Kaffeefahrt: Billige Suppe und teure Töpfe

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Stolberg. Die 76-jährige Gertrud F. sitzt mit rund 40 weiteren älteren Menschen in einem Reisebus, die ebenfalls vor ein paar Tagen die Einladung zu einer Fahrt ins Grüne erhalten haben.

Kostenlos verspricht der Veranstalter zusätzlich ein „reichhaltiges Mittagessen, das man einfach mitnehmen muss”. Alle befinden sich auf dem Weg zu einem ihnen unbekannten Ort, an dem getafelt werden soll.

Schließlich sind sie im Saal einer abgelegenen Gastwirtschaft angekommen. Dort ist die Enttäuschung groß: Das reichhaltige Mittagessen entpuppt sich als billige Beutelsuppe, die Gertrud F. zerknirscht in ihre Handtasche steckt. Weitere vier Stunden werden völlig überteuerte Kochtopfsets und andere vermeintliche Schnäppchen von einem seriös gekleideten Mann eindringlich feilgeboten.

Wenige Tage später sitzt Gertrud F. mit versteinertem Blick im Senioren-Infocenter der Stadt Stolberg. Ein Topfset hat sie zwar nicht gekauft, jedoch ließ sie sich auf der Rückfahrt zu einer Unterschrift überreden, mit der sie angeblich nur den Empfang eines kostenlosen Senioren-Handys quittierte.

Seit diesem Zeitpunkt bucht eine Telefongesellschaft jeden Monat 15 Euro von ihrem Konto ab und Gertrud F. dämmert es: „Da habe ich wohl eine große Dummheit begangen. Und das, obwohl ich nur etwa 700 Euro Rente im Monat erhalte und Kaffeefahrten eine billige Möglichkeit sind, mal unter Menschen zu kommen.”

„Leider kein Einzelfall”, weiß Seniorenbeauftragter Paul Schäfermeier und bringt es auf den Punkt: „Ältere Menschen werden bei Kaffeefahrten derart perfide über den Tisch gezogen, dass sie die hierbei entstehende Reibungshitze auch noch mit Nestwärme verwechseln.” Dabei muss das Vorgehen nicht einmal so offensichtlich sein, wie in diesem Fall geschildert. Manchmal werden persönliche Angaben oder Bankdaten unter fadenscheinigen Gründen am Telefon erfragt. Wenig später wird ein Betrag vom Konto abgebucht, da man angeblich einem Vertrag zugestimmt hat, auch ganz ohne Unterschrift.

Auswege aus der Falle

„Viele Betroffene schämen sich, einzugestehen, dass man übers Ohr gehauen wurde und zahlen lieber”, weiß Schäfermeier. Da sich solche Fälle jeden Tag nach ähnlichen Mustern wiederholen, haben das Senioren-Infocenter und der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Hans-Josef Wellmann, diesen Machenschaften indirekt den Kampf angesagt.

Sie möchten ältere Menschen in der Kupferstadt stark machen und haben sich hierfür fachliche Verstärkung bei der Verbraucherzentrale NRW gesucht: Am Donnerstag, 20. Oktober, wird die Leiterin der Beratungsstelle Alsdorf, Claudia Schmitz, im Rathaus ab 15 Uhr über unseriöse Vertragsabschlüsse, Kaffeefahrten und betrügerische Gewinne informieren.

Hierbei sollen nicht nur die Vorgehensweisen der Anbieter erläutert, sondern auch Auswege aus derartigen Verträgen aufgezeigt werden. Die kostenlose Veranstaltung richtet sich an alle interessierten Personen. Gerne können eigene Erfahrungen eingebracht oder fragliches Werbematerial mitgebracht werden. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige Anmeldung im Senioren-Infocenter (Rathaus) unter Telefon 13-467 erforderlich.
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