Stolberg - Kaiserplatz: Kann eine neue Uhrzeit den Markt retten?

Kaiserplatz: Kann eine neue Uhrzeit den Markt retten?

Von: Kristina Toussaint
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Ein Textilstand und ein Bäckerwagen: Darauf beschränkt sich derzeit das Angebot am Mittwoch auf dem Kaiserplatz. Bei schlechtem Wetter ist auch die Publikumsgröße sehr begrenzt. Von den 2015 nach dem Umzug vom Willy-Brandt-Platz mitgezogenen sieben Beschickern sind fünf ersatzlos abgewandert.
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Freitags auf dem Jordansplatz: Ein breites Angebot von Obst und Gemüse über Honig und Blumen bis hin zu Fisch lockt regelmäßig viele Besucher an. Foto: Kristina Toussaint

Stolberg. Während es für den innerstädtischen Freitagsmarkt verhältnismäßig gut läuft – ein vielfältiges Angebot lockt, insbesondere bei schönem Wetter, eine solide Zahl an Kunden auf den Jordanplatz – ist mittwochs und samstags auf dem Kaiserplatz tote Hose. An einem herbstlichen Mittwochvormittag trifft man hier lediglich zwei Stände an.

Als Regen und Wind stärker werden, streicht auch noch der Textilstand die Segel. Am verbleibenden Stand, einem Bäcker aus der Eifel, ist immerhin noch etwas los: „Die Kundschaft kommt, weil sie weiß, dass wir immer hier sind“, sagt Verkäuferin Silvia Barth. Bei besserem Wetter sei der Kaiserplatz schon auch noch ein wenig besser gefüllt.

2015 waren es noch sieben Beschicker, die beim erneuten Wechsel vom Willy-Brandt- auf den Kaiserplatz mitgegangen waren: Neben Backwaren, Kleidung und Lederwaren gab es hier zunächst auch Uhren und Schmuck sowie Obst und Gemüse. Letztere Warengruppe sucht man seit diesem Sommer vergeblich: Toni von Krüchten, seit 40 Jahren eine Institution auf den Wochenmärkten von Heinsberg und Stolberg, war im Juli in den Ruhestand gegangen.

Zuerst hieß es, seine Nachfolge sei gesichert, kurzfristig ist der Nachfolger jedoch abgesprungen, sagt Sven Poschen vom Ordnungsamt der Stadt Stolberg. Nachwuchs zu finden, sei für alle Händler ein Problem: Aufstehen in den frühen Morgenstunden, um zu beladen und den Markt zu erreichen, Hitze im Sommer, Kälte im Winter, dazu ein Abnehmen der umsetzbaren Waren – das alles mache den Job unbeliebt.

Ersatz für die abgewanderten Beschicker zu finden, gestaltet sich ebenso schwierig. Zwar bemühen sich die Verantwortlichen der Stadt auch auf anderen Märkten um die Anwerbung neuer Stände, doch sind die meisten Händler an den Stolberger Markttagen bereits ausgebucht und stehen an für sie lukrativeren Punkten.

Was den Samstagsmarkt zusätzlich unattraktiv macht: Auf dem Kaiserplatz finden, vor allem im Frühjahr und Sommer, samstags regelmäßig andere Veranstaltungen statt. „Fast jede Woche haben wir dann Hochzeiten oder andere Veranstaltungen, so dass die Beschicker nicht immer auf dem gleichen Stellplatz stehen können – für viele ist das aber Voraussetzung“, sagt Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier.

Am Samstag hat sich die Zahl der Stände somit auf einen reduziert. Von einem Wochenmarkt kann da kaum noch die Rede sein. Solange dieser Beschicker samstags komme, werde man ihm aber auch nicht verwehren, hier zu verkaufen. Neben dem Versuch, neue Beschicker anzuwerben, gebe es zunächst einmal keine weiteren Bemühungen, die aktuellen Marktformate zu beleben, sagt der Bürgermeister.

Eine frische Idee zum Thema Wochenmarkt gibt es aber: Die Stadt denkt über die Einführung eines Abendmarktes nach. Vorstellbar wäre hierfür zum Beispiel, den Markt am Mittwoch vom Vormittag in den späten Nachmittag und frühen Abend zu verlegen. So könnte auch wieder mehr junges und berufstätiges Publikum angezogen werden. In Jülich wurde seit April bis in den September hinein ein ähnliches Modell, importiert aus der Nachbarstadt Grevenbroich, getestet. Im meist zweiwöchentlichen Rhythmus gab es hier bei Livemusik diverse kulinarische Spezialitäten zu kaufen. Der Fokus liegt hier allerdings mehr auf dem Verweilen und Verzehren als dem reinen Einkauf.

In Stolberg ist der Markt in den Abendstunden bislang allein eine Idee. Mit den Beschickern habe man die Verlagerung in die Abendstunden noch nicht besprochen. Und neue Ideen scheinen dringend nötig, wenn der Wochenmarkt auf dem Kaiserplatz attraktiver werden soll. „Das Einkaufsverhalten der Leute hat sich verändert. Einkaufen im Supermarkt ist für viele einfacher, man bekommt nun einmal alles von der Unterhose bis zu Lebensmitteln und Tiefkühlware“, sagt Poschen. Dabei seien viele Waren auf dem Markt nicht einmal teurer und zudem noch regional.

Neben dem kleinen, dienstäglichen Markt in Zweifall, der laut Poschen recht gut angenommen wird, lockt auch das Angebot auf dem Jordansplatz freitags regelmäßig zahlreiche Kunden an. Fisch, Käse, Honig, Blumen und mehrere Obst- und Gemüsestände bieten hier eine Vielfalt, für die sich der Besuch offenbar lohnt. Eine der Stammkunden ist Gisela Laschet, die hier freitags regelmäßig Fisch und Obst kauft. Andere Märkte besucht sie aber nicht: „An den anderen Tagen weiß man ja gar nicht mehr genau, wo der Markt inzwischen stattfindet.“

„Hier kommt das Marktgefühl noch auf“, findet man am Obst- und Gemüsestand Lambertz. Samstags steht der Stand auf dem Kaiserplatz. Berufstätige, die das wissen, nutzten dieses Angebot auch. Die anderen Beschicker haben an den Kaiserplatz-Tagen schon andere Verpflichtungen: Ist van Takacs, der seit sieben Jahren auf dem Jordansplatz Produkte einer Imkerei in Ungarn verkauft, steht samstags in Eschweiler. Der Blumenanbieter Hartmann hat es bereits am Samstag probiert. „Das lohnt sich aber einfach nicht“, sagt Floristin Camen von der Weiden.

Auch am Obst- und Gemüsestand Jochims aus Gangelt ist reger Betrieb. Fragt man Rainer Jochims, ist die Nachfrage jedoch auch auf dem freitäglichen Markt rückläufig. Äpfel zum Beispiel habe man an früheren Freitagen in doppelter Menge verkauft. „Man muss schon sehr hart kalkulieren.“ Für ältere Leute ist der Markt laut Sven Poschen vom Ordnungsamt noch immer ein Ort, an dem man sich trifft und ein Schwätzchen hält. Was aber fehlt, ist das junge Publikum, stellt auch Jochims fest. Man habe es am Obststand auch schon eine Zeit lang mit einer Ananasbar und einer Saftpresse versucht – angenommen worden sei das nicht besonders gut.

Eine Idee, die auf einem Feierabendmarkt vielleicht eher einen Platz findet.

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