kosten verursacht”, so Illguth. Nicht minder groß sind die Erwartungen in die biologische Versiegelung. 30.000 junge Douglasien werden in diesen Tagen auf dem Haldenkörper gesetzt. Die Wahl fiel auf diesen durstigen Nadelbaum mit Blick auf die Wintermonaten, in denen Laubbäume ihr Laub abwerfen und damit der gewünschten Verdunstungsarbeit nicht nachkommen. Anders die Douglasie, die im Gegensatz zur Kiefer an dem extremen Standort gedeiht, was Probepflanzungen dokumentiert hatten. An einigen Stellen müssen noch erfolgte Abgrabungen und Auswaschungen ausgeglichen, der Haldenkörper angeglichen werden, dann müssen die Douglasien in dem angestrebten Birken-Mischwald nur noch 20 Jahre alt werden, um ihre völlige Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Gleichzeitig ist ein Konsortium aus Unternehmen, Hochschulen und Ingenieurbüros dabei, die auf Laborbasis bestehende Aufbereitungsanlage für die aufgefangenen Sickerwässer als Pilotanlage vor Ort umzusetzen. Das Konzept stammt von einem niederländischen Unternehmen, das bereits erfolgreich mit Bakterien Erdöl- und -gas reinigt. Nun sollen diese Organismen in einem Bioreaktor in erster Linie Schwefel oxydieren und ihn mit Hilfe von Kalkmilch als Gips ebenso ausscheiden wie Arsen ausgeflockt wird. Damit die Bakterien unter optimalen Bedingungen Höchstleistungen bei 10.000 Kubikmeter Sickerwasser jährlich verbringen können, wird der Bioreaktor auf 30 Grad beheizt bzw. gekühlt - je nach Jahreszeit.

Während die Schadstoffe nach einer Entwässerung auf einer Deponie entsorgt werden sollen, soll das behandelte Sickerwasser eine Qualität erreichen, die eine direkte Einleitung in Saubach und Inde, alternativ in die Kläranlage ermöglichen. Wenn die Pilotanlage optimal läuft, erfolgt ihr Endausbau. Auf zunächst 30 Jahre ist das zehn Millionen Euro schwere Sanierungsprojekt ausgelegt. Fünf Millionen Euro davon trägt die Kali-Chemie, 2,3 Millionen der AAV, 1,7 Millionen das Land und eine Million Euro die Städteregion.

Die Kali-Halde zwischen Steinbach und Haldenrandstraße entstand nach 1850, als Apotheker Hasenclever aus Aachen die Waldmeisterhütte gründete, die 1852 zur Chemischen Fabrik Rhenania AG wurde. Seit 1928 gehört die der Kali-Chemie AG; 1944 wurde das Werk zerstört und aufgegeben. Abgekippt wurden ohne Systematik Rückstände aus der Produktion Sulfat, Soda, Schwefel- und Salzsäure sowie Phosphaten.

Bis heute wäscht Niederschlagswasser Chemikalien aus der Halde und belastet mit schwefelhaltigem Sickerwasser Saubach und Inde.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert