Kabelschaden bei der Bahn: Reisende stranden in Stolberg

Von: Jürgen Lange
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Gefragter Schienenersatzverkehr vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt: Die Deutsche Bahn hat ein knappes Dutzend Droschken aus Aachen verpflichtet, die kostenfrei per Bahnticket verkehren. Wer nach Aachen möchte, kann sich ein Stolberger Taxi kostenpflichtig mieten. Foto: J. Lange

Stolberg. „Altstadt, Altstadt!“, ruft ein halbes Dutzend Taxi-Fahrer im Chor immer dann, wenn am Morgen gelegentlich ein Zug am Stolberger Hauptbahnhof eintrifft und Reisende herausströmen. Sie gehören zu den Droschken aus Aachen, die die Deutsche Bahn engagiert hat, um einen Schienenersatzverkehr von der Rhenania- in Richtung Zweifaller Straße anbieten zu können.

Nachdem in der Nacht Kabeldiebe zwischen Eilendorf und Rothe Erde zugeschlagen hatten, bricht der Zugverkehr zwischen Aachen und Stolberg weitgehend zusammen.

Doch diese Bahnkunden gehen achtlos an den Taxifahrern vorbei; sie sind gegen 9.30 Uhr mit der letzten Euregiobahn an Gleis 27 angekommen, die die Altstadtstrecke an diesem Vormittag bedient hat. Sie wollen vor allem in Richtung Kaiserstadt. Für sie steht zu diesem Zeitpunkt kein Ersatz parat. „Sie müssen Stolberger Taxis nehmen“, weisen die Aachener auf einen Kollegen aus der Kupferstadt. „25 Euro bis nach Rothe Erde?“ Da winkt das Paar aus Eschweiler lieber erst einmal ab.

„Altstadt kostenlos“; heißt der Aachener Lockruf dagegen wieder, als der letzte Flügelzug aus Aachen ankommt, der später von Gleis 43 weiter in Richtung Düren und Alsdorf fährt. Auch diesmal hat der Stolberger Chauffeur keine gute Karten. Erst als sich auch bis kurz vor 10 Uhr kein Ersatzbus hat blicken lassen, teilen sich ungeduldig Wartende einen Funkmietwagen.

Da steht noch der Rhein-Sieg-Express an Gleis 1. Wann und ob er nach Aachen abfährt, das kann hier kein Ansprechpartner genau sagen. Lautsprecherdurchsagen sind selten und verweisen auf 15- bis 20-minütige Verspätungen; und den abseits am Gleis 27 stehenden Servicekräften der Bahn fehlen selbst präzisere Angaben, um die gestrandeten Reisenden zufriedenstellen zu können.

Es bleibt bei Hinweisen auf Ausfälle, Ersatzverkehr und Verspätungen. Die nimmt letztlich auch Manuela Nguyen in Kauf, die mit ihrer Familie in Richtung Köln abfahren möchte. An den drei Hauptgleisen sind weder Ansprechpartner noch Aushänge in Sicht.

Neben den Taxis für den innerstädtischen Verkehr setzt die DB vier Busse auf der Strecke nach Langerwehe ein, erklärt DB-Sprecher Jürgen Kugelmann auf Anfrage. Wer nach Aachen oder Köln will, muss sich mit bis zu 30-minütiger Verspätung abfinden. Denn immerhin fahren die Züge – einzeln je Richtung und zumindest die beiden Regionalexpresslinien, Thalys und ICE.

Komplett eingestellt wird am Vormittag die Euregiobahn. Die Regionalbahn hätte nur zu noch größeren Problemen geführt, erklärt der DB-Sprecher.Auch der Güterverkehr muss warten, bis das Nadelöhr behoben ist.

18 Meter Signalkabel weg

Gegen 1.20 Uhr in der Früh wurde das Handicap entdeckt, „weil sich die Signale nicht mehr stellen ließen“, sagt Kugelmann und vermutet – ohne den Ermittlungen der Bahnpolizei vorgreifen zu wollen – Kabeldiebe, die an der Strecke zwischen Eilendorf und Rothe Erde ihr Unwesen trieben. Während Techniker sich um Schadensbehebung kümmerten, sorgten Streckenposten per Funk dafür, dass auf einer der meist befahrenen Strecken Deutschlands die Züge zumindest tropfenweise verkehren konnten.

Derweil befinden sich die privaten Gleise der Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) zwar in tadellosem Zustand, aber die Euregiobahn verkehrt dennoch nicht. Es fehlt das Zugmaterial, weil die DB eben den Verkehr eingestellt hat. Lediglich zwischen Aachen und Heerlen sowie zwischen Herzogenrath und Alsdorf Poststraße, so bestätigt EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil, sind Talent-Züge unterwegs.

Verweist bleibt die innerstädtische Bahnlinie. Vereinzelt an den Haltepunkten Schneidmühle und Rathaus, in größeren Gruppen am Mühlener Bahnhof warten Reisende vergebens. Nicht nur auf die Bahn, sondern zunächst auch auf die Aachener Ersatz-Taxis, die erst im Verlauf des Vormittags die Stolberger Haltepunkte entdecken. Nur peu a peu spricht sich am Rendezvouspunkt die Kunde rund, dass die Euregiobahn nicht kommt. Offenbar zu selten sorgen Lautsprecher-Durchsagen oder etwa Servicepersonal für Aufklärung. Anders am verwaisten Haltepunkt Altstadt, wo Taxis vermutlich alle Kunden befördert haben.

Um 14.10 Uhr, so der DB-Sprecher, ist der Kabelschadens behoben, die entstandenen Einschränkungen im Zugverkehr beseitigt. Aber bis in den Nachmittag hinein soll es noch zu Verspätungen kommen. 98 Züge fuhren mit Verspätung, 22 wurden umgeleitet und vier fielen ganz aus.

Derweil geht die Bundespolizei von einer lokalen Tätergruppe aus, die 18 Meter Signalkabel und Lichtwellenleiter entwendet hatte. Die Ermittlungen laufen.

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